Fußball-WM 2014 eröffnet
großes Betätigungsfeld für
Privatwirtschaft
(von Alexander Hirschle - bfai)
Nach Einreichung der Bewerbung für die Ausrichtung der Fußball-WM 2014 steht in Brasilien jetzt die Auswahl der Austragungsorte an. Diese sollen nach Erhalt des endgültigen Zuschlags im November bestimmt werden. Für die Städte dürfte dies erhebliche Investitionen in Stadien und Infrastruktur nach sich ziehen. Ein Großteil der Engagements soll vom Privatsektor übernommen werden. Internationale Firmen sind bereits heute dabei, erste Kontakte zu knüpfen, um so an den Geschäftsmöglichkeiten im Rahmen des Großereignisses partizipieren zu können. In den vergangenen Wochen besuchten Inspektoren des Fußball-Weltverbandes FIFA das größte Land Südamerikas und prüften, ob alle Voraussetzungen pflichtgemäß erfüllt sind. Sollten die Vertreter des Fußballweltverbandes im November 2007 grünes Licht geben und Brasilien als Ausrichter der WM gekürt werden, ergibt sich dadurch ein Riesenpotenzial an Betätigungsmöglichkeiten für internationale Firmen. Zahlreiche Unternehmen, Consultants, Ingenieur- und Architekturbüros sowie Marketingexperten werden sich demnächst in Stellung bringen, um sich die Geschäftschancen im Rahmen der Fußball-WM 2014 nicht entgehen zu lassen. Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang von regelrechten Investitionswellen, die dann in den kommenden Jahren auf Brasilien zurollen dürften. Die internationale Presse vermutet, dass im Nordosten Brasiliens vier Stadien komplett neu aus dem Boden gestampft werden und 14 weitere zum Teil von Grund auf renoviert werden sollen. Problematisch ist dabei, dass sich ein Großteil der Arenen in öffentlicher Hand und gleichzeitig in deutlich renovierungsbedürftigem Zustand befindet. Bereits 2006 hatten FIFA-Chef Sepp Blatter und der Präsident des brasilianischen Fußballverbands CBF (Confederação Brasileira de Futebol), Ricardo Teixeira, unisono erklärt, dass keines der brasilianischen Stadien WM-tauglich sei.
Auch durch die jüngsten Modernisierungsmaßnahmen im größten Stadion des Landes, dem Maracanã in Rio de Janeiro, hat sich an dieser Situation nichts Entscheidendes geändert. Als ein großes Problem kristallisiert sich die Rentabilität des Stadionbetriebs heraus, da nur selten über 5.000 Zuschauer bei den Partien der obersten brasilianischen Spielklasse gezählt werden. Daher hielt sich auch das Interesse potenzieller Stadionbauer und -betreiber in der Vergangenheit stark in Grenzen. Die ersten Spatenstiche an den Sportarenen dürften wohl erst 2010 erfolgen, bis zum Confederations Cup 2013 sollen die Anlagen fertig sein. Teixeira selbst zeigte sich bereits im Vorfeld der Kandidatur davon überzeugt, dass es an Investoren nicht mangeln wird. Im “Land des Fußballs” sei ein ausreichender Rückfluss aus diesen Engagements garantiert. Kritiker zweifeln jedoch an dieser Sichtweise. Denn im Gegensatz zu europäischen Gefilden gibt es in Brasilien nur wenige Möglichkeiten, die Stadien durch anderweitige Events wie zum Beispiel Popkonzerte zu nutzen und damit Zusatzeinnahmen zu generieren. Nur selten verlieren sich internationale Musikgrößen im Amazonasland, als letzte Band von Weltformat gastierte im Februar 2006 die irische Rockformation U2 in Brasilien.
