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Polen

Die Autoindustrie – eine Branche immer noch im Umbruch?


Auf diese Frage haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dritten Automobilkonferenz der Deutsch-Polnischen Industrie und Handelskammer (AHK Polen) versucht, eine Antwort zu finden.

Die Pandemie ist noch gar nicht richtig vorbei. Und jetzt gibt es durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine schon wieder eine neue Aufgabe: Die internationale Autoindustrie steht vor immer neuen Herausforderungen. Dabei muss der Wirtschaftssektor mit der Einführung der E-Mobilität sowieso schon eine massive Umstellung in Angriff nehmen.   

So haben am 22. Juni führende Autoproduzenten, Hersteller von Komponenten, polnische und deutsche Branchenvereinigungen sowie Wirtschaftseinrichtungen online die wichtigsten Fragen diskutiert, welche den Wirtschaftszweig betreffen.

„Mittelfristig bewirkt eine Krise immer Innovation. Was wir bereits sehen, ist eine Diversifizierung der Lieferketten. Das wird die Unternehmen stärker machen“, sagte bei der Eröffnung der Konferenz Dr. Lars Gutheil, das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Industrie und Handelskammer. „Deutschland und Polen werden noch enger kooperieren, weil Polen im Fokus steht, wenn es um die Verschiebung der Lieferketten geht, die auch die Automobilwirtschaft betrifft. Das Interesse deutscher Investoren an Polen – gerade aus dem Bereich Automotive – ist ungebrochen. Und umgekehrt auch von polnischen Unternehmen am Nachbarn. Zudem sind die internationalen Aktivitäten ungebrochen“, erklärte Dr. Gutheil.

Für die Branche steht weiterhin im Fokus, die Produktion aufrechtzuerhalten und gleichzeitig nach neuen Lösungen für die Lieferung von Komponenten zu suchen. Das wirkt sich auf die Stabilisierung der Beschäftigung aus, die in den vergangenen zwei Jahren starken Schwankungen unterworfen war. Nach Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegt der Schlüssel für die Aufrechterhaltung der Konkurrenzfähigkeit der Wettbewerbsfähigkeit der Polnischen Autoindustrie in der Verbesserung der Produktivität. Obwohl die Produktion in den vergangenen fünf Monaten rückläufig gewesen ist, hat die Branche keine bedeutenden Umsatzrückgänge verzeichnet. „Unser Markt reagiert stark darauf, was an  unserer westlichen Grenze passiert. Optimistisch stimmt, dass die Konzerne, die ihre Fahrzeugproduktion in Polen angesiedelt haben, ihre Fabriken und Produktionslinien für neue Modelle ausbauen“, sagte Rafał Orłowski von Automotive Suppliers.pl. „Bei der Neuregistrierung von Fahrzeugen beobachten wir weiterhin einen Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2019. Der Hauptgrund ist nach wie vor die Halbleiterkrise“, kommentierte Jakub Faryś, der Vorsitzende des Polnischen Autoverbandes PZPM die Marktlage.

Ein Großteil der Diskussion befasste sich mit dem Thema der E-Mobilität. Sowohl  Jakub Faryś von der PZPM als auch Dr. Manuel Kallweit vom Verband der Automobilindustrie aus Deutschland (VDA) haben ihre Statistiken über den PKW- und LKW-Markt in ihren Ländern vorgestellt. Maciej Mazur, der Geschäftsführer der Polnischen Vereinigung für Alternative Treibstoffe PSPA sagte, dass Polen eine gute Position bei Bussen mit niedrigen Emissionen und mit Null-Emissionen einnimmt. Ein Großteil der Busse in Europa werde nämlich in Polen in den Fabriken internationaler Konzerne gebaut.

Die Teilnehmer fanden, dass die größte Herausforderung bei der Einführung der E-Mobilität die Entwicklung der Ladeinfrastruktur sei. Das betonten Piotr Michalczyk von PwC und Michał Baranowski, der Vorstandsvorsitzende von Elocity. Alle Hersteller und Fahrzeugnutzer sagen, dass ein Erfolg für elektrische Autos und Hybridfahrzeuge ohne ein gutes Ladenetz nicht möglich sei.

„Die Klimapolitik der EU ist aus unserer Perspektive kein Luxus oder irgend eine Bremse, sondern eine einzigartige Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, die ziemliche Raubwirtschaft, die derzeit vorherrscht, durch eine ausgewogene Entwicklung zu ersetzen. Wir müssen die Notwendigkeit von reellen Investitionen in eine ausgewogene Wirtschaft ins Auge fassen. Dadurch werden wir über eine längere Perspektive hinweg profitabler und noch widerstandsfähiger für Krisen unterschiedlicher Art sein. Es gibt keinen Wohlstand und kein Glück in Europa, ohne die Natur wertzuschätzen“, sagte Dr. Ewa Łabno-Falęcka, head of corporate communication & external affairs Mercedes- Benz Manufacturing Poland.

“Wir von Mercedes als Marke mit einer fast 150jährigen Tradition, die das Auto erfunden hat, wollen erneut absolut in der Avantgarde sein. Es gibt keine moderne Autoindustrie und keine moderne Industrie überhaupt ohne neue Technologien. Nur die Technologien ermöglicht uns, unsere Ziele zu erreichen. Die Autobranche durchlebt eine Revolution. Die Branche bietet nicht nur Autos, sondern Mobilität an. Die Zukunft heißt  „Mobility as a service” (Die Abkehr vom individuellen Transportmittel in Richtung der Mobilität als Dienstleistung). Dies bedeutet einen großen Nutzen für die Umwelt und die Ballungsräume, die verstopft sind. Die Zukunft wird eine vollkommen andere sein. Teilweise ist sie dies ja schon – nur eben ungleichmäßig verteilt”, fügte Dr.  Łabno-Falęcka.

Die Teilnehmer des Panels erklärten, dass für die Einführung der E-Mobilität nicht nur Produkte und Erneuerbare Energie notwendig seien, sondern auch klimaneutrale Fabriken, ökologisch hergestellte Komponenten und eine ausgewogene Logistik und Lieferketten.

Ohne Zweifel bedeuten ihrer Meinung nach die revolutionären Veränderungen, welche die Autobranche im 21. Jahrhundert in Angriff nehmen muss, für die Hersteller und die Fahrzeugnutzer eine riesige Herausforderung. Die polnischen und deutschen Vertreter der Branche befinden sich ihrer Auffassung nach dabei im Mittelpunkt.

Quelle: AHK Polen