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Intercultural Communication

Wer hat nicht schon einmal im Urlaub im Ausland beim Lesen der ins Deutsche übersetzte Speisekarte geschmunzelt oder gestaunt, was da angeboten wird. Bei „Daten mit Speck“ „belecktes Brötchen“ oder „bunter Reisen“ versteht man noch recht schnell, was man da bekommt. Bei „Pizza vier Bahnhöfe“ bedarf es schon ein wenig italienische Kenntnisse, um darauf zu kommen, dass eigentlich „quattro stagioni“ also „vier Jahreszeiten“ gemeint ist.

 

 

Je exotischer die Sprachen, desto abenteuerlicher werden solche Übersetzungsfehler. „Tickets at the buffet" ist dabei noch ein harmloses Beispiel für „Ticket-Selbstabholung" bei einem chinesischen Bahnhof. Herausfordernder ist dagegen, um von „Germany sexual harrassment" auf das eigentlich angepriesene Gericht „German-style salted pig’s feet" zu kommen. Hier muss man nicht nur der offiziellen chinesischen Sprache mächtig sein, sondern auch noch Wissen über regionale Dialekte und umgangssprachliche Ausdrucksweise verfügen. Denn „die salzigen Schweinefüße" ist in einigen südchinesischen Regionen der Ausdruck für „Grabscher". Da bei solchen Übersetzungen oft gedankenlos auf eine Übersetzungssoftware verlassen wird und diese auch mal ausfallen kann, hat ein chinesisches Restaurant neben den chinesischen Schriftzeichen einfach „Translate server error" als die englische Übersetzung über dem Eingang hängen.

 

Bei solchen Restaurants und eher provinziellen Bahnhöfen sind solche Fehler nicht nur amüsant, sondern auch tolerierbar. Erstaunlicher und peinlicher finde ich allerdings, dass einem Weltkonzern wie Adidas ein derartiger Fauxpas passiert. Als ich das beiliegende Bild vom Manager Magazin online sah, staunte ich nicht schlecht. Das Foto zeigte offensichtlich ein Adidas-Geschäft in China. Unter dem Schriftzug „Adidas" steht nicht die vermeintliche Übersetzung „阿迪达斯" (a-di-da-si), sondern „Blut und Schweißfabrik", abgeleitet von dem englischen Begriff „sweatshop" und steht für einen Ausbeutungsbetrieb.

 

Dabei ist Adidas bei weitem nicht der einzige Global Player, der derartige Anfängerfehler begehen. Mehrere Modefirmen erregten mit ihren Anzeigen in China Aufregungen, weil diese entweder ein Model mit einem Aussehen, das überhaupt nicht dem Schönheitsideal der Chinesen entspricht, einsetzten oder mit irgendeinem anderen Element einen wunden Punkt der Chinesen trafen. Dass einige politisch motivierte Chinesen diese Anlässe ausnutzen, um in der breiten Bevölkerung Nationalismus zu schüren, ist eine andere Geschichte. Diesen Modefirmen kann aber die unnötige Dummheit nicht ganz abgestritten werden.

 

Es gibt auch positive Beispiele. Jungheinrich zum Beispiel heißt auf Chinesisch „永恒力", ausgesprochen „yong heng li". Die Schriftzeichen bedeuten wiederum „ewige Kraft". Diese geniale Übersetzung stammt zwar nicht von mir, aber ich kann mit ein wenig Stolz behaupten, dass ich damals zumindest als „Bankberaterin mit länderspezifischem Know-how" zu dieser Übersetzung befragt wurde. Das umsichtige Nachfragen ließ das Management von Jungheinrich nicht unwissend erscheinen, sondern smart. Ignoranz und blindes Vertrauen hingegen schaden nicht nur dem Image, sondern wirken sich womöglich noch negativ auf die Ergebnisse des Unternehmens aus.