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Kiew (GTAI) - Der Arzneimittelabsatz in Belarus steigt, die Nachfrage verschiebt sich aber verstärkt zu Generika und lokal gefertigten Präparaten. Bei innovativen Produkten bleibt das Land auf Importe angewiesen.
Marktentwicklungen und -trendsNach Rückgängen in den Jahren 2015 und 2016 zeigt die Nachfrage nach Arzneimitteln in Belarus seit 2017 wieder nach oben. In den kommenden Jahren dürfte sich der Aufwärtstrend fortsetzen. In ihrem Wirtschaftsausblick von November 2018 rechnet die Weltbank für 2019 und 2020 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Belarus um real 2,7 und 2,5 Prozent. Beim Privatkonsum erwarten die Analysten Steigerungen von 3,1 beziehungsweise 2,3 Prozent. Positiv auf die Nachfrage nach Medikamenten dürfte sich langfristig die Alterung der Bevölkerung sowie der vergleichsweise niedrige Arzneimittelverbrauch auswirken. Rechnerisch lag dieser 2018 bei rund 116 US-Dollar (US$) pro Kopf und damit deutlich niedriger als in Westeuropa. Hemmender Faktor ist die schrumpfende Bevölkerung.
Entwicklung des Pharmamarktes in Belarus (in Millionen US$)| 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | |
| Marktvolumen | 1.156,9 | 1.000,2 | 943,9 | 1.100,0 | 1.099,2 |
| Exporte *) | 162,3 | 142,7 | 157,0 | 203,9 | 240,2 |
| Importe *) | 817,5 | 610,8 | 599,0 | 714,5 | 730,6 |
| Produktion | 501,7 | 532,1 | 501,9 | 589,4 | 608,8 |
*) HS-Warenkategorie 30
Quelle: Belstat
Auch die Umsätze im Arzneimitteleinzelhandel zeigen seit 2017 wieder nach oben, sind vom Niveau des Jahres 2014 aber noch ein gutes Stück entfernt. Gründe für den Rückgang 2015 und 2016 lagen in der Rezession und der Abwertung des Belarus-Rubel. Ein weiterer Faktor dürfte in der Ausweitung des Verbrauchs preisgünstiger, lokal gefertigter Generika liegen. Bei hochwertigen, innovativen Arzneimitteln bleibt Belarus auf Importe angewiesen.
Entwicklung der Einzelhandelsumsätze mit pharmazeutischen Produkten in Belarus (in Millionen US$)| 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | |
| Umsätze im Arzneimitteleinzelhandel, darunter Anteil aus | 971,7 | 708,4 | 582,9 | 626,9 | 670,1 |
| .lokaler Fertigung (Anteil in %) | 29,2 | 36,7 | 40,8 | 41,8 | 41,7 |
Quelle: Belstat
Vertriebswege für ArzneimittelLaut einer Untersuchung der Schneider Group steht das Krankenhaussegment für ein Fünftel der Arzneimittelnachfrage in Belarus. Die restlichen 80 Prozent entfallen auf den Apothekenmarkt. Zuständig für Beschaffungen für das öffentliche Gesundheitssystem sind das Gesundheitsministerium und das staatliche Unternehmen Belpharmatsiya. Auf der Internetseite des Ministeriums sind die jährlichen Beschaffungspläne unter folgendem Link abrufbar: http://minzdrav.gov.by/ru/ministerstvo/tsentralizovannye-zakupki.php
Die führenden privaten Distributoren sind Dominantpharm, Iskamed und Interfarmax. Teilweise verfügen die Distributoren auch über eigene Apothekenketten. Belpharmatsiya hat das landesweit größte Netz. Führende private Apothekenkette ist Apteka-Group. Die privaten Apotheken stehen für drei Viertel des Absatzes importierter Arzneimittel.
