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Spanien

Coronakrise und Exportförderung: Wie reagiert Spanien?


Coronakrise und Exportförderung: Wie reagiert Spanien?

Welche Maßnahmen ergreift Europas viertgrößte Volkswirtschaft, um ihre Exportwirtschaft angesichts Corona-bedingter Einbrüche wiederzubeleben?

Von Oliver Idem | Madrid

Spaniens Exporte beliefen sich im Jahr 2019 auf 298 Milliarden Euro. Davon gingen Waren und Dienstleistungen im Wert von 187,4 Milliarden Euro nach Europa und 280,6 Milliarden Euro in den Rest der Welt. Die Coronakrise brachte diese Entwicklung zum Erliegen. Die Exporte brachen im April 2020 stark ein.

Die spanische Wirtschaft ist von der schwachen Nachfrage auf wichtigen Auslandsmärkten betroffen, insbesondere weil die Industrie ihre Internationalisierungsbestrebungen im vergangenen Jahrzehnt forciert hat und das Land zunehmend von der Entwicklung der Auslandsmärkte abhängig geworden ist.

Zu den aktuellen Maßnahmen und Instrumenten der spanischen Außenwirtschaftsförderung zur Ankurbelung der Exportwirtschaft gehören:

Staatliche Export-Absicherungsmaßnahmen

Exportversicherungen 

Die Exportkreditversicherung CESCE hat für Exporteure eine Finanzierungslinie im Wert von 2 Milliarden Euro eingerichtet, von der bis Mitte Juli 2020 aber lediglich 680 Millionen für 637 Operationen verwendet wurden

Investitionsabsicherungen

Der Auslands-Projektfinanzierer Cofides hat einen Fast-Track-Mechanismus eingeführt, um den von der Coronakrise betroffenen Unternehmen Zahlungsaufschübe zu gewähren

Bürgschaften

Im Zuge der Maßnahmen gegen die Coronakrise wurde mit dem Königlichen Dekret 8/2020 ein Bürgschaftsprogramm mit einem Staatsanteil von 100 Milliarden Euro und einem Beitrag der Banken verkündet; dieses Programm ist keine explizite Maßnahme für Exporteure, hat jedoch für die spanische Wirtschaft eine große Bedeutung und steht auch exportierenden Unternehmen offen; bis zum 15. Juli 2020 waren bereits 89,7 Milliarden Euro verbraucht

Staatliche Export-Finanzierungsmaßnahmen

Kapitalbeteiligungen

Zeitlich begrenzte Minderheitsbeteiligungen durch den Projektfinanzierer Cofides möglich; diese Möglichkeit existiert schon lange, doch wurden im Zuge der Coronakrise die Mittel auf 100 Millionen Euro aufgestockt

Zusätzliche Förderung für KMU

Preisnachlässe oder sonstige finanzielle Erleichterungen bei Leistungen der Außenwirtschaftsförderung (AWF)

30 Prozent Rabatt auf kostenpflichtige Dienstleistungen der staatlichen Außenwirtschaftsförderung ICEX seit dem 1. Juni 2020; diese Ermäßigung gilt ohne feste Befristung so lange, bis sie aufgehoben wird.

Corona-spezifische Informationsangebote

Webinare und Onlinekurse von ICEX

Corona-spezifische Beratungsangebote

Onlinekurse und Einzelberatungsangebote/Videokonferenzen von ICEX

Corona-spezifische Markterschließungsangebote

Umfangreiches Webinar-Angebot von ICEX zur Lage und den Chancen spanischer Unternehmen auf verschiedenen Auslandsmärkten; auch Informationen wie Länderprofile und Geschäftschancen sowie eine Markterschließungs-App mit breitem Informationsangebot; Anfang Juli 2020 fand eine erste "virtuelle Handelsmission" mit spanischen und ecuadorianischen Unternehmen statt

E-Commerce-Schulungen

Strategieberatung durch ICEX für internationale Verkäufe über Onlinekanäle und ein Webinar über die Herausforderungen beim Verkauf von Waren über elektronische Marktplätze

Neue sektorale Schwerpunkte

Werden bestimmte Branchen/ Industriebereiche/ Technologien besonders gefördert?

Innerhalb des Produktionsgefüges stehen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders im Fokus; zudem sollen verstärkt Dienstleistungen exportiert und spanische Unternehmen vermehrt in internationale Lieferketten eingegliedert werden

Neue regionale Schwerpunkte

Welche Regionen/Länder rücken als Abnehmerländer in den Fokus?

Die Exportmärkte sollen weiter diversifiziert werden. Das "Klumpenrisiko" der Exporte in die Eurozone soll durch mehr Ausfuhren nach Asien, Afrika und Nordamerika entschärft werden.

Welche Regionen/Länder rücken als Produktionsstandorte und Beschaffungsquellen in den Fokus?

Nur 11,5 Prozent der befragten Unternehmen befürchten im 2. Halbjahr 2020 Unterbrechungen ihrer Lieferketten. Laut der Konjunkturumfrage der AHK Spanien von Juni 2020 wollen 81 Prozent der deutschen Unternehmen im Land keine Veränderungen bei ihren Lieferanten vornehmen. Wenn es Veränderungen gibt, stehen Spanien und die Europäische Union klar im Fokus. Standortverlagerungen kommen für 83 Prozent der Unternehmen derzeit nicht infrage, die übrigen fokussieren sich auf andere Standorte innerhalb Spaniens und Europas. Andere Kontinente wurden in der Umfrage überhaupt nicht genannt.

Quelle: GTAI