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Bosnien und Herzegowina

EU handelt mit Bosnien und Herzegowina nun weitestgehend zollfrei


Die Etablierung einer von der EU und Bosnien und Herzegowina angestrebten Freihandelszone hat zum Jahresbeginn 2013 qualitativ eine neue Stufe erreicht. Für EU-Lieferungen gewerblicher Erzeugnisse in das Land fallen seit dem 1.1.13 weitestgehend keine Zölle mehr an. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Liberalisierungsschritt dem Warenaustausch den erhofften Schub geben wird. Zuletzt fehlte es dem bosnisch-herzegowinischen Außenhandel an Dynamik. (Kontaktanschriften)

Die EU hatte bereits mit Inkrafttreten des Interimsabkommen über Handel und Handelsfragen mit Bosnien und Herzegowina Mitte 2008 die Einfuhrzölle auf Importe aller gewerblichen Erzeugnisse aus dem Balkanland gestrichen. Für Warenströme in Gegenrichtung galten dagegen Übergangsvorschriften, die innerhalb einer Frist von fünf Jahren den schrittweisen Wegfall so gut wie aller Einfuhrzölle für Industriewaren aus der EU vorsahen.

Abzuführen bei der Einfuhr aus der EU nach Bosnien und Herzegowina sind hingegen nach wie vor die Umsatzsteuer in Höhe von 17% des Warenwerts und gegebenenfalls Verbrauchsteuern. Letztere werden für bestimmte Warengruppen wie beispielsweise Erdölprodukte, Alkoholika, Tabakwaren oder Kaffee erhoben. Zuständig für Zölle und die in Bosnien und Herzegowina geltenden indirekten Steuern (Umsatzsteuer und verschiedene Verbrauchsteuern) ist die Verwaltung für indirekte Besteuerung (Uprava za indirektno oporezivanje Bosne i Hercegovine - UIO) mit Hauptsitz in Banja Luka.

Nachdem die bosnisch-herzegowinische Seite entsprechend den Vereinbarungen mit der EU seit 2008 die Zollbelastung für immer mehr Industriewaren schrittweise auf null herabgesetzt hatte, stand zum Stichtag 1.1.13 die letzte Senkungsrunde an. Einzig bei ausgewählten Warenpositionen wird Bosnien und Herzegowina zum Schutz einheimischer Produzenten für entsprechende Lieferungen aus der EU weiterhin den jeweils geltenden Meistbegünstigungszollsatz anwenden können. Hierzu zählen bestimmte Joghurt- und Milchprodukte, Kekse und anderes Kleingebäck, einige Branntweine sowie Zigaretten.

Diese Ausnahmeregelung gilt dem Interimsabkommen folgend zudem für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse. Betroffen sind einige Positionen der Warengruppen lebende Tiere, Frisch- und Tiefkühlfleisch, Molkereierzeugnisse, Früchte und Gemüse sowie deren Zubereitungen, Frucht- und Gemüsesäfte sowie Mühlenprodukte. Weiterhin zollpflichtig bleiben darüber hinaus etwa zehn Positionen der Gruppe Fischereierzeugnisse.

Weiterhin eine Sonderbehandlung genießen auch bestimmte Lebendtiere und eine Reihe von Positionen aus dem Fleischbereich mit Ursprung in der EU. Die bosnisch-herzegowinische Seite befreit diese vom Einfuhrzoll nur innerhalb bestimmter Kontingente. Für Lieferungen, die über das im Interimsabkommen festgelegte Limit hinausgehen sollten, gilt wiederum der jeweilige Meistbegünstigungszollsatz.

Die Gruppe der gewerblichen Erzeugnisse, für die Lieferanten aus der EU bis zuletzt noch Einfuhrzoll in Bosnien und Herzegowina entrichten mussten, und die seit dem 1.1.13 Zollfreiheit genießt, fällt relativ überschaubar aus. Sie umfasst beispielsweise Kochsalz, Kraftstoffe, Wasch- und Reinigungsmittel, runderneuerte Kfz-Reifen, Leder- und Pelzbekleidung, Damen- und Herrenbekleidung, Papiertapeten, Teppiche und Gebrauchtfahrzeuge.