Im Moment sind noch 18 brasilianische Städte als potenzielle Standorte in der Auswahl, die auch alle von den FIFA-Inspektoren begutachtet werden. In den kommenden Monaten soll diese Zahl auf zwölf Schauplätze eingedampft werden. Die FIFA selbst würde sogar lieber noch weniger Städte als Austragungsorte sehen, da eine auf wenige Regionen konzentrierte WM die Effizienz der Veranstaltung erhöhen würde. Gesetzt dürften die beiden größten Metropolen des Landes, São Paulo und Rio de Janeiro, sein. In diesen finden sich auch die Arenen mit den größten Fassungsvermögen, Morumbi und Maracanã. Allerdings sind diese stark renovierungsbedürftig und auch die Parkplatzsituation gilt in beiden Fällen als kritisch. Darüber hinaus werden Belo Horizonte, Porto Alegre, Curitiba und Brasília als heiße Kandidaten für die Austragung von WM-Spielen gehandelt. Neben Florianópolis in Südbrasilien werden auch den Städten Recife und Salvador de Bahia im Nordosten des Landes gute Chancen eingeräumt. In Salvador hat die portugiesische Gruppe Luso-Arenas bereits im März 2007 ein Projekt zum Bau eines WM-tauglichen Stadions für 40.000 Zuschauer unterbreitet. Wie die Wochenzeitschrift “Veja” berichtet, will die Gruppe um die geplante Arena herum einen komplett neuen Stadtteil mit Wohn- und Geschäftsgebäuden aus dem Boden stampfen. Die Kosten für das Stadionprojekt sollen sich auf rund US$ 150 Mio. belaufen, das Geschäftsmodell sieht eine Nutzung durch einen privaten Betreiber über einen Zeitraum von 30 Jahren vor. Selbst CBF-Präsident Teixeira scheint an dem Vorhaben Gefallen gefunden zu haben, zumal es eine wichtige Voraussetzung erfüllt: Die Beteiligung des Privatsektors, ohne den ein solcher Kraftakt wie eine WM nicht zu bewältigen ist. Für Teixeira sollen die Investitionen in Sportstätten zu 100% aus privaten Taschen finanziert werden, die öffentliche Hand soll ausschließlich für das Funktionieren der Infrastruktur wie Straßen und Flughäfen verantwortlich sein. Der Infrastruktur-Fachverband Abdib (Associação Brasileira de Infra- Estrutura e das Indústrias de Base) hat schon seine Bereitschaft erklärt, bei der Mobilisierung der Privatfirmen mitzuwirken. In der brasilianischen Presse kursieren Gerüchte, dass Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz bereits ihre Fühler nach den Geschäftschancen im Zuge der WM ausgestreckt haben und hohe Beträge in Stadien und Hotelkapazitäten investieren wollen. Die Informationen wurden bisher aber nicht bestätigt. Auch die verfasste Wirtschaft hat sich zum Ziel gesetzt, deutschen Unternehmen den Weg nach Brasilien zu ebnen. Dabei sollen Lösungen und Know-How “Made in Germany” von dem Erfahrungsschatz profitieren, den sie im Rahmen der WM 2006 erworben haben und im Moment in Südafrika - dem nächsten Austragungsort im Jahr 2010 - weiterentwickeln. Bereits im Juli 2006 wurde während der deutschbrasilianischen Wirtschaftstage in Berlin eine enge Zusammenarbeit im Rahmen der bilateralen Energieund Infrastrukturinitiative unterzeichnet. Deutsche Unternehmen sollen somit künftig verstärkt zum Aus- und Aufbau der brasilianischen Infrastruktur und Logistik beitragen, die für eine Austragung der WM unabdingbar ist. Als Testlauf für die Realisierung eines internationalen Sportgroßereignisses können die Panamerikanischen Spiele herangezogen werden, die im Juli 2007 in Rio de Janeiro stattfanden. Beobachter stuften diese letztlich als gelungen ein. Die Regierung in Brasília sieht einen klaren Imagegewinn durch die Austragung der Spiele für Rio de Janeiro und für das ganze Land. Die Gesamtinvestitionen für die Veranstaltung lagen verschiedenen Angaben zufolge zwischen Reais 3,5 Mrd. und 5 Mrd.
Kontaktanschrift:
Bundesverband der Deutschen Industrie
(BDI, zuständig für bilaterale
Infrastrukturinitiative)
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Tel.: 030/20 28-15 59
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