direkte Bereichesauswahl

Zypern

Branchenbericht aktuell 2012


Zypern konzentriert sich zunehmend auf den Dienstleistungssektor. Der Tourismus nimmt eine wichtige Position ein, wobei die Einführung des Ganzjahrestourismus sowie die Entwicklung von kombinierten medizinischen und Wellnessdienstleistungen im Vordergrund stehen. Die Informations- und Kommunikationstechnik ist noch ausbaufähig, besonders der Bereich des E-Commerce.

Obwohl die Insel eine geringe Industrialisierung aufweist, beweisen erfolgreiche Industrien im Bereich Pharma- und erneuerbare Energien, dass Fördermaßnahmen die inländische Produktion stärken könnten.

Kfz-Industrie

Die Wirtschaftskrise beeinflusst weiterhin stark die Importeure und Händler des lokalen Kfz-Marktes. Im Jahr 2010 gingen die Kfz-Registrierungen im Vergleich zum Vorjahr um 12,5% zurück. Der negative Trend setzte sich 2011 fort. Von Januar bis Juli wurden 17,2% weniger Autos registriert (22.838 Autos in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres gegenüber 27.595 Autos in der Vorjahresperiode).

Die im Oktober 2010 neu eingeführte Abwrackprämie fand nicht die erwartete Resonanz, nicht zuletzt aufgrund des geringen Betrages von 1.800 Euro pro Auto, der für die Finanzierung bereitgestellt wurde.

Chemie

Die chemische Industrie auf Zypern ist noch ausbaufähig. Nach Angaben des zyprischen Handelsministeriums gibt es sechs Pharmaunternehmen, die stark exportorientiert sind. Hergestellt werden vorrangig Generika sowohl für den inländischen Verbrauch als auch für den Export, da ungefähr 120,7 Mio. Euro (Januar bis Juni 2011, SITC 54 Arzneimittel) exportiert werden. Außerdem werden Antibiotika sowie Antidepressiva hergestellt. Rund 20% der zyprischen Exporte bestehen aus Produkten des Pharmasektors. Die hohen Energiepreise sowie die hohen Zinssätze stehen gemäß Experten der Marktentwicklung im Weg.

Im Bereich der Plastikerzeugnisse ist die Konkurrenz vonseiten der Billiglohnländer China und Ägypten hoch. Hergestellt werden auf Zypern Verpackungen, Rohre sowie Folien für Treibhäuser.

Die Farbensparte leidet unter dem Einbruch der Bauwirtschaft und konzentriert sich besonders auf Möbel und Reiseausrüstung sowie auf die Renovierung von Gebäuden.

Bauwirtschaft

Der negative Trend in der zyprischen Bauwirtschaft hält weiterhin an. Die Folgen der internationalen und europäischen Wirtschaftskrise sowie Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme sorgen für eine geringere Nachfrage trotz fallender Preise. Renovierungen werden Neukäufen vorgezogen.

Im Zeitraum Januar bis September 2011 lagen die Verkäufe von Gebäuden 17,5% unter dem Vorjahresniveau. Rückgängig waren auch die Einnahmen des Katasteramts (-16,3%).

Die Zahl der Baugenehmigungen war sogar nach den Angaben des zyprischen Finanzministeriums zwischen Januar und September 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 14,1% gefallen. Das Volumen der Baugenehmigungen lag im gleichen Zeitraum 28,4% unter dem Vorjahresniveau.

Der Zementumsatz ging in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres um 10% zurück, während die Kosten der wichtigsten Baumaterialien im 1. und im 2. Quartal um 4% stiegen.

Der starke Einbruch in der Bauwirtschaft ließ die Zahl der Arbeitslosen ansteigen.

Informations- und Kommunikationstechnik

Zypern nimmt in der Rangordnung der EU-Mitgliedstaaten nach ihrer Entwicklung im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik einen der letzten Plätze ein. Nur 0,48% des zyprischen BIP wurden im Jahr 2009 in Forschung und Technologie investiert, während der EU-Durchschnitt bei 1,3% lag (2009).

Rund 19% der zyprischen Bevölkerung arbeiten in der Informatikbranche, womit Zypern den 15. Platz unter den 27 EU-Mitgliedstaaten einnimmt.

