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Markttrends

Land: Spanien


Derzeit leidet der Maschinenbau unter dem schwachen Investitionsklima. Kunden dürften aber bald wieder investieren, vor allem in die Digitalisierung und Vernetzung von Prozessen.

Von Oliver Idem | Madrid

Die Coronakrise schlägt stark auf die konjunkturabhängige Maschinenbaubranche durch. Im Juni 2020 waren noch keine branchenspezifischen Prognosen verfügbar. Die spanische Regierung ging im Mai 2020 für ihre Haushaltsplanung aber von einem starken Einbruch der Bruttoanlageinvestitionen um 25,5 Prozent im laufenden Jahr aus. Für 2021 erwartet die Regierung eine kräftige Trendwende mit einem Plus von 16,7 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen aber, dass das Niveau von 2019 erst mittelfristig wieder in Reichweite kommen wird.

Die Situation der inländischen Kunden in vielen Industriezweigen bleibt schwierig. Zur Bekämpfung der Coronapandemie ergriff die spanische Regierung drastische Maßnahmen bis hin zu einem knapp zweiwöchigen Stillstand in allen als nicht essenziell betrachteten Branchen. Aus dieser Phase kam die Nahrungsmittelindustrie als strategisch wichtiger und wenig beeinträchtigter Bereich noch am besten heraus. Die Nahrungsmittelindustrie ist neben Branchen wie der Automobilwirtschaft und Logistikunternehmen ein wichtiger Abnehmer für den spanischen Maschinenbau.

Für viele andere Sektoren ist die Situation weitaus schwieriger. Bei den Automobilherstellern sorgten zunächst Lücken bei den Zulieferungen für einen Stillstand in allen lokalen Werken. In der akuten Phase der Pandemie folgten dann auch rechtliche Einschränkungen. Seit Ende April produzieren die meisten Fabriken wieder, jedoch unter strengen Gesundheitsauflagen und mit reduzierten Stückzahlen. Nun ist sowohl die Binnen- als auch die Auslandsnachfrage zur Hauptsorge geworden.

Geringere Investitionsbereitschaft trifft auch die Ausrüstungshersteller

Damit stehen die Automobilhersteller exemplarisch für viele Wirtschaftszweige. Eine solche unsichere und schlecht planbare Lage schlägt auch auf die Investitionspläne durch. Seit März vermeldeten immer wieder Unternehmen verschobene, wertmäßige reduzierte, zeitlich gestreckte oder gestrichene Investitionen. Das Auslandsgeschäft kann kaum zu einer Verbesserung beitragen. Die wichtigsten Zielmärkte für spanische Exporte sind europäische Länder, die zumeist in einer ähnlichen Situation sind und die Folgen der Pandemie bewältigen müssen.

Diese problematische Nachfragesituation im In- und Ausland dürfte sich im laufenden Jahr kaum ändern. Da aber insbesondere Kunden in wettbewerbsintensiven Branchen unter Innovationsdruck stehen, ist 2021 mit einer Verbesserung der Situation zu rechnen. Auch wenn Mitte 2020 das Investitionsklima besonders schlecht ist, hat die Coronapandemie das Thema Digitalisierung weit oben auf die Agenda von Unternehmen und Regierung gesetzt.

Digitalisierung und Vernetzung erreichen mehr Branchen und kleinere Unternehmen

Für die Maschinenbauunternehmen in Spanien stehen die Digitalisierung und Vernetzung von Prozessen im Vordergrund. Technologischer Vorreiter ist die Automobilindustrie. Spanien ist nach Deutschland der zweitwichtigste Produktionsstandort in Europa. Weitere relevante Abnehmerzweige bilden die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Metallverarbeiter und die Baustoffindustrie. 

Üblicherweise sind Großunternehmen die Vorreiter bei Investitionen in modernste Anwendungen. Sie stehen oft im internationalen Wettbewerb, der für einen hohen Innovationsdruck sorgt. Jedoch nimmt in Spanien auch das Interesse kleinerer Unternehmen an Digitalisierungs- und Vernetzungsthemen zu. Für diese Gruppe sind vorbildliche Anwendungsbeispiele und an ihre Bedürfnisse angepasste Informationen wichtig. Das Industrieministerium hat ein Förderprogramm für KMU im Bereich vernetzte Industrie aufgelegt. 

Häufig findet in Spanien eine Optimierung bestehender Produktionsanlagen statt. Zwar entstehen auch komplett neue Werke, doch kommt die oft anspruchsvolle Modernisierung häufiger vor. 

Auf dem Vormarsch ist der Robotik-Sektor. Die Manpower Group prognostiziert, dass der Park der Industrieroboter in Spanien 2020 auf rund 55.000 Einheiten anwachsen wird. Für Investitionen zwischen 2019 und 2022 sagt der internationale Robotikverband FIR ein jährliches Wachstum von circa 10 Prozent voraus. Das Petrochemieunternehmen Repsol hat bereits rund 100 Prozesse automatisiert und testet 2020 einen Logistikroboter zum Materialtransport.

Deutsches Qualitätsimage weckt anspruchsvolle Erwartungen

Deutschland gilt in Spanien als Referenzland für zuverlässige und effiziente Industrieausrüstungen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen in punkto Qualität und Service.

Für Anbieter von Maschinen und Komponenten kann die starke Präsenz deutscher Unternehmen in Spanien ein Vorteil sein. Die zahlreichen Niederlassungen in der Industrie, dem Handel und dem Dienstleistungssektor bilden einen wichtigen Anknüpfungspunkt. Bezogen auf die Industrie war Deutschland 2017 der wichtigste Investor in Spanien. Im Handelssegment sah das Statistikamt INE deutsche Unternehmen auf dem dritten Platz.

Quelle: GTAI