Interesse im Ausland an Übernahme von Banken steigt / Von Claus-Detlef Großmann
Der Gouverneur der kasachischen Nationalbank, Anvar Saidenov,schließt eine Gefährdung kasachischer Banken aus. Untersuchungen derZentralbank hätten ergeben, dass alle kasachischen Banken ihrenZahlungsverpflichtungen aus eigener Kraft nachkommen könnten, sagte erim Gespräch mit den "Nachrichten für Außenhandel". Ausgangspunkt derProbleme am kasachischen Bankenmarkt sei die Subprime-Krise in den USA,so der Zentralbankchef. In deren Folge hätten sich die internationalenFinanzmärkte für die kasachischen Banken nahezu geschlossen. Daswiederum habe zu einem Downgrading durch die Rating-Agenturen geführt.
Die inländischen Institute, die zumeist durch ein hohes Maß anAuslandsverschuldung gekennzeichnet seien, hätten ihre Kreditvergabeeinschränken müssen, um ihren eigenen Zahlungsverpflichtungennachkommen zu können. Damit wurden auch alle Sektoren der kasachischenWirtschaft in Mitleidenschaft gezogen, die stark von derKreditfinanzierung abhängen, insbesondere die Bauwirtschaft , soSaidenov. Der Finanzsektor und die Bauwirtschaft kommen für 50% deskasachischen Inlandprodukts auf. Die Regierungsprognose für dasWachstum 2008 betrage daher nur noch 5 bis 7%, während im Vorjahr nochein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,7% erreicht wurde.
Der Notenbankgouverneur kann sich vorstellen, dass dergeschwächte kasachische Bankensektor die verstärkte Aufmerksamkeitausländischer Investoren auf sich ziehen könnte. Das Interesse warschon vor den jüngsten Ereignissen vorhanden, aber jetzt könnten dieInvestoren kasachische Institute viel billiger erwerben . Dieösterreichische Raiffeisen-Gruppe beispielsweise habe klar bekundet,dass sie an einer kasachischen Bank interessiert ist.
Aus der Sicht der Zentralbank sei eine stärkereInternationalisierung des Bankensektors begrüßenswert, weil sich durchden Einstieg international bekannter Institute die ReputationKasachstans an den internationalen Finanzmärkten erhöhen würde.Trotzdem glaubt Saidenov nicht, dass es in den kommenden Monaten zueiner Übernahme kommen wird. Unsere Aktionäre sind nicht daraufeingestellt, zu verkaufen und haben Taschen, die tief genug sind, umalle Probleme selbst zu lösen .
Der Notenbankchef räumte ein, dass die Schwierigkeiten amBausektor nicht allein auf restriktiver gewordene Kreditvergabe derBanken zurückzuführen sind. Am Immobilienmarkt habe sich eine Blasegebildet, die es nun kontrolliert zu erntleeren gelte. Die Leute habenHäuser gekauft, nicht um ihren Wohnbedarf zu befriedigen, sondern umreich zu werden , fasst der Notenbankgouverneur das Phänomen derspekulativen Überhitzung zusammen.
Aufgerufen ist die kasachische Notenbank zudem, die anspringendeInflation unter Kontrolle zu bringen. Laut Saidenov ist das Phänomenweitgehend nachfrageinduziert. Insbesondere die Preise, die sich aufinternationalen Märkten gebildet hätten, vor allem auch dieLebensmittelpreise, seien stark angezogen, wohingegen die kasachischeGeldmenge nicht aus dem Ruder gelaufen sei. Ale Reaktion auf dieInflationstendenz habe die Zentralbank den Refinanzierungssatz für dieGeschäftsbanken von 9% auf 11% erhöht.
Der Notenbankgouverneur gestand ein, dass eine straffeGeldpolitik im Zeichen der Inflationsbekämpfung mit den Bedürfnissendes kriselnden Bankensektors nach billigem Geld kollidieren könne. Wirmüssen eine ausbalancierte Antwort auf beide Anforderungen geben ,sagte der Zentralbankgouverneur. Doch unsere primäre Aufgabe ist dieInflationsbekämpfung. Der Notenbankgouverneur geht davon aus, dass diedieses und das kommende Jahr dem Hintergrund der genannten Problemenicht ganz leicht für die kasachische Wirtschaft werden. Erst 2010werde, soweit absehbar, Kasachstan an die wirtschaftlichen Erfolge bis2007 anknüpfen können.
Quelle: DowJones/NfA/16.1.2008
Letzte Änderung: 17.01.2008 durch Klaus Bleibaum


