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Griechenland

Griechische Talfahrt hält an


Arbeitsmarkt ist eingebrochen / Deutschland bleibt wichtigster Handelspartner

Immer noch kein Lichtblick für die griechische Wirtschaft: Nachlassender Konsum, Arbeitslosigkeit, Armut, Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme prägen das aktuelle Bild.

Seit 2008 hat die Wirtschaftskraft des Landes um 20% eingebüßt. Die Exporte haben ihren Schwung verloren. Deutschland bleibt weiterhin wichtigster Handelspartner; Pharmazeutika sind im bilateralen Handel die wichtigste Warenuntergruppe.

Die Rezession lähmt das krisengeschüttelte Land. Dies belegen die aktuellen Zahlen des Jahresberichts der griechischen Zentralbank. Die Wirtschaftsleistung brach im Jahr 2012 um weitere 6,4% ein, so die aktuellen Meldungen der staatlichen Statistikbehörde Elstat. Auch 2013 soll die Wirtschaft um 4,5% schrumpfen. Optimistischere Prognosen erwartet der griechische Finanzminister Yannis Stournaras erst für 2014. Seit Beginn der Krise ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kumulativ um 20,1% zurückgegangen. Etwa 34% der Hellenen sind armutsgefährdet, 23% der Bevölkerung lebte 2011 unter der Armutsgrenze.

Wirtschaftliche Entwicklung 2011 bis 2013 (reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
  2011 2012 2013 1)
BIP -7,1 -6,4 -4,5
Einfuhr (inkl. Schiffe und Brennstoffe) -7,3 0,3 -6,0
Bruttoanlageinvestitionen -19,6 -20,6 2) -3,3
Privater Verbrauch -7,1 -8,9 -4,2

1) 2013: Schätzungen; 2) Januar bis September 2012

Quellen: Statistical Annex of European Economy, EU-Kommission, Jahresbericht der griechischen Zentralbank 2012

Massive Einschnitte haben die Wirtschaft in eine Sackgasse geführt: Die Griechen mussten Gehalts- und Rentenkürzungen hinnehmen sowie Steuererhöhungen und die Einführungen neuer Steuern über sich ergehen lassen. Die anhaltende Liquiditäts- und Kreditklemme hat die Situation zusätzlich verschärft. Der private Verbrauch ist 2012 um 8,9% zurückgegangen, die öffentlichen Ausgaben sind um 4,0% gesunken, schätzt die griechische Zentralbank. Die Bruttoanlageninvestitionen sind im Zeitraum von Januar bis September 2012 sogar um 20,6% eingebrochen. Dringend gefragt sind deshalb Maßnahmen zur Wachstumsförderung, betont die griechische Zentralbank.

Einen ersten Erfolg des strikten Sparkurses gibt es: Die öffentliche Verschuldung ist von 170,6% des BIP im Jahr 2011 auf 161% zurückgegangen, so die Schätzungen der griechischen Zentralbank. Zu dieser Entwicklung haben der Schuldenschnitt (PSI) und das Programm zum Schuldenrückkauf im Dezember 2012 beigetragen. Für 2020 wird die öffentliche Verschuldung auf 124% geschätzt.

Der Sparkurs hat jedoch negative Auswirkungen auf den griechischen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ist im vergangenen Jahr in schwindelerregende Höhen geklettert und erreichte im November 2012 etwa 27%. Im Jahr 2008 hatte sie noch 7,6% betragen. Die Jugendarbeitslosigkeit (Erwerbsfähige unter 25 Jahren) übertrifft sogar 50%. Auch 2013 soll sich der Trend fortsetzen. Die Beschäftigung schrumpfte kumulativ in den Jahren 2009 bis 2012 um 17,5%, bei Angestellten sogar um 19%.

Die meisten Arbeitsplätze gingen im Handel (87.300) und in der verarbeitenden Industrie (61.600) verloren. Weniger betroffen waren dagegen die Bauwirtschaft und die öffentliche Verwaltung. Die Schwarzarbeit hat zugenommen.

Die stark gesunkenen Lohnstückkosten (-8% im Jahr 2012) sollten gemeinsam mit den zu erwartenden fallenden Preisen die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft steigern. Allerdings bleibt das Preisniveau weiterhin hoch. Die durchschnittliche Inflationsrate (nationaler Verbraucherpreisindex) lag im Jahr 2012 bei 1,5%.

Trotzdem hat die griechische Wirtschaft in den Jahren 2010 bis 2012 gegenüber den Euroländern an Wettbewerbsfähigkeit hinzugewonnen. Der Rückstand wurde um 70% verringert. Bis Ende 2013 soll der gesamte Wettbewerbsfähigkeitsverlust aufgeholt werden.

Die negative Entwicklung am Arbeitsmarkt hat sich auf die griechische Konjunktur ausgewirkt. Das Einzelhandelsvolumen ging in den ersten elf Monaten des Jahres 2012 um 2,6% zurück. Die Automobilhändler haben 2012 über 40% weniger Neuwagen verkauft. Private Bauarbeiten ließen um rund 30% nach. Die öffentliche Bautätigkeit wird sich wohl erst ab dem 2. Quartal 2013 wieder beleben. Dann nämlich sollen die Autobahnen weitergebaut werden. Darüber hinaus will der griechische Staat seine Flughäfen und Seehäfen modernisieren sowie neue Abfallverwertungsanlagen errichten.

