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Serbien

Chemie-, chemische Industrie


 

Der serbische Markt für Chemieerzeugnisse erholt sich nur langsam von der globalen Wirtschaftskrise. Mittel- bis langfristig werden jedoch wieder steigende Umsätze vorausgesagt. Neben dem Bausektor dürften vor allem die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelverarbeitung als Impulsgeber für verschiedene Sparten des Chemiesektors dienen. Die lokalen Hersteller können punktuell zwar Akzente setzen. Das Land bleibt im Bereich Chemie aber auf umfangreiche Einfuhren angewiesen.

Marktentwicklung/-bedarf

Zu wichtigen Abnehmern von Erzeugnissen der Chemiebranche zählen Beobachter in Serbien nach wie vor die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie.

Letztere ist zur Zeit durch zahlreiche Investitionen in die Modernisierung geprägt, wodurch der Bedarf auf dem Gebiet innovativer, marktgerechter Verpackungslösungen auf Kunststoffbasis spürbar zunimmt. Eine steigende Nachfrage wird mittelfristig auch für den Bereich Agrarchemie erwartet. Nachdem der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in den letzten Jahren deutlich abgenommen hatte, weist der Trend in der Landwirtschaft wieder leicht nach oben.

Angesichts der seit Längerem anhaltenden Dynamik im serbischen Bausektor konnten Produkte wie Spezialkleber, Farben und Lacke sowie andere Erzeugnisse der Sparte Bauchemie jahrelang mit robusten Zuwachsraten aufwarten. Die Auswirkungen der jüngsten Wirtschaftskrise auf Serbien und das damit einhergehende, schrumpfende Bauvolumen sorgten 2009 und 2010 jedoch vorübergehend für eine Zäsur. Im Folgejahr vermeldete die amtliche Statistik wieder steigende Bauaktivitäten, die 2012 mit einem Rückgang der wertmäßigen Bauvolumina um 3,3% jedoch erneut ins Minus drehten.

Trotzdem rechnen Beobachter für die Bauchemie, Isolationsstoffe und andere relevante Chemieprodukte kurz- bis mittelfristig mit guten Absatzchancen. Dies ist vor allem auf die zahlreichen Vorhaben zur Erweiterung der Infrastruktur im Transport- und Umweltsektor zurückzuführen. Aber auch vom Wohnungsbau dürften nach dem Überwinden der Krise wieder zunehmend geschäftsbelebende Impulse ausgehen. Davon sollten auch Kunststoffe und Kunststoffteile für den Bau profitieren können.

Arzneimittel erwiesen sich lange Zeit als eines der am stärksten expandierenden Segmente des serbischen Chemiemarktes. Zwischen 1996 und 2008 sollen sich die Umsätze auf rund 1,20 Mrd. US$ fast verdreifacht haben, so Schätzungen der Marktforschungsfirma Espicom. Doch auch hier war der Markt infolge der Wirtschaftskrise geschrumpft. Nach einem Umsatzrückgang 2010 auf 1,06 Mrd. US$ konnte sich das Pharmasegment 2011 vorläufig wieder auf 1,26 Mrd. US$ verbessern. Leicht abgeschwächt dürfte sich dieser Trend 2012 mit einem Umsatzanstieg auf schätzungsweise knapp 1,29 Mrd. US$ fortgesetzt haben. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen laut Espicom inzwischen bei rund 178 US$. Espicom rechnet bis Ende 2016 mit einem deutlichen Wachstum des serbischen Marktes für Medikamente und einer Zielgröße von etwa 2,01 Mrd. US$.

Produktion/Branchenstruktur

Die serbische Chemieindustrie hat in den vergangenen Jahren zum Teil stark schwankende Produktionsergebnisse eingefahren. Einige ausländische, darunter auch deutsche Unternehmen haben investiert und die Fertigung in ihrem jeweiligen Segment angekurbelt. Trotzdem bleibt das Land auf umfangreiche Einfuhren angewiesen. Durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Branche zum Teil massive Einbrüche erlitten, die stärker ausfielen als in der verarbeitenden Industrie insgesamt.

Entwicklung der Produktion der chemischen Industrie in Serbien (Veränderung jeweils gegenüber dem Vorjahr in %)
Sparte 2008 2009 2010 2011 2012
Koks und veredelte Mineralölerzeugnisse -1,5 -9,5 -3,1 -14,3 -4,7
Chemikalien und Chemieerzeugnisse -4,4 -25,6 21,9 -0,2 -18,4
Pharmazeutische Grundstoffe und Erzeugnisse 14,5 -16,2 -1,1 7,2 12,5
Gummi und Kunststoffe 0,6 -19,1 0,8 -2,0 18,4

Quelle: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt der Republik Serbien)

Im Bereich der organischen Chemie gibt es in Serbien eine Vielzahl stark diversifizierter Unternehmen, die Vorprodukte für die Farben- und Lackbranche sowie für die Waschmittelindustrie herstellen. Verschiedene anorganische Chemikalien zählen bei einer Reihe von Düngemittelherstellern zur Produktpalette. Überwiegend müssen die von den lokalen Branchenunternehmen benötigten chemischen Vorprodukte jedoch aus dem Ausland beschafft werden.

