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Singapur

Fertigbau gewinnt in Singapur an Boden


Staat gibt Ziele vor und steuert mit Richtlinien sowie Anreizen / Deutsche Technologie untermauert den Trend / Von Rainer Jaensch

Auf Singapurs Baustellen muss schneller und arbeitssparender gearbeitet werden. Hierbei hilft der Trend zur Fertigbauweise, den vor allem staatliche Protagonisten wie der öffentliche Wohnungsbauer HDB vorantreiben. Private Bauträger werden folgen müssen und tun es teilweise schon. Diese Entwicklung eröffnet innovativen Technologien aus dem Ausland Marktchancen. Deutsche Anbieter sind mit dabei: von kleinen Baukomponenten bis zu Anlagen für große Betonfertigteile.

Kabeltragsysteme, die einfach zusammengesteckt werden und damit Schrauben und Zeit sparen, präsentierte die Firma Obo Bettermann auf der singapurischen Baufachmesse BEX Asia im September 2017. Damit liegt der deutsche Hersteller voll im Trend. Alles, was Zeit und Arbeit spart, ist auf den Baustellen im Stadtstaat zunehmend gefragt.

Erhöhung der Produktivität und Innovation lauten die Rezepte, die die Regierung der Wirtschaft verschreibt. Und dabei geizt sie auch nicht mit Anreizen, erfuhr Germany Trade & Invest auf dem Messestand des Unternehmens. So subventioniert die staatliche Baubehörde Building and Construction Authority (BCA) die Preisdifferenz zwischen dem Tragsystem von Obo Bettermann und einem günstigeren konventionellen.

Andere Aussteller auf der BEX Asia, die sich als führende Messe für "grünes Bauen" in Südostasien sieht, setzen ebenfalls auf schnelles und umweltverträgliches Bauen. Die in Dänemark entwickelte Bubble Deck-Technologie (Betonböden mit luftgefüllten Kunststoffbällen angereichert) ist nun auch in Singapur zugelassen worden, nachdem im benachbarten Malaysia bereits einige Gebäude damit gebaut worden sind. Diese Bauweise spart nicht nur Beton, sie ist auch leicht und schnell durchzuführen.

Automatisierte Produktion von Fertigbaukomponenten ist neuer Trend

Wenn besonders schnell gebaut werden soll, dann geht es zur Fertigbauweise, die nun automatisiert angetrieben an Boden gewinnt. Ein Nutznießer dieses Trends ist der deutsche Hersteller von Produktionsanlagen für vorgefertigte Betonbaukomponenten, EBAWE. Er hat bereits eine große Produktionsstätte für Fertigbaukomponenten im benachbarten malaysischen Iskandar mit seinen Anlagen bestückt. Diese werden dort benötigt, um das Mega-Bauprojekt der "Forest City" zügig hochziehen zu können.

In Singapur sind die EBAWE-Anlagen nun im "Greyform Building" im Einsatz, das Anfang Oktober 2017 in Betrieb ging. Der sogenannte "Integrated Construction and Prefabrication Hub" (ICPH) ist die zweite Fabrik dieser Art im Stadtstaat. Dort produziert das lokale Bauunternehmen Straits Construction Group mit hohem Automatisierungsgrad vorgefertigte Bauelemente wie Wände, Säulen und Träger aus Beton. Wo früher Bauarbeiter Flüssigbeton in manuell gefertigte Formen gegossen haben, bedienen jetzt Betreiber in einem Kontrollraum digital gesteuerte Maschinen.

Während der Einbau von Fertigbaukomponenten nichts Neues ist, ist die automatisierte Produktion dieser Teile jedoch ein neuer Trend, erläuterte die Straits Construction Group im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Initiator hierfür ist die BCA. Sie stellt das Land für solche automatisierten Fabriken zur Verfügung und schreibt die Projekte aus, die dann von privaten Unternehmen realisiert werden. Zwei Fabriken sind bereits in Produktion, zwei weitere in der konkreten Planung. Insgesamt sollen es zehn werden, so die Vorgabe der BCA. Für viele der vorgefertigten Baukomponenten erfolgt die Herstellung in Singapur aber immer noch auf die konventionelle arbeitsintensive Art.

Quelle: GTAI - Germany Trade & Invest