direkte Bereichesauswahl

Republik Korea (Südkorea)

Gute Aussichten auf dem koreanischen Kfz-Markt


Deutsche Hersteller dominieren bei Pkw-Importen / "Seoul Motor Show" setzte Schwerpunkt auf "grüne" Autos 

Die "Seoul Motor Show" ist die zentrale Ausstellung der koreanischen Kfz-Industrie. 2011 fand sie unter dem Motto "Evolution, die grüne Revolution auf Rädern" statt. Dementsprechend standen umweltfreundlichere Fahrzeuge im Vordergrund. Doch auch große Autos verkaufen sich in Korea (Rep.) nach wie vor gut, und deutsche Anbieter freuen sich über gestiegene Marktanteile. Allerdings muss mit Renault Samsung der erste koreanische Hersteller wegen Problemen mit Zulieferungen aus Japan seine Produktion drosseln.

Die "Seoul Motor Show" ist die zentrale Messe der koreanischen Automobilindustrie. In ihrer jüngsten Auflage vom 1.4. bis 10.4.11 stellten insgesamt 35 Automobilhersteller aus, eine Verdopplung gegenüber 2009. Hingegen waren weniger Zulieferer mit einem Stand vertreten. Als deutsche Firmen waren Audi, Mercedes-Benz, Volkswagen, BMW, Mini sowie Porsche angemeldet. Hinzu kamen über ihre lokalen Niederlassungen oder Firmen, an denen sie beteiligt sind, Zulieferer wie Behr Korea und Daeki Brose.

Die diesjährige Publikumsmesse stand im Zeichen umweltfreundlicher Autos. Marktführer Hyundai Motor beispielsweise präsentierte eine Hybridversion seines Modells Sonata. Diese soll noch im 1. Halbjahr 2011 sowohl in Korea (Rep.) als auch in den USA auf den Markt kommen. Kia will ab April 2011 eine Hybridversion des "K5" im Inland verkaufen. Hyundai zeigte erstmals eine Studie des Brennstoffzellenfahrzeugs "Blue2". Kia und Renault Samsung stellten Konzepte der Elektroautos "Naimo" und "Twizy" vor.

Bisher befinden sich die Verkaufszahlen von Hybridautos in Korea (Rep.) jedoch auf niedrigem Niveau. Laut dem Ministry of Knowledge Economy (MKE) wurden 2010 insgesamt 8.214 Hybrid-Pkw verkauft, nur 0,6% aller verkauften Pkw. Die Gas-Hybridfahrzeuge von Hyundai (Avante, 4.133 Einheiten) und Kia (Forte, 2.053) sowie der Benzin-Hybrid Toyota Prius (1.315) waren die beliebtesten Modelle.

Bei Nutzfahrzeugen lieferte Daewoo Bus 2011 die ersten vier Hybrid-Busse an Großstädte, vier weitere sollen im Laufe des Jahres folgen. Hyundai testet derzeit einen Diesel-Hybrid-Lkw, der zwischen 2013 und 2015 in die Fertigung gehen soll, sowie einen Brennstoffzellenbus. Daneben befinden sich auch Elektrobusse des Konzerns im Testbetrieb; ab 2012 soll die reguläre Produktion beginnen. Die Stadt Seoul hat im Dezember 2010 die ersten fünf von Hankuk Fiber gebauten Elektrobusse auf einer festgelegten Strecke zum Seoul Tower in Betrieb genommen.

Daewoo Bus testet mit dem Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) einen Elektrobus, dessen Batterien über in die Fahrbahn integrierte Magnetfelder aufgeladen werden. Nach Angaben von Daewoo ist dadurch eine Gewichtsreduzierung der Batterie um vier Fünftel möglich. Ähnliche Fahrzeuge auf Grundlage der vom KAIST entwickelten und von Hyundai Heavy Industries gebauten Technik werden als Zubringer zum Seouler Zoo eingesetzt.