Wichtige Unternehmen der chemischen Industrie in Serbien (Auswahl)
Unternehmen (Standort) Internetadresse
Petrochemie -
NIS (Pancevo, Novi Sad) http://www.nis-naftagas.rs
HIP-Petrohemija (Pancevo) http://www.hip-petrohemija.com
Agrarchemikalien -
HIP-Azotara (Pancevo) http://www.hip-azotara.rs
Fertil (Backa Palanka) http://www.fertil.rs
Elixir Prahovo (Prahovo) http://www.elixirprahovo.rs
Pharmazeutika -
Hemofarm (Vrsac) http://www.hemofarm.com
Galenika (Belgrad) http://www.galenika.rs
Zdravlje Actavis (Leskovac, Novi Beograd) http://www.actavis.rs
Farben und Lacke -
Duga (Belgrad) http://www.duga-ibl.com
JUB (Simanovci) http://www.jub.rs
Industriechemikalien -
Messer Tehnogas (Belgrad) http://www.messergroup.com/cs
Hipol (Odzaci) http://www.hipol.com
Metanolsko sircetni kompleks (MSK) Kikinda (Kikinda) http://www.msk.rs
Gummi -
Tigar Tyres (Pirot, Babusnica) k.A.
Tigar Pirot (Pirot) http://www.tigar.com
Rumaguma/Mitas (Ruma) http://www.mitas.eu
Trayal Korporacija (Krusevac) http://www.trayal.rs
Kosmetika/Körperpflegemittel, Wasch- und Reinigungsmittel -
Beohemija (Belgrad) http://www.beohemija.com
Henkel-Merima (Krusevac) http://www.henkel.rs
Trayal-Hem (Krusevac) http://www.trayal.rs
Simchem (Vranjska banja) http://www.simchem.co.rs
Gomex (Zrenjanin) http://www.gomex.rs
Panonija (Pancevo) http://www.panonija.co.rs
Albus (Novi Sad) http://www.albus.rs

Quellen: Agencija za privredne registre (Agentur für das Wirtschaftsregister); Recherchen von Germany Trade & Invest

Neben der Mineralöl verarbeitenden Industrie, der Herstellung von Düngemitteln und Kunststoffen sowie von Gummi bildet die Fertigung von Generika einen der Schwerpunkte der serbischen Chemiebranche. Beobachter rechnen dem Arzneimittelsegment rund 50% der lokalen Fertigung aller chemischen Erzeugnisse zu. In Serbien wurde zu jugoslawischen Zeiten eine vergleichsweise starke Pharmaindustrie aufgebaut. Wirkstoffforschung spielt inzwischen kaum noch eine Rolle.

Bei der Herstellung von Generika weist Serbien einen vergleichsweise hohen technischen Standard auf. Ein Teil der zuletzt gestiegenen Investitionen in die Modernisierung der Arzneimittelindustrie dient der Anpassung an vorgeschriebene Produktionsstandards (Good Manufacturing Practices). Die Kooperation mit und Übernahmen durch ausländische Unternehmen setzten in den letzten Jahren Investitionen auch in anderen Teilen der Chemiebranche in Gang, etwa in der Mineralölverarbeitung, der Gummi- und Reifenfertigung oder im Bereich Industriegase.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der chemischen Industrie in Serbien (Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
NIS/Modernisierung und Erweiterung verschiedener Produktionsstätten bis 2015 circa 500, davon 2013 circa 150 Ende 2012 nahm die grundlegend modernisierte Raffinerie Pancevo den Betrieb wieder auf Ausweitung der Verarbeitungskapazitäten auf rund 4,8 Mio. t pro Jahr
HIP-Petrohemija/Modernisierung der Ethylenherstellung, Erweiterung der Fertigungsanlagen für hoch- und niedrigdichtes Polyethylen circa 60 Fertigstellung voraussichtlich bis Mitte/Ende 2014 Ausweitung der Kapazitäten auf jährlich bis zu 110.000 t (HDPE) und 76.000 t (LDPE)
Elixir Prahovo/Erweiterung der Schwefelsäurekapazitäten 24 soll bis 2015 abgeschlossen sein Verwendung der Schwefelsäure in eigener Düngemittelproduktion
Messer Technogas/Luftzerlegungsanlage in Bor circa 20 Fertigstellung bis Mitte 2014 geplant Kapazität bei 10.000 cbm Sauerstoff und 7.000 cbm Stickstoff pro Jahr
PharmaSwiss (Valeant Pharmaceuticals)/neue Fertigungsstätte für verschiedene Arzneimittel k.A. Fertigstellung bis Ende 2013 geplant Fertigung von jährlich rund 1 Mrd. Tabletten und 50 Mio. Fertigverpackungen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Außenhandel

Die Importe von Chemieerzeugnissen nach Serbien nahmen gegenüber dem Vorjahr wieder leicht um 4,2% auf knapp 3,1 Mrd. US$ zu. Deutschland stellte mit einem Lieferwert von 472,2 Mio. US$ und einem Anteil von 15,2% die mit Abstand wichtigste Bezugsquelle im Ausland. Im Gegensatz zum Gesamttrend sanken die deutschen Chemieexporte im Vorjahresvergleich jedoch um 2,0%. In den Bereichen Arzneimittel und Kunststoffe in Primärformen übertrafen die Werte der Einfuhren aus Deutschland 2012 jeweils die Marke von 100 Mio. US$. In sieben der insgesamt neun Produktgruppen im Segment Chemie nahmen deutsche Lieferungen die Spitzenposition ein.

