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Investitionsklima in Spanien 2020 leicht verschlechtert

Land: Spanien


Investitionsklima in Spanien 2020 leicht verschlechtert | Wirtschaftsumfeld | Spanien | Investitionsklima

 

Das Urteil von 830 ausländischen Unternehmen über Spanien fiel 2020 etwas negativer aus als im Vorjahr. Drei von vier deutschen Firmen blicken stabil bis positiv nach vorn. 

 

25.03.2021

Von Oliver Idem | Madrid

Das Pandemiejahr 2020 hat in Spanien wie auch international die ausländischen Direktinvestitionen stark fallen lassen. Die Bewertung des Landes durch die Investoren hat sich gegenüber 2019 leicht verschlechtert. Von fünf möglichen Punkten erreichte Spanien 2,8 nach 3,0 im Vorjahr. 

Zu diesem Ergebnis kam das Geschäftsklima-Barometer der spanischen Außenwirtschaftsagentur ICEX. Dafür wurden im Oktober und November 2020 rund 830 Unternehmen mit ausländischen Wurzeln befragt. Die meisten von ihnen stammten aus Deutschland (18 Prozent), Frankreich (15 Prozent) und den USA (12 Prozent).

Für langfristiges Denken der Unternehmen spricht, dass sich 2020 sogar weniger Firmen  aus Spanien zurückzogen als 2019. Der Zustrom ausländischer Vorhaben ging allerdings um 40 Prozent zurück. Von Januar bis Oktober 2020 wurden noch 422 internationale Greenfield-Projekte im Land gezählt. Unter den Bedingungen der Pandemie behauptete sich Spanien jedoch als viertwichtigstes Zielland. Mehr Greenfield-Vorhaben konnten nur die USA, das Vereinigte Königreich und Deutschland anziehen.

Geostrategische Überlegungen brachten die meisten Unternehmen dazu, Spanien als Investitionsziel auszuwählen. Wesentliche Gründe für die Standortentscheidung waren die geografische Lage und die Marktgröße. Auch der Zugang zu anderen Märkten ist für die Unternehmen von hoher Bedeutung.

Besondere Wertschätzung genießt die Infrastruktur, zum Beispiel hinsichtlich der Verkehrswege. Hier kann Spanien die Ansprüche der ausländischen Unternehmen voll erfüllen. Als weicher Faktor kommt die Lebensqualität hinzu, mit der Spanien punkten kann. 

Handlungsbedarf bei Bürokratie und Bildung

Aus der Sicht der ausländischen Unternehmen sind Veränderungen notwendig, um die Arbeitsgesetzgebung besser auf ihren Bedarf zuzuschneiden. Wie in früheren Jahren steht auch die Höhe der Energiekosten in der Kritik. Ebenfalls ein Klassiker ist der Wunsch danach, weniger bürokratische Pflichten erfüllen zu müssen.

Gleich mehrere Verbesserungswünsche beziehen sich auf den Bereich Bildung und Personal. Im Fokus der ausländischen Unternehmen stehen Fremdsprachenkenntnisse, die ihren Ansprüchen häufig nicht genügen. Zudem sehen viele Verbesserungsbedarf bei der Lernfähigkeit ihrer MItarbeiter. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Ziele zu erfüllen, genügt ebenfalls vielen Investoren nicht.

Mit Blick auf die Coronakrise meinen 56 Prozent der Befragten, dass sich die Attraktivität Spaniens gegenüber seinen wichtigsten Wettbewerbern um ausländische Investitionen verschlechtert habe. Am stärksten schlug die Krise auf den Arbeitsmarkt und die Lebensqualität durch.

Krisenfolgen wirken sich 2021 bereits weniger aus als im Vorjahr 

Eine negative Auswirkung der Pandemie auf ihre Investitionen sehen 2021 noch 52 Prozent der Unternehmen. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Einschätzung um 5 Prozentpunkte ab. Beim Umsatz fiel die Zahl der negativ Betroffenen von 60 auf 49 Prozent. In einer ähnlichen Größenordnung entwickelte sich der negative Einfluss auf die Exporte. Diesen sehen 2021 noch 34 Prozent der Unternehmen, während es 2020 noch 44 Prozent waren.

Für das eigene Unternehmen rechnen knapp zwei Drittel damit, dass spätestens Ende 2022 das Vorkrisenniveau erreicht ist. In der Gesamtbetrachtung fällt auf, dass 2020 als negatives Ausnahmejahr erscheint. Hinsichtlich vieler Indikatoren gleichen die Erwartungen der Investoren wieder stärker denen von 2019.

Ein Grund für die relativ optimistischen Einschätzungen der ausländischen Unternehmen dürfte ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und Vernetzung sein. Zudem stammen viele von ihnen aus der Industrie. Die Coronakrise trifft in Spanien hingegen vor allem kleine Unternehmen mit starker Abhängigkeit vom Binnenmarkt. Zudem leidet der Dienstleistungssektor tendenziell stärker unter den Pandemiefolgen als das Verarbeitende Gewerbe.

Die deutschen Umfrageteilnehmer wollen nach den italienischen am häufigsten ihre Investitionen in Spanien steigern. Bei den Umsatzerwartungen liegen sie genau im Durchschnitt. Hingegen rechnen sie häufiger mit einem Wachstum ihrer Exporte aus Spanien. Diese Annahme teilen sie mit Investoren aus Skandinavien, dem Vereinigten Königreich und Frankreich.

Deutsche Unternehmen mit guten Aussichten

Auch das im Oktober 2020 erhobene Barómetro AHK España zur Lage der deutschen Unternehmen belegt einen überdurchschnittlichen Optimismus. Demnach erwarten 40 Prozent eine Verbesserung ihrer Lage innerhalb von 12 Monaten und 34 Prozent rechnen mit einer unveränderten Situation. Umgekehrt sieht sich nur rund ein Viertel der Befragten bis zum Herbst 2021 in einer Abschwungphase.

Im Betrachtungszeitraum wollen 14 Prozent der Umfrageteilnehmer ihre Investitionen erhöhen. Weitere 37 Prozent haben vor, das geplante Niveau beizubehalten. 

Der Blick auf die spanische Gesamtwirtschaft fällt wesentlich kritischer aus: Hier rechnen nur 1 Prozent der Befragten mit einer klaren Verbesserung, 12 Prozent mit einer Verbesserung und 18 Prozent mit einer unveränderten Lage. Knapp 70 Prozent der Verantwortlichen aus deutschen Niederlassungen rechnen also nicht mit einer kurzfristigen Regeneration des spanischen Marktes.

Die beiden mit Abstand wichtigsten Sorgen sind die künftige Nachfrage sowie die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Hierzu passt, dass die Rechtssicherheit als Risiko innerhalb eines halben Jahres von 9 auf 37 Prozent zugelegt hat. Gegenüber Oktober 2019 hat dagegen das Problem massiv an Bedeutung verloren, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Zu den erwarteten oder bereits eingetretenen Pandemiefolgen gehören für die deutschen Unternehmen vor allem Reisebeschränkungen. Zudem spüren sie mehrheitlich eine geringere Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte identifiziert auch den Ausfall von Messen und anderen Veranstaltungen sowie die Verschiebung oder Streichung von Investitionen als eine Konsequenz für das eigene Unternehmen.

 

Quelle: GTAI