Die vielfach in der bosnisch-herzegowinischen Öffentlichkeit geäußerte Hoffnung, dass sich die neuerlichen Zollkappungen bei den betroffenen Waren in Preisabschlägen niederschlagen würden, scheint sich ersten Beobachtungen zufolge nur selten zu erfüllen. Als relativ sicher gilt jedoch, dass gebrauchte Pkw, die den Fahrzeugbestand im Land ohnehin traditionell deutlich dominieren, mit dem Wegfall des Einfuhrzolls von zuletzt noch bei 3% in nächster Zeit noch populärer werden dürften. Eingeschränkt wird das jedoch durch das seit Anfang 2011 geltendes Homologationssystem, dem nach Bosnien und Herzegowina einzuführende Kfz entsprechen müssen. In erster Linie muss dabei als Mindeststandard die Abgasnorm Euro 3 erfüllt werden.

Abzuwarten bleibt zudem, wie sich der Wegfall der Zölle auf den Warenaustausch zwischen den Mitgliedsstaaten der EU und Bosnien und Herzegowina auswirken wird. Die vom Statistikamt in Sarajewo (Agencija za statistiku BiH) veröffentlichten Daten zur Entwicklung des Außenhandels für die Jahre seit Inkrafttreten des Interimsabkommens lassen zumindest kaum Schlüsse auf durchschlagende Impulse zu.

Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass die EU für Bosnien und Herzegowina der mit Abstand bedeutendste Handelspartner ist. Mit der für Mitte 2013 geplanten Erweiterung des Binnenmarktes um Kroatien dürfte diese führende Rolle der EU weiter gefestigt werden. Für Bosnien und Herzegowina ist das Nachbarland Kroatien, wohin 2012 13,8% der Gesamtexporte gingen und woher 14,4% der Gesamtimporte stammten, einer der wichtigen Außenhandelspartner.

Der Anteil der EU an den bosnisch-herzegowinischen Einfuhren hat sich zwischen 2008 und 2012 in einer relativ engen Bandbreite von 45 bis 49% bewegt. Im Jahr 2012 hat das Balkanland Waren im Gesamtvolumen von 10 Mrd. US$ importiert, was einem Rückgang von 9,3% gegenüber dem Vorjahr entsprach. Auf Lieferungen aus der EU entfielen dabei 4,70 Mrd. $ - ein Minus von 6,2% gegenüber 2011.

Tendenziell höher ist die Bedeutung der EU für die Exportwirtschaft des Landes. In den Jahren 2008 bis 2012 entfielen zwischen 54 und 58% aller bosnisch-herzegowinischen Ausfuhren auf diese Region. Vorläufigen Angaben des Statistikamtes in Sarajewo zufolge konnte das Land 2012 Waren für insgesamt 5,16 Mrd. $ exportieren. Das waren 11,7% weniger als im Vorjahr. Auf die EU entfielen davon 2,99 Mrd. $, was im Vergleich zu 2011 ein Minus von 8,3% bedeutete.

Einfuhrentwicklung nach wichtigen Ländern (in Mio. $)
Land 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
Insgesamt, darunter aus: 12.183,8 8.773,3 9.220,1 11.040,7 10.019,0 -9,3
.Kroatien 2.079,1 1.316,9 1.394,2 1.583,4 1.446,8 -8,6
.Deutschland 1.431,6 991,3 964,9 1.172,3 1.133,6 -3,3
.Russland 257,4 614,5 805,2 1.162,8 981,3 -15,6
.Serbien 1.291,2 911,1 968,0 1.042,3 940,3 -9,8
.Italien 1.137,4 882,4 819,5 982,6 938,9 -4,4
.VR China 559,9 395,8 443,9 551,0 536,2 -2,7
.Slowenien 718,9 539,1 547,7 589,2 527,7 -10,4
.Österreich 453,5 322,9 331,2 349,7 331,1 -5,3
.Türkei 645,7 260,6 256,6 320,1 295,2 -7,8
.Polen 153,8 176,3 168,1 214,1 273,9 27,9

Quellen: Agencia za statistiku BiH (Statistikagentur für Bosnien und Herzegowina), Uprava za indirektno oporezivanje Bosne i Hercegovine (UIO; Verwaltung für indirekte Besteuerung)