Zu weiteren wichtigen Ursprungsländern für chemische Erzeugnisse zählten 2012 in Serbien neben Russland (wertmäßiges Volumen: 216,0 Mio. US$; vor allem Düngemittel und anorganische chemische Erzeugnisse) auch Frankreich (198,3 Mio. US$; insbesondere Pharmaprodukte sowie andere chemische Erzeugnisse und Waren) und Italien (197,8 Mio. US$; vornehmlich Kunststoffe in Primärformen sowie Körperpflegemittel und Kosmetika).

Die serbischen Chemieunternehmen lieferten ihrerseits 2012 Waren für 924,2 Mio. Euro ins Ausland. Gerechnet auf das gesamte Exportvolumen des Landes entsprach dies einem Anteil von 8,1%. Die Ausfuhren bestanden im Berichtsjahr überwiegend aus Arzneiwaren, verarbeiteten Kunststoffen sowie Kunststoffen in Primärformen.

Einfuhr ausgewählter Chemieerzeugnisse nach Serbien (in 1.000 US$)
SITC Warenbezeichnung 2011 2012 davon aus Deutschland (2012)
51 Organische chemische Erzeugnisse 220,6 230,5 45,0
52 Anorganische chemische Erzeugnisse 118,2 114,5 5,3
53 Farbmittel, Gerbstoffe, Farben (und Lacke) 163,3 149,7 23,5
54 Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 726,6 711,0 113,5
55 Ätherische Öle, Körperpflege-, Putz- und Reinigungsmittel etc. 347,4 333,0 59,0
56 Düngemittel (ausgenommen solche der Gruppe 272) 220,9 367,3 7,0
57 Kunststoffe in Primärformen 571,4 589,4 103,5
58 Kunststoffe in anderen Formen als Primärformen 256,7 248,7 43,1
59 Andere chemische Erzeugnisse und Waren 349,7 355,5 72,4
Summe - 2.974,8 3.099,6 472,3

Quelle: RZS

Geschäftspraxis

Die Produktstandards werden in Serbien schrittweise den EU-Vorgaben angepasst. In der Regel gelten für chemische Erzeugnisse, die in der EU zugelassen sind, beschleunigte Verfahren. Für Pflanzenschutz- und Düngemittel ist das Amt für Pflanzenschutz (Uprava za zastitu bilija) zuständig. Die erst Ende 2009 eingerichtete Agentur für Chemikalien (Agencija za hemikalije) wurde im Herbst 2012 wieder aufgelöst und in das Energie- und Umweltministerium integriert. Neben der Kontrolle des Vertriebs gefährlicher Chemikalien werden hier auch ein integriertes Register für Chemieprodukte und eine Datenbank mit Pflichtangaben zu chemischen Stoffen geführt.

Im Bereich Arzneimittel wurde die serbische Gesetzgebung bereits 2004 weitestgehend an geltendes EU-Recht angepasst. Medikamente bedürfen einer Anmeldung bei der Agentur für Arzneimittel und Medizinprodukte (Agencija za lekove i medicinska sredstva, http://www.alims.gov.rs). Über eine Zulassung muss laut Gesetz innerhalb von 210 Tagen entschieden werden. Im öffentlichen Gesundheitswesen wird nach Auskunft von Branchenfachleuten lokalen Präparaten in der Regel der Vorzug vor Importerzeugnissen gegeben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Serbien http://serbien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministarstvo finansija i privrede (Ministerium für Finanzen und Wirtschaft) http://www.mfp.gov.rs Aufsicht und Entwicklungsstrategie bei staatlichen Branchenunternehmen
Ministarstvo energetike, razvoja i zastite zivotne sredine (Ministerium für Energie, Entwicklung und Umweltschutz) http://www.merz.gov.rs Überwachung der Ein- und Ausfuhr bestimmter, als gefährlich deklarierter Chemikalien
Ministarstvo zdravlja (Gesundheitsministerium) http://www.zdravlje.gov.rs Regulierung des Arzneimittelbereichs
Uprava za zastitu bilija (Amt für Pflanzenschutz) http://www.uzb.minpolj.gov.rs Überwachung im Bereich Pflanzenschutz- und Düngemittel
Udruzenje za hemijsku, farmaceutsku, gumarsku industriju i industriju nemetala (Vereinigung der Branchen Chemie, Pharmazie, Gummiindustrie und sonstiger nichtmetallischer Erzeugnisse) http://www.pks.rs agiert unter dem Dach der Wirtschaftskammer Serbiens
Branchenportal http://www.hemija.rs Firmen-/Produktkatalog

Quelle: www.gtai.de