EU trägt Gros der Kosten für Schutzhülle des AKW Tschernobyl
Die Erholung der ukrainischen Wirtschaft, die nach dem Durchschreiten der tiefen Talsohle seit 2010 zu beobachten ist, hat auch im vergangenen Jahr trotz widriger Rahmenbedingungen angehalten. Trotzdem fällt es der Bauwirtschaft des Landes angesichts eines eher schleppenden Investitionsgeschehens noch schwer, zu einem selbsttragenden Wachstum zurückzukehren.
Obwohl sich gegenüber den Krisenjahren eine graduelle Verbesserung der Haushaltslage abzeichnet, ist der ukrainische Staat nach wie vor nur unzureichend in der Lage, im Infrastrukturbau nennenswerte Impulse aus eigener Kraft zu geben. Insbesondere für die erfolgreiche Verwirklichung von Großprojekten gilt es als nahezu zwingend, dass internationale Entwicklungsbanken und sonstige Geberorganisationen sich finanziell in größerem Umfang beteiligen.
So beläuft sich der finanzielle Beitrag der Ukraine bei einem der größten Infrastrukturprojekte des Landes überhaupt, dem Bau einer neuen Schutzhülle für den 1986 explodierten Meiler des Atomkraftwerks (AKW) Tschernobyl, auf 6%. Das Gros der Gesamtkosten des Vorhabens von voraussichtlich 935 Mio EUR wird von der EU und ihren Finanzierungsorganisationen gestemmt.
Generalauftragnehmer für die Errichtung des Schutzmantels ist das unter französischer Führung stehende Konsortium Novarka, dem neben einer Reihe ukrainischer Bauunternehmen unter anderen auch die in Koblenz ansässige und zur indischen Tata Steel gehörende Kalzip angehören. Die deutsche Firma ist mit der Dachkonstruktion für eines der Herzstücke des neuen Sarkophags verantwortlich. Bei 150 m Breite und 257 m Länge gilt es eine Fläche von nahezu 170.000 qm mit Dachelementen zu versehen, die einerseits jedweden Witterungsbedingungen nach außen und andererseits der Strahlenbelastung nach innen für die nächsten 100 Jahre standhalten sollen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2015 geplant.
Experten sind davon überzeugt, dass auch ein weiteres ukrainisches Großvorhaben im Bereich Kernenergie nur mit finanzieller Unterstützung von außen realisiert werden kann. Dabei handelt es sich um die Projektierung und den Bau einer zentralen Lagerstätte für abgebrannte Kernbrennstäbe aus den aktuell landesweit 15 in Betrieb befindlichen Atommeilern. Die Umsetzung entsprechender Pläne wurde im vergangenen März per Gesetz beschlossen. Die ersten Ausschreibungen, die ursprünglich noch für 2012 geplant waren, lassen aber wohl noch einige Zeit auf sich warten.
Im September gab das ukrainische Parlament außerdem seine Zustimmung zur Projektierung und zu dem Bau zweier neuer Blöcke für das Kernkraftwerk Khmelnitskyi mit einer Leistung von 3.012 MW. Finanzierung und Bauausführung werden dabei im Rahmen einer ukrainisch-russischen Partnerschaft bewerkstelligt.


