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Russland

Coface Deutschland/Russland sucht den Wandel-Risiken bleiben


Mit dem Beginn einer Modernisierungskampagne und dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO hat Russland die Weichen für einen wirtschaftlichen Wandel von der Rohstoff- zur Marktwirtschaft gestellt. Ausländische Anbieter bleiben wichtige Lieferanten. Allerdings ist auf ein solides Forderungsmanagement zu achten. Der Kreditversicherer Coface stuft die russische Föderation in seiner Länderbewertung mit B ein. Demnach sollte man auf den einen oder anderen Zahlungsausfall vorbereitet sein. Wachstum schwächer, aber durch hohen Ölpreis noch robust: 2012 hat sich das Wirtschaftswachstum Russlands abgeschwächt. Dieser Trend dürfte sich 2013 fortsetzen, auch wenn sich die russische Wirtschaft im angeschlagenen internationalen Konjunkturumfeld durchaus gut behaupten kann. Der private Konsum als wichtigster Wachstumsmotor wird durch die steigenden Löhne gestützt, die durch eine geringe Arbeitslosigkeit begünstigt werden. Belastet wird er allerdings durch die steigende Inflation und eine weniger expansive Haushaltspolitik. In der landwirtschaftlichen Produktion ist es durch die Dürre zu Einbußen gekommen. Trotzdem dürfte sie sich zusammen mit der übrigen Nahrungsmittelbranche (Öle, Milchprodukte) aber weiter positiv entwickeln. Die Industrieproduktion leidet unter der rückläufigen Nachfrage seitens der wichtigsten Partner Russlands, der Europäischen Union und China. Der Automobilindustrie dürften allerdings die Partnerschaften mit europäischen Autobauern wie Renault und VW zugute kommen. Investitionen werden durch sinkende Margen, steigende Produktionskosten und schärfere Bedingungen bei der Kreditvergabe gebremst. Die Erdölausfuhren dürften weiterhin von den anhaltend hohen Preisen profitieren. Ungünstig für die russische Wirtschaft wirkt sich allerdings der Abwärtstrend beim Gaspreis aus. Unter dem Einfluss sich verteuernder Nahrungsmittel, die annähernd 40 % der Ausgaben privater Haushalte ausmachen, und steigender Tarife für Energie verstärkt sich der Inflationsdruck. Starke Abhängigkeit des Staatshaushalts und der Leistungsbilanz vom Ölpreis: Der russische Haushalt dürfte weiterhin ein leichtes Defizit aufweisen. Der erwartete Rückgang der Ölförderung schlägt sich in den Einnahmen aus dem Erdöl nieder, die 50 % der Einnahmen insgesamt ausmachen. Die Ausgaben werden weiter gezielt in die Verteidigung sowie in Löhne und Renten fließen. Bei einer ungünstigeren Entwicklung des Ölpreises würde sich das Defizit vergrößern. Allerdings sind die öffentlichen Finanzen in Russland mit einer Staatsverschuldung von unter 10 % des BIP weiterhin solide. Damit hat die Regierung zumindest kurzfristig Handlungsspielraum. Russische Ausfuhren werden ebenfalls weitgehend vom Erdöl und Erdgas beherrscht. Zusammen bilden sie zwei Drittel der Exporteinnahmen. Damit kann das Land einen Überschuss in der Leistungsbilanz erwirtschaften. Geschmälert wird dieser Überschuss allerdings durch die schwächere Nachfrage aus den Ländern der Euro-Zone sowie durch die Einfuhren, die durch den lebhaften Konsum der privaten Haushalte steigen. Einem Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen stehen ein wenig förderliches Geschäftsumfeld und Beschränkungen in als „strategisch“ bezeichneten Branchen im Wege. Der gegenüber 2011 zwar rückläufige Kapitalabfluss hatte mit 70 Mrd. US-$ auch 2012 immer noch einen erheblichen Umfang und dürfte sich 2013 fortsetzen, allerdings in abgeschwächter Form. Dadurch nimmt der Abwärtsdruck auf den Rubel ab, vorausgesetzt, der hohe Ölpreis hält an. Demgegenüber könnten sich die Schwankungen beim Wechselkurs noch verstärken. Für die Zentralbank hat nämlich die Bekämpfung der Inflation Vorrang vor der Stabilisierung des Rubels, weil 2015 ein flexibles Wechselkurssystem eingeführt werden soll. Die Mitgliedschaft Russlands in der WTO sollte allerdings zu einer Verbesserung des Geschäftsumfeldes beitragen. Kontakt: Herr Dr. Dirk Bröckelmann, dirk.broeckelmann@coface.de

Quelle: Aussenhandelsverband Nordrhein-Westfalen e.V.