Irland verfügt über starke exportorientierte Branchen (Chemie, Elektro/Elektronik, Medizintechnik) und dynamische Dienstleister (etwa IKT und die Finanzbranche IFC), die weit überwiegend Niederlassungen ausländischer Unternehmen sind. Diese befinden sich 2010 und 2011 im Aufschwung und sind ausschließlich auf Auslandsmärkte ausgerichtet, aber 2012 wird die Eurokrise bremsend wirken. Die Geschäfte mit dieser nach wie vor wohlhabenden Klientel bleiben interessant. Hingegen stecken die nur am Binnenmarkt orientierten Branchen 2012 und wohl auch noch 2013 tief in der Krise - allen voran Bau, Handel (bis auf Discounter) und lokale Banken. Ausnahmen sind Landwirtschaft und Nahrungsmittel/Getränkeindustrie, der Tourismus fasst wieder Fuß. Hinter den Kulissen der Exportindustrie laufen strukturelle Änderungen in hohem Tempo ab - begünstigt durch nur minimale irische Auflagen.
Maschinen- und Anlagenbau
Der Markt für Maschinen in Irland hat 2011 zwar die "alte" Krise deutlich überwunden, doch für 2012 droht die neue Eurokrise, den Erfolg zu beenden. Die deutschen Lieferanten hatten entgegen dem Trend (Eurostat, nominale Angaben) bereits 2010 um 4,4% mehr Maschinen geliefert, 2011 sind Steigerungen um 20% (Arbeitsmaschinen) bis weit über 100% (Kraftmaschinen) zu beobachten. Denn die Investitionen der Industrie in Maschinen und Anlagen steigen der EU zufolge erstmals seit drei Jahren wieder an, und zwar 2011 um 8,3%. Ob es 2012 die prognostizierten 15% sein können, wird immer fraglicher. Nachfrager bleiben aber die Exportindustrien, allen voran die Chemie, Informationstechnik, Elektro/Elektronik, Kfz, Metallverarbeitung und die Nahrungsmittelindustrie. Der Absatz aller Maschinen für den Binnenmarkt, allen voran für den Bausektor, bleibt am Boden.
Kfz-Industrie
2011 hat sich der Markt für Kfz in Irland besser als erwartet entwickelt. Die Importe hatten im 1. Halbjahr 2011 um 18,2% zugelegt, nachdem 2010 eine Aufholjagd aus dem Krisentief stattgefunden hatte (Pkw: plus 54,7%). Die Abwrackprämie ist im Juni 2011 ausgelaufen. In der Absatzkrise verbleiben Lkw (wegen der Baukrise), für moderaten Auftrieb bei Bussen sorgt die wiederbelebte Touristik und bei Nutzfahrzeugen die boomende Logistik. Die deutschen Exporte hatten 2011 stärker als erwartet zugelegt, im 1. Halbjahr 2011 waren es +14,6% gewesen, was einem Importanteil von etwa einem Drittel entsprochen hat. Eine Steigerung dürfte 2012 nur schwer möglich sein. Impulse bei Elektromobilität sind krisenbedingt vertagt. Der Markt für neue Pkw dürfte 2011 bei 90.000 Einheiten liegen. Bei Kfz-Teilen hält Deutschland einen Anteil von etwa 20%, die Lieferungen nehmen 2012 weiter zu.
Chemie
Aufhorchen lässt das irische Statistikamt CSO mit der Meldung, dass die Exporte der Chemieindustrie im Juli 2011 rückläufig waren. Dies dürft aber lediglich eine temporäre Schwäche gewesen sein, im 1. Halbjahr hatten die Exporte um 12,0% auf 30,0 Mrd. Euro zuglelegt, die Importe um 23,4% auf 5,5 Mrd. Euro. Sicher lässt die Kraft der größten Exportbranche Irlands nicht dauerhaft nach. Die Chemie wird von Niederlassungen aus USA und dem Vereinigten Königreich dominiert, auch einige deutsche Hersteller sind vertreten. Von Weltrang ist die Pharmabranche. Die deutschen Lieferungen von Chemieerzeugnissen richten sich vor allem an die Hersteller, denn der innerirische Markt ist überschaubar. Die deutschen Exporte sind seit 2010 im Höhenflug, im 1. Halbjahr 2011 hatten sie gemäß Eurostat um 48,3% zugelegt, darunter Arzneien +78,5% und organische Chemie +68,5%. Allerdings liegt der deutsche Marktanteil bei nur 8%.
