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Mit der Sparkassenstiftung in Bhutan

Einen Monat lang aus dem Joballtag aussteigen, ins kalte Wasser springen und sein Wissen mit Menschen am anderen Ende der Welt teilen – das hat Dr. Uwe Dräger, Projektleiter der IT-Migration bei der Hamburger Sparkasse, gewagt. Gelandet ist er diesen Sommer mit der Sparkassenstiftung in Bhutan - ein kleines Land zwischen China und Indien mit nur 800.000 Einwohnern...

Uwe Dräger hatte schon länger den Wunsch, in seinen letzten Berufsjahren ins Ausland zu gehen und seine Erfahrungen an die Entwicklungshilfe weiterzugeben. Er bewarb sich bei der Sparkassenstiftung und bekam das Angebot, das Institut RENEW Microfinance in Bhutan bei einer "erwzungenen" IT-Migration zu unterstützen.

So ist er in eine komplett andere Umgebung und Finanzwelt eingetaucht. In eine Welt, in der es im Straßenverkehr keine einzige Ampel gibt, in der mehr als 80 Prozent des Landes über 2000 Meter hoch und der Reis rot ist. Und eine Welt, in der 1,20 Euro Gold wert ist...

 

Seine Eindrücke teilt er mit uns:

"Ich erhielt einen Anruf von der Sparkassenstiftung: Ob ich mir vorstellen könnte, für einen Monat nach Bhutan zu gehen und das Institut RENEW Microfinance zu unterstützen. Mein Herz machte einen Freudensprung - war es doch das Land, das ich bei meiner Bewerbung bei der Stiftung als DAS Wunschland genannt hatte. Mir gefällt schon seit Langem die ausgewogene und nachhaltige Entwicklung dieses Himalaya-Staats."

 

Bhutan ist in Wirklichkeit noch viel schöner, beeindruckender und spiritueller als in vielen Büchern beschrieben. Zum Glück hatte ich neben der Arbeit dort auch hinreichend Zeit, Land und Leute kennen zu lernen, Trekkingtouren zu unternehmen oder mich einfach durch die Hauptstadt Thimphu treiben zu lassen.

RENEW Microfinance ist ein Institut, das ursprünglich nur den Geschäftszweck hatte, Mikrokredite zu vergeben. Es ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hatte seit 2017 die Lizenz bekommen, auch Spareinlagen entgegen zu nehmen. Dies war jedoch mit der Auflage verbunden, von dem derzeitigen IT-System auf eine "shared platform" der RMA (Royal Monetary Authority, entspricht unserer Bundesbank) zu wechseln. Als die Migrations-Tests im Frühjahr scheiterten, wurde entsprechende Hilfe benötigt. So kam es zum Anruf…

 

Mein Arbeitstag in Bhutan war gefüllt mit Recherchen, Weitergabe von Know-how, Terminen, Feldtests, Sicherung des IT-Betriebs und natürlich ganz viel Interaktion mit den KollegInnen vor Ort. Die Zusammenarbeit – alles in Englisch - hat mir großen Spaß gemacht.

Bei meiner Arbeit in Bhutan ging es nicht nur um Wissen, sondern vor allem um viel Fingerspitzengefühl. Die Kunst bestand darin, allen Beteiligten insbesondere der RMA gesichtswahrend zu vermitteln, dass die Migration über deren Exceltool leider nicht funktioniert. Darüber hinaus war die neue Software für Mikrofinanzinstitute nicht geeignet, da ca. 75 % der Kunden Analphabeten sind und viele keinen Internetzugang haben. Denn: Alles funktioniert in Bhutan noch wesentlich weniger digital, als in anderen Ländern. Da fährt die Bank "ganz bodenständig" mehrere Stunden im 4WD quer durchs ganze Land in entlegene Dörfer zu den Kunden. Man macht analoge Bankgeschäfte in kleinen Dorfläden mit Sparbüchern und Krediten, die bar ausgezahlt werden. Unterschrieben wird in weiten Teilen nur mit Stempelkissen und Daumen.

Es hat mich ungemein geerdet, zu sehen, dass ein Mikrokredit über 400 Euro ausgezahlt wird, von dem die Kundin eine Nähmaschine oder eine kleine Reismühle kauft, um einen Schritt in die Selbständigkeit zu gehen. Oder wie die Menschen vom Berg herunter in die Ansiedlung gehen, um den Gegenwert von 1,20 Euro auf ihr Sparkonto einzuzahlen. Ich habe wieder ein Gespür dafür bekommen, was wirklich wichtig ist. Reichtum ist vergänglich.