Auch der Immobilienmarkt zeigte 2012 keine Erholung. Immer höhere Steuerbelastungen und Abgaben bei Immobilienübertragungen senken die Nachfrage nach Häusern und Grundstücken. Die Immobilienpreise sind 2012 gegenüber dem Vorjahr um 11% gefallen. Im Jahr 2011 waren sie um 5,5% gesunken.

Außenhandel

Eine erfreulichere Entwicklung zeigte der Außenhandel im vergangenen Jahr: Die Warenexporte - ohne Schiffe und Brennstoffe - legten 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8% zu. Werden Brennstoffe und Schiffe mitberücksichtigt, stiegen sie sogar um 8,8%. Die Zuwachsrate der Exporte ließ aufgrund der geringeren internationalen Nachfrage sowie Finanzierungsprobleme griechischer Exporteure im Vergleich zum Vorjahr (etwa 18%) etwas nach.

Die Lieferungen an traditionelle Handelspartner wie Deutschland, Italien, Frankreich, Bulgarien, Rumänien gingen zurück. Doch konnten sie durch höhere Exporte in neu erschlossene Märkte (USA, Russland, Türkei, Länder des Nahen Ostens, Japan, China, Nordafrika, Indien) mehr als kompensiert werden.

Außenhandel Griechenland (in Mio. Euro; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
  2012 2011 Veränderung 2012 / 2011 in %
Importe (inklusive Schiffe und Brennstoffe) 47.600,4 47.459,6 0,3
Exporte (inklusive Schiffe und Brennstoffe) 22.017,6 20.230,6 8,8
Handelsbilanzsaldo -19.582,7 -27.229,1 -28,1

Quelle: griechische Zentralbank

Die um 14,9% gesunkenen Importe haben sich 2012 ebenfalls positiv auf die Außenhandelsbilanz ausgewirkt. Dabei hatte das niedrigere verfügbare Einkommen der griechischen Bevölkerung eine bremsende Wirkung auf die Einfuhren. Unter Berücksichtigung von Schiffs- und Brennstoffimporten sind die Lieferungen aus dem Ausland moderat um 0,3% gestiegen.

Außenhandel Griechenland (in Mio. Euro; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
  2012 2011 Veränderung 2012/2011 in %
Warenimporte (ohne Schiffe und Brennstoffe) 22.173,7 26.079 -14,9
Warenexporte (ohne Schiffe und Brennstoffe) 13.853,5 13.347,8 3,8
Handelsbilanzsaldo -8.320,1 -12.731,2 -34,6

Quelle: griechische Zentralbank

Deutschland war laut Elstat auch 2012 wieder der wichtigste Handelspartner Griechenlands, wenn Brennstoffe unberücksichtigt bleiben. An zweiter Stelle kommt Italien, gefolgt von den Niederlanden.

Das deutsch-griechische Handelsvolumen ist 2012 allerdings um 7,5% gegenüber dem Vorjahr gesunken und lag bei 6,5 Mrd. Euro, so die Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis. Die Ausfuhren Griechenlands verzeichneten ein Minus von 6%; die deutschen Exporte in das mediterrane Land gingen um 7,8% zurück.

Griechenlands wichtigste Handelspartner, Importe 2012 (ohne Brennstoffe)
Land Summe in Mrd. Euro
Deutschland 4,4
Italien 3,5
China 2,3
Niederlande 2,1
Frankreich 1,9
Süd Korea 1,9
Belgien 1,2
Spanien 1,2
Bulgarien 1,1
Vereinigtes Königreich 1,1

Quelle: griechisches Statistikamt EL.STAT

Griechenlands wichtigste Handelspartner, Exporte, 2012 (ohne Brennstoffe)
Land Summe in Mrd. Euro
Italien 1,9
Deutschland 1,7
Bulgarien 1,1
Zypern 1,0
Vereinigtes Königreich 0,8
Türkei 0,8
USA 0,7
Frankreich 0,6
Rumänien 0,6
Russland 0,5

Quelle: griechisches Statistikamt EL.STAT

Enderzeugnisse und Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs prägten im vergangenen Jahr die Güterstruktur der Lieferungen nach Deutschland. Die beiden Warengruppen waren für 39,8% beziehungsweise für 19,8% der gesamten Ausfuhren verantwortlich.

Die absatzstärksten Warenuntergruppen griechischer Exporte waren pharmazeutische Erzeugnisse, Halbzeuge aus Aluminium und Geräte zur Elektrizitätserzeugung. Diese hatten jeweils einen Anteil von 13,8%, 5,9% und 5,6% an den gesamten griechischen Ausfuhren nach Deutschland.

Bei den deutschen Warenlieferungen dominierten Enderzeugnisse mit 66,2% und Vorerzeugnisse mit 10,2% am gesamten Export nach Griechenland, so Destatis. Die wichtigsten Warenuntergruppen (EGW 2002) waren pharmazeutische Erzeugnisse und Geräte zur Elektrizitätserzeugung, die 15,4% beziehungsweise 4,7% der Gesamtausfuhren ausmachten. Der Anteil von Personenkraftwagen und Wohnmobilen schrumpfte von 12% im Jahr 2008 auf nur 2,6% im Jahr 2012.

Quelle: www.gtai.de