Malta ist ein Inselstaat und mit wenig über 400.000 Einwohnern der kleinste Staat der EU, Mitglied der Europäischen Währungsunion. Diese Konstellation prägt die Wirtschaftsstruktur des Landes. Traditionell auf den Handel konzentriert, bildet der international ausgerichtete Dienstleistungssektor seit dem EU-Beitritt den Schwerpunkt der Entwicklungspolitik. So hat Lufthansa Technik einen ihrer weltweit acht Wartungsbetriebe in Malta aufgebaut. Aufgrund seiner klaren Gesetzgebung und steuerlicher Vorteile ist der Inselstaat auch zu einem bevorzugten Standort für Finanzdienstleister geworden und baut diesen Sektor weiter aus. Aus Deutschland haben sich eine Reihe von Finanzdienstleistern in den letzten Jahren auf Malta niedergelassen, darunter die Deutsche Bank und die Finanzsparte von BMW. Ein weiterer Wachstumssektor sind Schifffahrtsdienstleistungen, die seit kurzem stärker in den Focus gerückt sind. TUI Cruises hat Valletta 2011 erstmals zum Basishafen von Mittelmeerkreuzfahrten gewählt und plant auch in den nächsten Jahren präsent zu bleiben. Die verarbeitende Industrie hat mit einem Anteil am BIP von 15% nur einen geringen Stellenwert, aber auch hier gehört ein deutsches Unternehmen, Playmobil, zu den wichtigsten Investitionen. Um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Malta weiter zu fördern, ist im Oktober 2011 an der Chamber of Malta ein German-Maltese Business Council eingerichtet worden.
Maschinen- und Anlagenbau
Der Maschinenbau in Malta hat einen Anteil an der industriellen Produktion (einschließlich öffentliche Versorger) von 1,5%. Er besteht aus wenigen kleinen Produktionsbetrieben, die Ableger ausländischer Unternehmen sind und in der Regel Komponenten für Maschinen und Ausrüstung für den Export herstellen. Der weltweite Konjunkturaufschwung 2010 hat zu einer deutlichen Erholung nach der Krise von 2009 geführt, der sich bis August 2011 fortgesetzt hat, ab September aber Zeichen einer Abflachung zeigt. Der maltesische Bedarf an Maschinen und Ausrüstung muss zu nahezu 100% im Ausland gedeckt werden. Die Einfuhren von Maschinen und Ausrüstungen waren 2010 deutlich gestiegen und konnten auch 2011 wieder leicht zulegen. Für 2012 allerdings ist angesichts der schwachen Prognosen für die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen mit einem Rückgang zu rechnen.
Kfz-Industrie
Der Markt für Kfz in Malta ist nicht nur durch die geringe Einwohnerzahl begrenzt auch die starke Urbanisierung, die geringen Entfernungen auf der relativ kleinen Insel und die mittelalterlichen Stadtstrukturen schränken die Einsatzmöglichkeiten von Kfz ein. Nach Angaben des National Statistics Office erreicht der Bestand im 3. Quartal 2011 eine Zahl von 310.771 Kfz (+2,2% gegenüber Vorjahr), davon drei Viertel Pkw, meist Kleinwagen unter 1.300 ccm Hubraum. Die Zahl der Zulassungen von Neufahrzeugen hatte 2009 bei 7.033 gelegen. Sie ist 2010 auf 5.574 zurückgegangen, wird 2011 aber wieder die Grenze von 7.000 Fahrzeugen überschreiten. Auch in den nächsten Jahren werden die Zulassungszahlen im Bereich von 7.000 Fahrzeugen jährlich liegen. Die Regierung fördert den Einsatz von Elektrofahrzeugen und hat 2011 den Aufbau eines landesweiten E-Mobility-Systems international ausgeschrieben.
Chemie
Eine chemische Industrie im engeren Sinne existiert in Malta nicht. Das Land bietet aber aufgrund seiner Patentgesetze eine gute Basis für die Herstellung von Generika. Eine Reihe von internationalen Unternehmen, darunter Activas, Arrow Pharm, Siegfried Generics, Medichem, Combino Pharm, Baxter und Cardinal Health, haben Betriebe zur Mixtur von Generika in Malta aufgebaut. Der Sektor hatte sich in den vergangen Jahren sehr dynamisch entwickelt, der Industrieindex weist aber im Verlauf des Jahres 2011 eine rückläufige Produktion aus und die Exportstatistik bestätigt den Negativtrend. Als Standort für die Markteinführung von Generika in der EU bleibt Malta jedoch interessant und die staatliche Investitionsfördergesellschaft Malta Enterprise Corp. rechnet mit weiteren Ansiedlungen ausländischer Unternehmen.