Im Jahr 2009 verfügten fast alle zyprischen Unternehmen (95,5%) über mindestens einen PC. Etwa 55% hatten eine unternehmenseigene Website. Ihre Produkte verkauften über das Netz allerdings nur 7,6% der Unternehmen. Rund 96% der Internetanschlüsse sind Breitbandanschlüsse. Obwohl die Grunddienstleistungen des öffentlichen Sektors im Netz stehen, nutzen nur 30% der Bürger diesen Service. Fast die Hälfte der Zyprer (48%) geben an, noch nie das Internet genutzt zu haben und etwa 68% behaupten, es nicht zu benötigen.

Erdgas

Große Hoffnungen für das Wachstum der zyprischen Wirtschaft gründen auf die Ausbeutung des Gasfeldes "Block 12", das nach Angaben lokaler Zeitungen auf 10 Billionen Kubikmeter geschätzt wird. Anfänglich sorgte die geplante Erforschung des Feldes für angespannte Beziehungen zwischen der Türkei und Zypern. Die zyprische Regierung beauftragte das amerikanische Unternehmen Noble Energy mit Probebohrungen. Das Vorkommen liegt in unmittelbarer Nähe des noch größeren israelischen Leviathan-Gasfeldes und könnte dazu beitragen, Zypern als Energieknotenpunkt der Region zu etablieren sowie die Energieversorgung Europas nachhaltig zu sichern. Zu den Möglichkeiten für die potenzielle Nutzung des Gasvorkommens zählen unter anderem die Herstellung eines LNG-Terminals, einer Unterseepipeline sowie eines Stromkraftwerks.

Tourismus

Der Tourismus konnte von den turbulenten Ereignissen im Nahen Osten und in Nordafrika profitieren. Rund 1,7 Mio. Touristen besuchten Zypern im Zeitraum Januar bis August 2011, immerhin 12,2% mehr als in der Vorjahresperiode. Die Einnahmen aus dem Tourismus lagen in der gleichen Zeitspanne bei rund 1,2 Mrd. Euro (16% über dem Vorjahresniveau).

In den ersten acht Monaten des Jahres 2011 kamen die meisten Besucher aus dem Vereinigten Königreich (42,9%). Es folgten die Russen (14,2%), die Deutschen (5,8%) und die Griechen (5,7%).

Zur Förderung des Tourismus sollen in Zusammenarbeit mit strategischen Investoren Marinas in Protaras und Agia Nappa sowie ein Golfterrain in Agia Nappa realisiert werden.

Erneuerbare Energien

Der Energieengpass im Sommer 2011 aufgrund der Zerstörung des größten Stromkraftwerkes des Landes führte zu neuen Überlegungen hinsichtlich der stärkeren Einbindung der erneuerbaren Energien in die Stromerzeugung. So sollen 2012 Fotovoltaikanlagen von 82 MW, die gemäß dem zyprischen National Renewable Energy Action Plan (NREAP) bis 2017 geplant waren, realisiert werden. Davon betreffen 5,5 MW Dachanlagen, 26,5 MW kleine gewerbliche Anlagen bis zu 150 kW und 50 MW große gewerbliche Fotovoltaikanlagen. Letztere Projekte sollen demnächst ausgeschrieben werden.

Der Vorschlag des Ministerialausschusses, die Einspeisetarife für Fotovoltaikanlagen ab Ende 2011 zu senken, stieß allerdings auf heftigen Widerstand von Seiten der relevanten Verbände. Auch die Anhebung der sogenannten Erneuerbare-Energien-Gebühr von 0,44 Euro auf 0,60 Euro, die von der zyprischen Stromgesellschaft EAC über die Stromrechnungen eingenommen wird, ist im Gespräch.

Gemäß dem zyprischen National Renewable Energy Action Plan (NREAP) vom Juni 2010 sollen die erneuerbaren Energien zu 13% am Energieendverbrauch und zu 10% am Energieverbrauch für Straßentransporte beteiligt sein. Außerdem sollen Treibhausgasemissionen gegenüber dem Stand von 2005 um mindestens 5% gesenkt werden.

Das Unternehmen Enfoton Solar stellt auf Zypern Fotovoltaikmodule her und exportiert 99% seiner Produktion nach Deutschland.

Quelle: gtai