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In Spanien werden zunehmend mehr Elektrofahrzeuge hergestellt und zugelassen. Die Ladeinfrastruktur benötigt einen weiteren Ausbau.
26.02.2021
Von Oliver Idem | Madrid
Elektromobilität ist der zentrale Baustein der künftigen MobilitätDie spanische Regierung hat die Energie- und Klimapolitik zu einem der wichtigsten Schwerpunkte ihrer Arbeit gemacht. Die Anstrengungen gehen in Einklang mit den Zielen der Europäischen Union in Richtung Dekarbonisierung des Verkehrssektors und der Klimaneutralität. Auch der Fahrzeugherstellerverband Anfac hat sich in Richtung eines neuen Mobilitätsverständnisses aufgestellt.
Fahrzeuge mit Elektroantrieb waren in der Coronakrise gegen den Markttrend wesentlich stärker gefragt als 2019. Bei Elektrofahrzeugen stiegen die Neuzulassungen 2020 um 120 Prozent auf 43.516. Bei Hybridfahrzeugen waren die Verkaufszahlen höher, die Wachstumsrate jedoch niedriger. Hier betrug das Plus rund 28 Prozent und 140.869 Hybride wurden neu registriert.
Der Marktanteil der batterieelektrischen und Hybrid-Pkw in Spanien nahm von 0,1 Prozent im Jahr 2011 bis 2020 auf 4,8 Prozent zu. Im Segment der Busse lag der Anteil bei 2,4 Prozent. Bei leichten Nutzfahrzeugen lag der Anteil 2020 bei 1,3 Prozent. Hingegen spielten elektrische Antriebe bei schweren Nutzfahrzeugen so gut wie keine Rolle.
Bei vollelektrischen Pkw führten 2020 der Renault Zoe, Hyundai Kona und Peugeot 208 die Verkaufslisten an. In der Kategorie Plug-in-Hybride verkauften sich die A-Klasse von Mercedes-Benz, der Peugeot 3008 und der Kia Niro am besten. Bei den nicht aufladbaren Hybrid-Pkw hatte Toyota mit gleich drei Modellen die Nase vorn, nämlich dem Corolla, C-HR und RAV 4.
Bislang ist Elektromobilität vor allem in den größeren Städten ein Thema. In Madrid liegt der Bestand von 18 Sharing-Anbietern laut neuesten Angaben bei etwa 22.500 Einheiten. Dazu zählt eine breite Palette von elektrischen Pkw, Motorrädern, Rollern und Fahrrädern.
Hindernisse für eine schnellere Verbreitung von Elektrofahrzeugen sind laut Anfac der Preisunterschied zu herkömmlichen Kfz und Schwierigkeiten bei der Nutzung. Letztere umfassen den Ausbaustand der Infrastruktur, die Dauer der Ladevorgänge und die Reichweite des Fahrzeugs.
Ladeinfrastruktur muss zügig ausgebaut werdenSpanien verfügt über kein zentrales Register für Auflademöglichkeiten. Berechnungen von Anfac zufolge existierten 2020 rund 8.400 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Bis auf 26 von ihnen befanden sich alle in städtischen Gebieten. Knapp 6.400 der dortigen Ladeplätze verfügten über maximal 22 kW.
In ihrem Erholungsplan zur Bewältigung der Coronakrise hat die spanische Regierung im Oktober 2020 ein Ziel für den Ausbau der Ladeinfrastruktur gesteckt. Bereits 2023 sollen mindestens 100.000 Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge existieren.
Im Ausbau der Ladeinfrastruktur engagieren sich bislang zum Beispiel große Energieversorger und Einzelhandelsketten. Im Februar 2021 gab der Energie- und Petrochemiekonzern Repsol einen umfangreichen Plan bekannt. Das Unternehmen beabsichtigt, alle 50 Kilometer für eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge zu sorgen. Etwa 1.000 der insgesamt 3.400 Tankstellen von Repsol werden Ladepunkte erhalten. Der verwendete Strom soll vollständig aus regenerativen Quellen stammen. Repsol kooperiert mit Nissan und will für die Fahrzeuge des Herstellers vergünstigten Strom anbieten.
Das staatliche Eisenbahninfrastrukturunternehmen ADIF möchte die elektrische Infrastruktur des Bahnnetzes für Elektrofahrzeuge nutzbar machen. ADIF gab im November 2020 bekannt, an 30 Bahnhöfen des Schnellzugnetzes und 370 konventionellen Bahnhöfen in Ladeinfrastruktur zu investieren.
Elektromobilität soll Umwelt- und Klimaziele erreichbar machenDer Energie- und Klimaplan der spanischen Regierung strebt bis 2030 einen Fahrzeugpark von 5 Millionen elektrisch betriebenen Kfz an. Dazu zählen 3 Millionen Elektro-Pkw sowie 2 Millionen Lieferwagen, Autobusse und Motorräder. Bis 2040 sollen die neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge ohne CO2-Ausstoß auskommen. Ein Etappenziel aus dem Erholungsplan von Oktober 2020 sind 250.000 Elektrofahrzeuge im Jahr 2023.
Die Regierung setzt massiv auf den Ausbau erneuerbarer Energien für die künftige Energieversorgung. In der Kombination von "grünem" Strom und der Elektromobilität liegt ein Schlüssel dazu, die direkten und indirekten Emissionen im Verkehrssektor zu senken.
Die Rahmenbedingungen für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität, den Aufbau der Wertschöpfungskette und neue Geschäftsmodelle sind günstig. Spanien verfügt über eine leistungsstarke Telekommunikations- und eine von ausländischen Investoren sehr gelobte Verkehrsinfrastruktur. Die Bevölkerung ist für Digitalisierung und Innovationen überwiegend aufgeschlossen.
Der Bereich der Schlüsselkomponente Fahrzeugbatterien entwickelt sich dynamisch. Spanische Unternehmen und die Regionalregierung von Katalonien engagieren sich in der europäischen Batterieallianz. Diese besteht aus mehr als 400 Partnern aus allen Teilen der Wertschöpfungskette und wird von der Europäischen Union unterstützt.
Staatliche und EU-Gelder sollen die Transformation beschleunigenIm Februar 2021 kündigte die spanische Regierung ein neues Förderprogramm für Elektrofahrzeuge an. Dieses soll mit zwischen 400 Millionen und 800 Millionen Euro ausgestattet werden. Inhaltlich ist geplant, sowohl den Kauf von Elektrofahrzeugen als auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu unterstützen.
Im November 2020 berichtete die Wirtschaftszeitung Expansión, dass aus den Zuschüssen und Krediten der EU-Hilfspakete 10 Milliarden Euro in den Mobilitätssektor fließen sollen. Laut den vorgestellten Plänen sind 6 Milliarden Euro für eine nachhaltige und vernetzte Mobilität in den Städten Spaniens vorgesehen. Darunter fallen Niedrigemissionszonen, die Infrastruktur für die Elektromobilität und Modelle geteilter Mobilität wie Carsharing.
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