Auswahl wichtiger Apothekenketten und Arzneimitteldistributoren in Belarus| Unternehmen | Internetadresse | Anmerkungen |
| Apteka Group | http://apteka-group.by | Apothekenkette und Distributor |
| Belpharmatsiya | https://pharma.by | größte Apothekenkette; staatliches Unternehmen |
| Dominantapharm | http://www.dominantapharm.by | Distributor; Tochter der russischen Firma JSC Katren |
| Farmin | http://farmin.by | Distributor |
| Interfarmax | https://www.interfarmax.by | Apothekenkette: Planeta Zdorovya (https://www.healthplanet.by) |
| Iskamed | https://iskamed.by | Distributor |
| Komfarm | http://komfarm.by | Distributor; Apothekenketten: Moya Apteka, Offitsina, Charlotte |
| DKM-Pharm | - | Apothekenkette: Zelyoniy List |
| Belmedinfarm | - | Apothekenkette |
| Zabotlivaya Apteka | http://www.zabotlivaya.by | Apothekenkette |
| Medvax | http://medvax-by.com | Arzneimittelhersteller und Apothekenkette |
Quellen: Uniter, zitiert in Schneider Group (Industry Insights: Pharmaceutical Industry in Russia, Ukraine, Belarus and Kazakhstan); Recherchen von Germany Trade & Invest
Verschreibungspflichtige Medikamente standen 2016 für rund 60 Prozent der Arzneimittelverkäufe, während auf frei erhältliche Präparate (OTC; over the counter) ein Anteil von 40 Prozent entfiel. Ein Großteil des Bedarfs an Pharmazeutika wird durch Generika gedeckt. Im Jahr 2016 kamen sie auf einen Marktanteil von 49 Prozent. Nachahmerprodukte, die zu einem großen Teil aus lokaler Produktion stammen, profitieren von staatlichen Bemühungen zur Importsubstitution. Wer es sich leisten kann, greift aber gerne zu importierten Originalpräparaten. Der Anteil gefälschter Produkte ist vernachlässigbar.
Lokale Hersteller produzieren überwiegend GenerikaMit einem Output von gut 600 Millionen US$ stand die Pharmabranche 2018 für 1,3 Prozent der Gesamtproduktion im verarbeitenden Gewerbe. Die landesweit circa 30 Arzneimittelhersteller fertigen überwiegend einfache Präparate und Generika. Die Vorprodukte beziehen sie so gut wie ausschließlich aus dem Ausland. Mehr als 70 Prozent der Arzneimittelproduktion entfällt auf staatliche Unternehmen, darunter der größte Teil auf Belmedpreparaty und Borisov Plant of Medical Preparations (Borimed). An einigen Herstellern (Lekpharm, Pharmland, NatiVita) sind ausländische Firmen beteiligt.
In den vergangenen Jahren haben die Hersteller in die Produktion neuer Präparate und die Erhöhung der Qualitätsstandards einschließlich GMP-Zertifizierung (GMP: Good Manufacturing Practice) investiert. Laut Angaben von Belstat bewegten sich die Investitionen in die Branche von 2011 bis 2016 im Schnitt bei umgerechnet 100 Millionen US$ pro Jahr.
