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Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll


Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll | Special | Spanien | Coronavirus

Im Oktober 2020 änderte die Regierung ihre Außenhandelsprognose. Sie geht nun von einem weniger starken Einbruch und einer langsameren Erholung aus. (Stand: 15. Dezember 2020)

Von Oliver Idem | Madrid

Seit Juli 2020 bildeten sich zahlreiche neue regionale Infektionsschwerpunkte heraus. Um die Lage dort unter Kontrolle zu halten, wurden lokale Beschränkungen verhängt. Diese sichert die Zentralregierung in Madrid durch den bis zum 9. Mai 2021 verhängten Alarmzustand ab. Aktuelle Angaben dazu enthalten auch die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Spanien.

Mitte Dezember 2020 stabilisierte sich die Lage. Landesweit fiel die 14-Tages-Inzidenz unter die Marke von 200 Fällen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Weihnachtstage und der Jahreswechsel trotz Einschränkungen zu mehr Infektionen führen könnten. Mitte Januar 2021 dürfte klar sein, ob diese Erwartung eintritt.

Für Einreisen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sind die Grenzen seit dem 21. Juni wieder geöffnet. Zum 1. Juli 2020 folgten alle Grenzübergänge nach Portugal. Der Güterverkehr hat sich weitgehend normalisiert und der Dienstleistungsverkehr mit der Öffnung der Grenzen wieder wesentlich vereinfacht.

Die spanischen Häfen arbeiteten auch in der Krise weiter. Lediglich das Frachtaufkommen war niedriger als sonst. Zudem forcierten die Betreiber, dass so viele Formalitäten wie möglich elektronisch abgewickelt werden. Aktuelle Informationen bieten die Internetauftritte der größten Häfen in Algeciras, Valencia, Barcelona und Bilbao.

Die 46 wichtigsten Häfen des Landes verzeichneten in den ersten drei Monaten 2020 einen Rückgang des Frachtaufkommens um 11 Prozent auf 253,3 Millionen Tonnen. Die Einschränkungen des Alarmzustands galten lediglich in den letzten beiden Wochen dieses Zeitraums. Besonders stark fielen die Rückgänge bei Fahrzeugen, Brennstoffen, Holz und Kork sowie Baumaterialien aus. Im Gesamtjahr 2020 dürfte das Frachtaufkommen um 10 bis 16 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Laut der Wirtschaftszeitung Expansión soll dieses Minus 2021 weitgehend wieder ausgeglichen werden.

Außenhandel etwas robuster als erwartet

Die Erwartungen der Regierung für den spanischen Außenhandel bleiben schwach. Im laufenden Jahr 2020 geht sie von einem Einbruch bei den Importen um 20 Prozent und der Exporte um 22,7 Prozent aus. Verglichen damit soll die Erholung 2021 mit plus 8,6 beziehungsweise plus 11,7 Prozent eher gering ausfallen. Laut der Regierung weist der Außenhandel damit den stärksten Rückgang aller volkswirtschaftlichen Indikatoren auf.

Die Zahlen des Statistikamtes INE für das 3. Quartal 2020 belegen eine Verbesserung ausgehend von einem sehr geringen Niveau. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen brachen um 17 Prozent ein. Bei den Importen lag das Minus bei 15,7 Prozent. Da das Land im 2. Quartal die Einschränkungen durch den Lockdown erlebte, dürfte dieser Zeitraum den Tiefpunkt des Jahres 2020 markieren.

Spanien ist durch die Coronakrise stärker als viele andere Länder betroffen. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung und der Verlust an Arbeitsplätzen fallen im Vergleich mit anderen Ländern der Eurozone besonders hoch aus. Keiner anderer EU-Staat steht 2020 auch nur annähernd vor einem so starken Rückgang des Bruttoinlandsprodukts wie Spanien.

Doch auch die meisten wesentlichen Handelspartner kämpfen mit pandemiebedingten Einschränkungen. Spanien ist wirtschaftlich eng mit europäischen Partnern wie Deutschland, Frankreich, Portugal und Italien vernetzt.

Nach Lateinamerika bestehen ebenfalls vielfältige wirtschaftliche Verbindungen. Die Region hat mit erheblichen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Hauptexportgüter Kfz und Kfz-Teile mit besseren Aussichten

Spaniens Außenhandel dominieren im Import und Export Kfz und Kfz-Teile sowie chemische Erzeugnisse. Im Frühjahr kamen für die Automobilbranche mehrere Negativfaktoren zusammen. Die Teileversorgung stockte zwischenzeitlich und in allen spanischen Werken pausierte die Fertigung. Während die Verkaufszahlen auf dem Binnenmarkt nunmehr von Monat zu Monat stark schwanken, hellen sich die Exportaussichten zusehends auf.

Da die spanischen Automobilhersteller ihre Fahrzeuge zu mehr als 80 Prozent exportieren, sind sie besonders von der Nachfrage aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Italien abhängig. Im Sommer 2020 zeichnete sich eine Verbesserung ab, da in Spanien Modelle produziert werden, die sich in Europa gut verkaufen. Im September überstieg die Fertigung mit knapp 262.600 Kfz erstmals wieder das Niveau von Februar 2020. Die Exportquote erreichte nahezu 90 Prozent.

Die Bedeutung der Automobilbranche für den Außenhandel ist sehr hoch: Straßenfahrzeuge repräsentierten 2019 ganze 15 Prozent der wertmäßigen Ausfuhren Spaniens.

Belebung bei den Ausrüstungsinvestitionen

Beim Geschäft mit Maschinen ist die Lage verhaltener als 2019, zeigt aber mittlerweile einen deutlichen Aufwärtstrend. Die Industrie ist besser als viele Dienstleistungszweige durch die bisherige Pandemie gekommen. Im Oktober lag der Produktionsindex des Statistikamtes INE nur noch um 1,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Nachdem im Frühjahr viele Unternehmen ihre Pläne gekürzt, zeitlich gestreckt oder gestrichen hatten, beleben sich die Investitionen wieder. Die erkennbare Erholung der Produktion verbessert die Aussichten für die Industriebetriebe und die Investitionsneigung. Dieser Trend zeigt sich in den Quartalszahlen: im 2. Quartal flossen 23,8 Prozent weniger Mittel in Ausrüstungen. Von Juli bis Ende September lag der Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal bei nur noch 8,7 Prozent.

Für zusätzliche Impulse könnte ein Bürgschaftsprogramm der Regierung von Anfang Juli sorgen. Es umfasst 40 Milliarden Euro Avale für Unternehmen, die in Digitalisierung und Umweltfreundlichkeit investieren. 

Quelle: GTAI