Nicht auf der Messe vertreten war 2011 der schon länger in diesem Segment tätige Elektroautohersteller CT&T. Dafür zeigte AD Motors sein Elektroauto "Change" (Reichweite von 78 km). Zudem stellte das Unternehmen das Modell E6 des chinesischen Produzenten BYD vor, das eine Reichweite von 300 km hat und zunächst in Jeju getestet werden soll. AD Motors verfügt über ein Werk in Hwaseong (Provinz Gyeonggi) und plant, ein weiteres in Yeonggwang (Provinz South Jeolla) zu bauen. Im Gegenzug will Yeonggwang bis 2014 insgesamt 2.000 Elektroautos von AD Motors beziehen.

GMD Wintech präsentierte ein Modell des Elektroautos "Iplug", das ab Ende 2011 in einem Werk in Gwangju (Provinz South Jeolla) produziert werden soll. Die Batterie dafür liefert LG Chem. Power Plaza stellte Elektroautos mit einer Karosserie aus Karbonfasern vor. Die Elektrotechnik-Firma will sich in Zukunft als Zulieferer für Elektroautos etablieren. Die Batteriezellen kauft das Unternehmen von Drittanbietern wie Kokam ein.

Der größte koreanische Kfz-Zulieferer Hyundai Mobis beabsichtigt, 2011 insgesamt 1,15 Bill. Won (rund 750 Mio. Euro; 1 Euro = 1.532 Won - Jahresdurchschnitt 2010) in die Elektromobilität zu investieren. Davon sollen 360 Mrd. Won für die Forschung und Entwicklung aufgewendet werden. Schwerpunkte sind dabei Bremsen, Airbags und umweltfreundliche Produkte. Hierzu zählen Systeme für Hybridautos, das Packaging für Lithium-Ionen-Batterien, intelligente Batteriesensoren sowie motorgetriebene Servolenkungen. Im Ausland folgt das Unternehmen Hyundai Motor und baut Modulfabriken in Brasilien und in der VR China auf.

Der neue Mehrheitseigner von Ssangyong, die indische Unternehmensgruppe Mahindra&Mahindra, will SUV von Ssangyong nach Indien exportieren. Laut Mahindra plant Ssangyong, 2011 die Investitionen in die Produktentwicklung auf 200 Mrd. Won zu erhöhen; ein Anstieg von 70% gegenüber dem Vorjahr.

Doch es sind bei Weitem nicht nur Hybrid-, Elektro- und Kleinwagen, die in Korea (Rep.) gefragt sind. Im Gegenteil: Tendenziell ist für Südkoreaner das Auto auch ein Ausdruck der Stellung in der Gesellschaft und fällt damit eher größer aus. Das kommt deutschen Anbietern zugute. Branchenkenner beobachten, dass der soziale Druck auf Kunden, aus Rücksicht auf die Gesellschaft und zur Stärkung der heimischen Wirtschaft inländische Marken kaufen zu müssen, abgenommen hat.

Deutsche Marken stehen in Korea (Rep.) für mehr als 50% der gesamten eingeführten Stückzahlen. BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Audi führen dabei die Liste der Importeure an. Die meistverkauften Importwagen waren 2010 der "E300" von Mercedes-Benz und der BMW "528". Für Porsche ist Südkorea der am schnellsten wachsende Markt in Asien und für BMW der viertgrößte Markt weltweit für die 7er-Serie.

Für 2011 rechnen die deutschen Anbieter mit einem weiteren kräftigen Anstieg der Absatzzahlen. Bereits in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres konnten Hersteller aus Deutschland enorme Zuwächse verzeichnen. Die geplante Anwendung des Freihandelsabkommens zwischen Korea (Rep.) und der EU ab Juli 2011 dürfte dem bilateralen Handel mit Fahrzeugen und mit Kfz-Teilen weiteren Auftrieb geben.

Trotz der guten Stimmung auf der Seoul Motor Show, ist die Branche nicht völlig frei von Problemen. Mit Renault Samsung will der erste koreanische Hersteller wegen Schwierigkeiten bei Zulieferungen aus Japan die Produktion in Korea (Rep.) im April 2011 um etwa 20% drosseln.

Die ab 2012 geplanten Kohlendioxidemissionsvorschriften in Südkorea sind für die deutschen Automobilproduzenten eine Herausforderung. Darüber hinaus wünschen sich die Konzerne frühzeitig Informationen über künftige geplante Regulierungen, um mit ihrer Modellpalette rechtzeitig auf das Umfeld reagieren zu können.

Quelle: gtai