Bauwirtschaft
Der Anteil der Bauwirtschaft am BIP ist von 3,4 (2007) auf 3,1% (2010) gefallen, die Zahl der Baugenehmigungen im gleichen Zeitraum von 11.343 auf 4.444 gesunken. Die Befürchtung der Malta Developer's Association, dass sich die Baukrise der letzten fünf Jahre fortsetzt, scheint sich zu bestätigen. Das NSO weist für das 1. Halbjahr 2011 einen weiteren Rückgang im Hochbau aus, die Zahl der Baugenehmigungen im Privatsektor sind im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 10% geringer ausgefallen. Auch für 2012 ist angesichts der restriktiven Kreditvergabe der Banken nicht mit einem Aufschwung zu rechnen. Lediglich der Tiefbau verzeichnet eine leichte Belebung, da mit der Umsetzung einer Reihe von staatlichen Infrastrukturprojekten 2011 begonnen wurde. Unter anderem ist ein Straßenbauprogramm angelaufen, das ein Volumen von rund 20 Mio. Euro hat.
Elektrotechnik/Elektronik
Die Herstellung von elektronischen Komponenten ist der wichtigste maltesische Industriebereich. Er wird beherrscht von der Niederlassung der schweizerischen ST Microelectronics. Die Krisenphase 2009 konnte das Unternehmen mit Hilfe eines Stützungsprogramms der Regierung überstehen. Als 2010 die weltweite Nachfrage nach Halbleitern und Komponenten wieder anzog, verfügte ST Microelectronics über ausreichende Kapazitäten, um sofort zu reagieren. Die Exporterfolge des Unternehmens waren der Hauptgrund für das Wirtschaftswachstum Maltas 2010. Im Verlauf des Jahres 2011 hat sich die Nachfrage aber deutlich abgeschwächt, der Produktionsindex weist im September einen um 11% geringeren Wert als im gleichen Vorjahresmonat aus. Dem Vernehmen nach plant ST Microelectronics trotzdem eine Kapazitätsausweitung, aber konkrete Schritte wurden bisher nicht bekannt.
Informations- und Kommunikationstechnik
Eine der Stärken des Inselstaates liegt in seiner hochentwickelten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Nach dem Network Readiness Index 2010-2011 des World Economic Forum nimmt Malta unter 138 erfassten Ländern Rang 27 ein und liegt damit weit vor Spanien (37) oder Italien (51). Die Zahl der Internetanschlüsse Ende September 2011 erreicht 127.976 (alles Breitband) und ist gegenüber dem Vorjahr um 6,3% gestiegen. 82% der Anschlüsse arbeiten mit einer Geschwindigkeit von zwischen 2 Mbps und 10 Mbps, 17% mit über 10 Mbps. Das Hochgeschwindigkeitssegment ist 2011 um knapp 70% gewachsen. Auch das digitale Fernsehen setzt sich durch, Ende September 2011 waren 137.561 digitale Anschlüsse angemeldet (+7,3% gegenüber Vorjahr). Während die Festnetztelefonanschlüsse leicht rückläufig sind, nimmt die Mobiltelefonie weiter zu, 525.860 Verträge wurden im September 2011 gezählt (+17,8%).
Umwelttechnik
Gegenüber der EU ist Malta die Verpflichtung eingegangen, bis 2020 mindestens 10% seines Bruttokonsums an Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Bisher liegt die Quote bei unter 1% und beschränkt sich praktisch auf den Einsatz von Fotovoltaik, der von der Regierung in begrenztem Umsatz gefördert wird. Noch 2011 sollte ein Offshore-Windpark in Sikka I-Badja, 18 bis 20 Windräder mit einer Kapazität von insgesamt rund 100 MW, ausgeschrieben werden, aber die Ausschreibung verzögert sich. Voraussetzung für die Realisierung dieses Projekts ist die Anbindung an das europäische Stromnetz. Eine Kabelverbindung mit Sizilien, die das gewährleistet, ist gegenwärtig im Bau. Interesse zeigt Malta auch an dem von deutschen Unternehmen initiierten Projekt Desertec zur Produktion von thermischer Solarenergie in Nordafrika. Malta könnte als Transitland für den Stromtransport nach Europa dienen.
Tourismus
Der Tourismus ist mit einem Anteil von 20 bis 25% an der Entstehung des BIP weiterhin der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes. Selbst im Krisenjahr 2009 waren die Besucherzahlen kaum zurückgegangen und 2010 haben sie um 13% zugenommen. 2011 stagnieren sie auf dem Niveau des Vorjahres und für 2012 wird mit einem leichten Rückgang gerechnet. Sehr gut entwickelt sich der besonders einträgliche Kreuzfahrttourismus, der 2009 stark eingebrochen war. Er konnte während der ersten neun Monate 2011 um 16% zulegen. Die Entscheidung von TUI, Valletta als Basis für Mittelmeerkreuzfahrten zu nutzen, stellt einen qualitativen Durchbruch für den maltesischen Kreuzfahrttourismus dar, denn die Wertschöpfung wird durch die An- und Abreise von Kreuzfahrttouristen erheblich gesteigert. Die Regierung fördert die Diversifizierung des Tourismusangebots und die Erneuerung der Hotelanlagen. Für ausländische Veranstalter, Dienstleister und Investoren bieten sich gute Geschäftsmöglichkeiten.