Die wichtigsten Hersteller von Arzneimitteln in Belarus (Umsatz in Millionen US$)| Unternehmen | Internetadresse | Umsatz 2016 |
| Belmedpreparaty | https://belmedpreparaty.com | 90 |
| Borisov Plant of Medical Preparations (Borimed) | https://borimed.com | 57 |
| Lekpharm | http://lekpharm.by | 39 |
| Minskintercaps | http://www.mic.by | 26 |
| JV Pharmland LLC | https://pharmland.by | 24 |
| Nesvizh Plant of Medical Preparations | http://nzmp.net | 13 |
| Ekzon | https://www.ekzon.by | 9 |
| NatiVita | https://www.nativita.by | - |
| Pharmtechnology | http://ft.by | - |
| TriplePharm | http://www.triplepharm.by | - |
| Lotios | https://lotios.by | - |
| BelVitunipharm | http://www.belvitunifarm.by | - |
| Medvax | http://medvax-by.com | - |
Quellen: Schneider Group (Industry Insights: Pharmaceutical Industry in Russia, Ukraine, Belarus and Kazakhstan), Recherchen von Germany Trade & Invest
Sektorprogramm zielt auf Importsubstitution und ExportsteigerungDie Pläne des Staates zur Entwicklung der Pharmabranche sind in einem Ende 2015 verabschiedeten Sektorprogramm für 2016 bis 2020 festgehalten. Ziele sind eine kostengünstige und sichere Versorgung mit Arzneimitteln, die Modernisierung der Betriebe, die Aufnahme der Produktion höherwertiger Arzneimittel, Importsubstitution und die Steigerung der Exporte. Bis 2020 soll die Selbstversorgung mit Medikamenten gerechnet in Preisen auf 55 Prozent steigen. Hierzu sind die Ärzte angehalten, möglichst Präparate aus lokaler Fertigung zu verschreiben. Für den Exportanteil der Produktion gilt ein Zielwert von 40 Prozent.
In dem Programm sind auch konkrete Ziele für die Entwicklung von Original- und Generikawirkstoffen seitens der Pharmaunternehmen festgelegt. Das Programm kann auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums unter folgendem Link in russischer Sprache abgerufen werden: http://minzdrav.gov.by/ru/ministerstvo/gosudarstvennye-programmy/index.php
Gründung von Holding BelpharmpromDie Entwicklung der Branche fördern soll auch die Holding Belpharmprom. Laut Aussage von Generaldirektor Walerij Schewtschuk verfügte sie mit Stand von Oktober 2018 über 39 Teilnehmerfirmen. Belpharmprom unterstützt die Mitglieder bei Zertifizierungen und der Erschließung neuer Märkte. Die Gründung der Holding erfolgte auf Grundlage des Präsidentenerlasses Nr. 258 vom 25. Juli 2017. Belpharmprom ersetzt die frühere Abteilung für Pharmaindustrie des Gesundheitsministeriums.
Deutschland 2017 zweitwichtigstes Lieferland für ArzneimittelNach Russland war Deutschland 2017 das zweitwichtigste Lieferland für Arzneimittel. Auf der Abnehmerseite dominieren die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Auf sie entfielen 2017 rund 96,5 Prozent der belarussischen Pharmaexporte. Künftig wollen die Firmen neue Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern in Asien und Afrika erschließen. Dabei ist auch der Bau von Gemeinschaftsunternehmen geplant, so etwa in Usbekistan. Laut Belpharmprom bemühen sich Borimed und Pharmtechnology um den Erhalt des US-amerikanischen FDA-Zertifikats. Belmedpreparaty und NatiVita streben das europäische EMA-Zertifikat an.
Belarus' wichtigste Lieferländer von Arzneimitteln (in Millionen US$) *)| 2015 | 2016 | 2017 | |
| Importe, darunter aus | 610,8 | 599,0 | 714,5 |
| .Russland | 68,8 | 85,2 | 98,2 |
| .Deutschland | 72,8 | 69,2 | 79,3 |
| .Frankreich | 38,0 | 37,5 | 48,6 |
| .Indien | 40,2 | 40,3 | 47,1 |
| .USA | 39,8 | 28,2 | 34,7 |
*) HS-Warenkategorie 30
Quelle: UN Comtrade
Belarus' wichtigste Abnehmerländer von Arzneimitteln (in Millionen US$) *)| 2015 | 2016 | 2017 | |
| Exporte, darunter nach | 142,7 | 157,0 | 203,9 |
| .Russland | 108,2 | 122,1 | 160,4 |
| .Kasachstan | 14,5 | 13,6 | 16,0 |
| .Aserbaidschan | 2,4 | 2,5 | 4,2 |
| .Usbekistan | 3,0 | 2,2 | 2,9 |
| .Georgien | 2,3 | 2,1 | 2,8 |
*) HS-Warenkategorie 30
Quelle: UN Comtrade
GeschäftspraxisAlle Arzneimittel müssen in Belarus bei dem Center for Examinations and Tests in Health Service (https://www.rceth.by) registriert werden. Einen Überblick über das Verfahren bietet eine Publikation des Beratungsunternehmens Revera, die unter folgendem Link in russischer Sprache abgerufen werden kann: http://event.revera.by/pharm_business_review
In der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) wird ein einheitlicher Markt für Arzneimittel und Medizinprodukte geschaffen. Pharmahersteller haben bis Ende 2020 die Wahl, ob sie ihr Produkt nach nationalen oder EAWU-Regeln registrieren möchten. Bis Ende 2025 müssen alle nach nationalen Regeln registrierten Produkte eine Registrierung nach den Vorschriften des einheitlichen Marktes durchlaufen.