Ausfuhrentwicklung nach wichtigen Ländern (in Mio. $)
Land 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
Insgesamt, darunter nach: 5.021,1 3.929,2 4.804,6 5.847,0 5.161,6 -11,7
.Deutschland 683,4 577,9 735,3 864,7 794,9 -8,1
.Kroatien 865,4 670,8 725,0 856,5 765,3 -10,6
.Italien 630,7 499,0 583,7 685,2 616,9 -10,0
.Serbien 704,7 526,8 605,9 712,5 466,4 -34.5
.Österreich 310,6 231,2 318,7 440,2 430,1 -2,3
.Slowenien 460,0 329,0 414,2 502,6 429,1 -14,6
.Montenegro 0,2 163,0 210,0 213,6 163,7 -23,4
.Türkei 15,4 36,8 55,3 106,7 120,1 12,6
.Niederlande 56,8 44,0 54,8 100,1 82,1 -18,0
.Ungarn 152,5 65,2 85,4 118,0 75,8 -35,8

Quelle: s.o.

Einfuhrentwicklung nach wichtigen Warengruppen (in Mio. $)
SITC Warengruppe 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
33 Erdöl, -erzeugnisse und verwandte Waren 1.391,5 980,3 1.199,6 1.689,4 1.515,8 -10,3
78 Straßenfahrzeuge 880,1 525,3 474,6 626,3 552,1 -11,8
77 Andere elektrische Maschinen, Apparate, Geräte usw. 454,8 310,3 370,6 373,0 328,2 -12,0
74 Maschinen, Apparate usw. für verschiedene Zwecke 478,2 334,1 291,0 329,8 323,0 -2,1
67 Eisen und Stahl 594,0 267,2 329,4 403,2 317,9 -21,2
69 Andere Metallwaren 533,0 316,6 291,8 347,5 317,7 -8,6
54 Medizinische und pharmazeutische Produkte 292,2 299,6 289,2 321,6 316,1 1,7
65 Garne, Gewebe, andere fertiggestellte Spinnstofferzeugnisse 328,7 284,5 299,2 336,8 297,3 -11,7
04 Getreide und -erzeugnisse 332,5 225,2 256,6 313,0 284,5 -9,1
32 Kohle, koks und Briketts 285,2 158,4 310,7 413,8 246,6 -40,4
11 Getränke 244,3 221,9 299,5 221,2 212,4 -4,0

Quellen: s.o.

Ausfuhrentwicklung nach wichtigen Warengruppen (in Mio. $)
SITC Warengruppe 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
82 Möbel und Teile, Bettausstattungen usw. 353,6 353,1 427,9 503,7 492,0 -2,3
68 NE-Metalle 448,3 245,4 370,7 438,1 387,3 -11,6
67 Eisen und Stahl 373,2 168,8 288,7 381,8 382,5 0,2
85 Schuhe 272,7 183,7 274,6 204,5 307,4 50,3
28 Erze und Metallabfälle 270,3 150,1 296,0 398,1 306,0 -23,1
69 Andere Metallwaren 423,6 259,5 272,3 323,6 304,4 -5,9
33 Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren 23,7 103,0 194,9 350,8 275,0 -21,6
24 Kork und Holz 294,9 220,0 230,6 288,9 265,1 -8,2
74 Maschinen, Apparate usw. für verschiedene Zwecke 143,3 110,1 149,9 204,4 164,2 -19,7
52 Anorganische chemische Erzeugnisse 89,2 76,2 108,0 167,2 156,1 -6,6

Quellen: s.o.

Kontaktanschriften:

Uprava za indirektno oporezivanje BiH, Sredisnji ured UIO

Bana Lazarevica bb, 78000 Banja Luka

Tel.: 00387 51/335-100, Fax: -101

E-Mail: info@uino.gov.ba, Internet: http://www.uino.gov.ba

Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina (AHK Bosnien und Herzegowina)

Kranjceviceva 4a, 71000 Sarajewo

Tel: 00387/33 26 04 30, Fax: -33 20 61 81

E-Mail: info@ahk-bih.ba, Internet: http://bosnien.ahk.de

Quelle: www.gtai.de