Der russische Logistikmarkt befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Die Veränderungen werden vor allem von der Nachfrageseite betrieben. Neben der intensivierten wirtschaftlichen Verflechtung mit den westeuropäischen Ländern macht sich der Wandel der Anspruchsprofile von Produktion und Handel bemerkbar.
Der Logistikmarkt in Russland wird zeichnet sich durch einen fehlenden Wettbewerb und die relativ geringe Anzahl an Unternehmen, die sich als Logistikdienstleister auf dem Markt positionieren. Ferner sind es fehlendes Management und Logistik Know-how in der Industrie. Die enormen Transport und Lagerkosten sind das Ergebnis. Viele russische Unternehmen verfügen über einen eigenen Werksbahnanschluss. Zu Beobachten ist jedoch ein steigender Outsourcing-Anteil in der Logistik. Gerade russische Unternehmen haben bis in jüngster Zeit sämtliche Logistikaktivitäten innerhalb des Unternehmens unter Verwendung eigener Ressourcen erbracht. Die befragten Unternehmensleiter sind sich jedoch überwiegend einig darin, dass Outsourcing von Logistikaktivitäten ein wesentlicher Bestandteil zukünftiger Entscheidungen und Möglichkeiten zur internen Kostenreduktion darstellt. Für Russland lässt sich damit festhalten, dass die Nachfrage nach professionellen Logistikdienstleistungen steigen wird. Der Wettbewerb auf dem Logistikmarkt ist derzeit jedoch noch beschränkt, weil nur wenige, auf bestimmte urbane Zentren konzentrierte Logistikunternehmen in diesem Markt tätig sind.
Der Markteintritt ist auf Grund von langwierigen Arbeitserlaubnisprozeduren, großer Rechtsunsicherheit, vermehrter Bürokratie und umständlicher Zollformalitäten kompliziert. Vielerorts wird die fehlende Stadtortpolitik der Regionen bzw. Kommunen bemängelt, die die Schaffung von weiteren Logistikkapazitäten hemmt. In den urbanen Zentren um Moskau und St. Petersburg hat sich der Logistikmarkt rasch entwickelt und nördlich von Moskau, wo beachtliche Güterströme verlaufen, existiert bereits ein beachtlicher Wettbewerb. Auf Grund der gestiegenen Nachfrage existiert im Umland von Moskau und St. Petersburg ein Defizit an qualitativ hochwertigen Lagern. Dies verursacht extrem teure Mieten für Logistikkomplexe.
Insgesamt sind die Logistikpotentiale groß. Die Bildung von Verteilernetzen ist einer der größten Logistikprobleme in Russland, bis heute gibt es kein funktionierendes, flächendeckendes Netz, was beispielsweise über Mittelstandskooperationen gebildet werden könnte.
Weiterhin sind intelligente und ganzheitliche Logistiklösungen gefragt. Der Logistikmarkt entwickelt sich zu einem der attraktivsten Märkte in der gesamten Region. Mit dem zunehmenden Warenaustausch liegt Russland neben China weltweit an der Spitze und bietet gerade für westeuropäische Logistikdienstleister ein großes Potenzial. Vor allem in den erwarteten Veränderungen der Güterstruktur, mit einem wachsenden Anteil an hochwertigen Industriegütern werden die Potenziale für die Logistikdienstleister für künftige Geschäftstätigkeiten gesehen. Der Logistikmarkt bietet Wachstumschancen insbesondere für Netzwerkanbieter vor Ort. Er bietet nicht nur große Chancen, sondern trägt auch das Risiko der unangenehmen Überraschungen, die teilweise durch Intransparenz des Marktes und mangelnde Kenntnis der jeweiligen Situation verursacht werden. Deshalb sind bei einem Markteinstieg in Russland eine fundierte Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen, ein gutes Verständnis der Ansprüche der Kunden sowie ein logistisches Know-how wichtige Faktoren für den Erfolg.
Autor: Dr. Viktor Taradantschik
Kontakt über André Scholz, Wirtschaftsprüfer / Partner
Rödl & Partner Moscow
Tel: +7 (495) 9 33 51 20
E-Mail: andre.scholz@roedl.pro


