direkte Bereichesauswahl

Spanien

Abfallwirtschaft - Marktchancen


Marktchancen | Branchen | Spanien | Abfallwirtschaft

Das Recycling gewinnt gegenüber der Deponierung an Bedeutung. Die Kreislaufstrategie 2030 definiert Ziele für eine stärkere Verwertung von Abfällen.

10.03.2021

Von Oliver Idem | Madrid

Branchenunternehmen investierten 2018 knapp 626 Millionen Euro

Laut neuesten Zahlen des Statistikamtes INE erzielten die spanischen Abfall- und Entsorgungsunternehmen 2018 einen Umsatz von 11,8 Milliarden Euro. Darunter fallen das Einsammeln, die Behandlung und Entsorgung sowie die Verwertung von Abfällen. Die Anlageinvestitionen des Sektors erreichten 625,6 Millionen Euro. Davon entfiel die Hälfte auf Unternehmen, die Abfälle einsammeln.

Der Abfallsektor benötigt mehr Investitionen in die Sammlung, Sortierung und Behandlung, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Entsprechende Projekte bieten deutschen Unternehmen Zulieferchancen bei Technologien für neue und optimierte Anlagen zur thermischen, biologisch-mechanischen und chemisch-physikalischen Behandlung, zur Geruchs- und Emissionsvermeidung und zum Monitoring.

Spanien setzt in der Abfallwirtschaft eigene Akzente, die sich aber in einem internationalen Rahmen bewegen. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis 2030 und der Aktionsplan der Europäischen Kommission für eine zirkuläre Wirtschaft sind wesentliche Grundlagen.

In Spanien selbst setzen die Zentralregierung und die Regionen ihre Akzente. Es gilt der Staatliche Rahmenplan zum Abfallmanagement PEMAR 2016-2022 (Plan Estatal Marco de Gestión de Residuos).

Zu den abfallpolitischen Zielen zählen Ökodesign und Ökoinnovationen sowie die Wiedereinführung von Nebenprodukten und Abfällen als Rohstoffe für andere Produktionszyklen. Als Branchen mit Perspektiven für mehr Effizienz sieht die Regierung die Bauwirtschaft, die Lebensmittelindustrie, den Tourismus, den Verpackungssektor, die Textilbranche sowie die Elektro- und Elektronikindustrie.

Die 17 Autonomen Gemeinschaften folgen dem Rahmenplan PEMAR in eigenen mehrjährigen Abfallwirtschaftsplänen. Im Zuge ihrer Planung bis 2030 überarbeiten einige Regionen auch ihre Abfallgesetzgebung.

Die Gemeinden füllen ebenfalls eine wichtige Rolle darin aus, Abfälle getrennt einzusammeln. Dies geschieht zum Teil über Sammelpunkte, bei denen Bürger Reststoffe abgeben können, sowie über die Leerung von Tonnen oder Containern etwa für Papier und Altglas. 

Die zweitgrößte Stadt Barcelona hat sich eigene Ziele für die getrennte Abfallsammlung von 50 Prozent für 2020 und 60 Prozent für 2030 gesetzt. Bislang spielen öffentliche Container für die Trennung des Mülls eine wichtige Rolle. Auf der Suche nach besseren Systemen testete die Stadtverwaltung 2019 ein System zur täglichen Abholung verschiedener Wertstoffe durch das Einsammeln von Säcken. Ein anderes Modell basiert auf einer Karte zur Identifizierung der Bürger, mit der sie die Behälter öffnen. Das eröffnet die Möglichkeit, individuelle Abfallmengen zu messen und perspektivisch verbrauchsabhängige Tarife einzuführen.

Kreislaufstrategie zielt auf weniger Abfälle bis 2030

Spaniens Strategie für eine Kreislaufwirtschaft legt einen wichtigen Akzent auf die Abfallhierarchie. Diese setzt schon bei der Vermeidung an. Die entstehenden Abfälle sollen recycelt, zur Energiegewinnung verwendet oder verwertet werden. Um Umweltschäden durch wildes Deponieren zu verhindern, steht auch die Rückverfolgbarkeit von Müll auf der Agenda. Ein besseres Ressourcenmanagement soll auch dadurch erreicht werden, dass weniger Nahrungsmittel im Abfall landen.

Im Vergleich zum Basisjahr 2010 lautet das Ziel für 2030, die gesamte Abfallmenge um 15 Prozent zu reduzieren. Der Inlandsmaterialverbrauch soll im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung um 30 Prozent sinken. Für bis zu 10 Prozent der Siedlungsabfälle wird eine Wiederverwendung angestrebt.

Zur Konkretisierung der übergeordneten Kreislaufwirtschaftsziele dienen Pläne für einzelne Zeitabschnitte. Der aktuelle Plan umfasst den Zeitraum 2021 bis 2023. Die Frist für die Konsultationen zum Aktionsplan Kreislaufwirtschaft mit Branchenverbänden und weiteren Akteuren endete am 26. Februar 2021.

Der Aktionsplan umfasst insgesamt acht Punkte mit insgesamt 112 Maßnahmen. Unter den Punkten sind Produktion, Abfallmanagement, Sekundärrohstoffe und der Komplex Forschung/Innovation/Wettbewerbsfähigkeit festgeschrieben.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Jahr 2021 auf Kunststoffen. Zum 1. Juli treten neue Regeln in Kraft, um die Verwertung von Kunststoffflaschen zu steigern und die Verwendung von Einwegkunststoffen zu reduzieren. Mittelfristig sollen Verpackungen aus Kunststoff durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt werden. 

Quelle: GTAI