direkte Bereichesauswahl

EU-Förderung ermöglicht Großprojekte

Land: Italien


EU-Förderung ermöglicht Großprojekte

Italien erhält aus der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU von 2021 bis 2027 Fördergelder in Höhe von 191,5 Milliarden Euro. Diese setzt das Land vor allem zum Ausbau der Verkehrs- und IT-Infrastruktur sowie zum Umbau der Energieversorgung ein. Dadurch bieten sich deutschen Unternehmen viele Auftragsmöglichkeiten. Allein der Bau von Hochgeschwindigkeitstrassen und Alpentunneln kostet über 60 Milliarden Euro. Rom, Turin, Mailand und Neapel erweitern auch ihre U-Bahnlinien.

Bis 2033 entstehen Stromtrassen für 21 Milliarden Euro. Zudem sollen bis 2030 etwa 55 Gigawatt an Fotovoltaik-, 16 Gigawatt an Windkraft- und 5 Gigawatt an Wasserstoffanlagen ans Netz gehen. Das sizilianische Catania wird Europas größte Fabrik für Fotovoltaikzellen beherbergen. Zudem laufen Planungen zur Kohlendioxidspeicherung unter der Adria bei Ravenna.

Baukonjunktur schwächelt

Trotz der Großprojekte prognostiziert die EU-Kommission, dass die Bauinvestitionen 2024 preisbereinigt um 2,6 Prozent sinken werden. Viele private Bauherren überdenken ihre Vorhaben wegen gestiegener Kosten für Materialien, Energie und Kreditzinsen. Zudem sinken Abschreibungsmöglichkeiten für nachhaltige Baumaßnahmen Anfang 2024, dann können nur noch 70 Prozent und nicht mehr 110 Prozent der Investitionskosten geltend gemacht werden.

Gute Lieferchancen eröffnet die Umstellung der Kfz-Produktion auf die Elektromobilität. Hierfür wenden Stellantis, Lamborghini, Ferrari und HongQi 12 Milliarden Euro auf. Darüber hinaus entstehen in Süditalien zwei große Fertigungsstätten für Batterien. Auch der Markt für Hybrid- und Elektrofahrzeuge wächst kräftig. Insgesamt werden die Ausrüstungsinvestitionen 2024 laut Europäischer Kommission real um 2,5 Prozent steigen. Es gibt jedoch auch viele Hersteller, die ihre Ausrüstungsbestellungen auf den Prüfstand stellen. Gründe dafür sind hohe Kaufpreise, teure Finanzierungen und die seit Anfang 2023 reduzierten Abschreibungsmöglichkeiten.  

Reallöhne sollen erstmals seit drei Jahren steigen

Die Europäische Kommission erwartet, dass der Reallohn in Italien 2024 um 1,7 Prozent zulegt. Zudem soll die Beschäftigung 2024 leicht um 0,3 Prozent zunehmen, was das Einkommen der Haushalte ebenfalls verbessert. Dennoch hat die hohe Inflation zuletzt zu Kaufkraftverlusten geführt. So ist der Reallohn 2022 um 2,4 Prozent gesunken und auch für 2023 rechnet die Europäische Kommission mit einem Rückgang um 1,4 Prozent. Daher wird der reale Konsumanstieg 2024 mit 1 Prozent moderat bleiben.

Die Verschuldung der Haushalte hat sich seit Ausbruch der Coronakrise stark erhöht: Das Volumen der Konsumkredite war im 2. Quartal 2023 um 14 Prozent höher als drei Jahre zuvor. Die Belastung pro Kopf betrug Ende Juni 2023 etwa 2.650 Euro.

Importbedarf nimmt zu

Die italienische Einfuhr von Waren und Dienstleistungen soll 2023 um 1,1 Prozent und 2024 um 2,1 Prozent wachsen, so die preisbereinigte Prognose der Europäischen Kommission. Deutschland ist Italiens wichtigster Handelspartner, auf den 2022 etwa 13,9 Prozent des Warenimports und 12,4 Prozent des Exports entfielen. Zweitwichtigstes Lieferland war die Volksrepublik China mit einem Anteil von 8,8 Prozent vor Frankreich (7,4 Prozent). Zweitgrößter Exportmarkt waren 2022 die USA, wohin 10,4 Prozent der Warenausfuhr gingen, gefolgt von Frankreich (10 Prozent).

Quelle: GTAI