Die Preissetzung für Medikamente ist staatlich reguliert. Grundlage bildet der Präsidentenerlass Nr. 366 vom 11. August 2005 mit mehreren Änderungen und Ergänzungen. Für einige Arzneimittel zur Behandlung von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde zum 1. Januar 2019 ein neues System mit Höchstverkaufspreisen eingeführt. Die Preisfestlegung erfolgt dabei in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und dem Ministerium für Wettbewerbsregulierung und Handel (https://mart.gov.by). Nach Aussage von Natalja Makejewa, Leiterin des Verbands der internationalen Pharmahersteller (AIPM), gegenüber dem Nachrichtenportal udf.by bietet das neue Verfahren mehr Klarheit. Eine Übersicht der Medikamente mit festgelegten Höchstpreisen ist unter folgendem Link abrufbar: https://www.rceth.by/Refbank/reestr_drurregprice
GesundheitsversorgungDer Gesundheitssektor in Belarus ist überwiegend staatlich geprägt. Der private Sektor ist nur schwach entwickelt. Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung erfolgt über ein Umlagesystem. Laut Artikel 45 der Verfassung haben alle Bürger des Landes Anspruch auf Gesundheitsversorgung, darunter auf eine kostenlose Behandlung in staatlichen Gesundheitseinrichtungen.
Beim Kauf von Arzneimitteln bei ambulanten Behandlungen müssen die Patienten Zuzahlungen leisten. Eine Reihe von Arzneimitteln sind in staatlichen Apotheken vergünstigt oder kostenfrei erhältlich. Hierzu zählen unter anderem Medikamente zur Behandlung von Krankheiten wie Tuberkulose, HIV, Astma und Diabetes. Die Anschaffung dieser Präparate erfolgt zentral über das Gesundheitsministerium. Im Jahr 2018 wurde die Liste der vergünstigten Medikamente erweitert. Der aktuelle Stand findet sich in der Verordnung des Gesundheitsministeriums Nr. 65 vom 13. August 2018.
Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll zur Verfügung.
Kontaktadressen| Bezeichnung | Internetadresse | Anmerkungen |
| Germany Trade & Invest | http://www.gtai.de/belarus | Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft |
| Exportinitiative Gesundheitswirtschaft | http://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de | Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie |
| AHK Belarus | http://belarus.ahk.de | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| Gesundheitsministerium | http://minzdrav.gov.by | |
| Center for Examinations and Tests in Health Care | https://www.rceth.by | |
| Association of International Pharmaceutical Manufacturers (AIPM) | http://baipm.com | Branchenverband |
| MedVestnik | http://www.medvestnik.by | Fachzeitschrift |
| Healthcare of Belarus | http://www.tc.by/exhibitions/bm19/ | Fachmesse in Minsk; nächster Termin: 12. bis 15.3.19; einschließlich Messe PharmExpo und Stomatology of Belarus |
Die Reihe "Branche kompakt" liefert Analysen zu wichtigen Schlüsselbranchen der deutschen Exportwirtschaft.