Bauwirtschaft
Die irische Bauwirtschaft bleibt am Boden, Überkapazitäten werden abgebaut, Konsolidierung ist angesagt. Baufirmen suchen nach neuen Märkten, auch in Deutschland treten irische Anbieter erstmals auf. Die Baubranche ist (neben dem inneririschen Finanzsektor) die Hauptleidtragende der lokalen Immobilienkrise, die Branche ist nach Rückgängen in Höhe von 16% (2008), 45% (2009) und 35% (2010) völlig paralysiert. Die deutschen Lieferchancen von Leistungen und Ausrüstungen im Baubereich bleiben entsprechend ungünstig. Der Bau wird seine Bedeutung als wichtigste Binnenmarktbranche nur schwer wiedergewinnen können. Die Bauinvestitionen sind 2011 und auch 2012 weiter rückläufig. Ein Aufschwung auf niedrigstem Niveau, vom Hochbau ausgehend, ist wohl erst 2013 zu erwarten. Der Staat kürzt Infrastruktur-Projekte (bis auf einige Bereiche wie etwa Bildung und Energieeffizienz).
Elektrotechnik/Elektronik
Der irische Markt für Elektrotechnik und elektronische Bauelemente hat sich 2011 nicht deutlich erholen können. Während das Geschäft bei Elektrotechnik stagniert, sind bei elektronischen Bauelementen tiefe Einbrüche zu verzeichnen. Es besteht eine Exportindustrie aus US-amerikanischen Großunternehmen wie etwa GE, die ihre Produktion nach Europa liefern. Die Exporte von Elektrotechnik sind im 1. Halbjahr um 1,0%, die Importe um 7,3% zurückgegangen, während die Exporte der elektronsichen Bauelemente um 20,7% und die Importe um 33,1% abgestürzt sind. Die deutschen Lieferungen konnten entgegen dem Trend im 1. Halbjahr 2011 bei Elektrotechnik um 4,0% zulegen, waren freilich bei Elektronik um -14,9% zurückgegangen. Hoffnungsträger ist die Sparte erneuerbare Energietechnik, aktuell Wind-"Microgeneration" samt zugehöriger Stromnetze.
Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)
Die Chancen für deutsche Liefergeschäfte von IKT (Hardware) nach Irland haben sich 2011 verbessert, obwohl die irische Branche im Strukturwandel steckt. Deutsche IT hat im 1. Halbjahr 2011 um 8,7% zulegen können, die gesamten irischen IT-Importe um 12,1%. Bei KT waren die gesamten Importe aber um 9,0% rückläufig, die deutschen Lieferungen konnten entgegen dem Trend um 18,1% zulegen. Die IKT-Branche ist wichtiger Teil der exportorienterten Industrie Irlands, deren Strukturwandel zu sinkender Produktion und damit zu sinkenden Exporten im 1. Halbjahr 2011 geführt hat: IT -14,7%, KT sogar -28,2%. So lagern etwa Dell oder HP Produktionen in Niedriglohnländer aus. Hingegen boomen die IKT-Dienstleister, Facebook, Ebay, Yahoo und neuerdings Twitter haben ihre Europazentralen in Irland. Es entsteht das europäische Zentrum des Cloud-Computing.
Umwelttechnik
Die Aussichten für deutsche Lieferungen von Umwelttechnik nach Irland sind durch die heraufziehende Eurokrise und durch die bestehenden Sparauflagen des Staates 2012 deutlich gedämpft worden. Gute Perspektiven bieten lediglich die Umweltvorhaben der noch expansiven Exportindustrie und exportorientierter Dienstleister. Die private lokale Nachfrage liegt weitgehend am Boden. Dabei bestehen Förderungen von Energieeffizienz, Materialeffizienz, alternativen Energien (Wind, Biomasse, Sonne) und Luftreinhaltung. Erneuerbare Energien sind der Megatrend. Abfallwirtschaft und Recycling haben großen Nachholbedarf, so soll die Abwasserwirtschaft in Dublin mit einer zweiten Großanlage (rund 500 Mio. Euro) fit für die Zukunft gemacht werden, das Planverfahren läuft bereits. Wegen der Sparpolitik sollen PPP-Projekte (öffentliche-private Partnerschaften) aus der Klemme helfen.
Medizintechnik
2011 war ein gutes Jahr für den irischen Markt für Medizintechnik. Die heraufziehende Euro-Krise dämpft die Aussichten für 2012 nur wenig, da Medizintechnik auch in der Rezession nachgefragt wird. Viele der großen US-amerikanischen und britischen Hersteller produzieren auf der Insel für den Export nach Europa. Die deutschen Lieferungen haben nur verhalten zugelegt, vor allem Orthopädie/Prothesen, sonstige Instrumente sowie Röntgenapparate und Elektromedizin, denn die Marktanteile von nur 2 bis 3% begrenzen die Möglichkeiten. Trotzdem bleiben Chancen für die Zulieferung an die Exportindustrie, wobei die Konkurrenz aus deren Heimatländern besonders hoch ist. Am überschaubaren Binnenmarkt (etwa Kliniken) bieten sich zwar immer wieder fallweise Aufträge, doch bleibt deren Volumen vergleichsweise gering.


