BONN(Dow Jones)--Während viele Unternehmen des deutschsprachigen RaumsWachstumspotenziale meist eher in Asien sehen, setzen die HiddenChampions verstärkt auf Osteuropa und Russland. Sie betrachten dieseLänder und Regionen als erweiterten Heimatmarkt, was durch dieEU-Osterweiterung noch forciert wurde, sagt Hermann Simon,Geschäftsführer der Unternehmensberatung Simon - Kucher und Partners,Bonn.
Zwarhaben diese Länder deutlich höhere Lohnkosten als China oder Indien,kürzere Distanzen machen diesen Nachteil jedoch mehr als wett. "Hinzukommt die kulturelle Nähe zwischen den Ländern Osteuropas undDeutschland", fügt Simon hinzu. Seiner Einschätzung nach gibt eszurzeit mehr als 1.200 deutsche mittelständische Weltmarktführer - diesogenannten Hidden Champions. Sie hätten seit 1995 rund eine Millionneue Arbeitsplätze geschaffen, während die DAX-30-Unternehmen inDeutschland weiter Stellen abbauen.
Nochstärker als in China sollte man nach Simons Einschätzung in Osteuropazwischen der Rolle als Produktionsstandort und als Absatzmarktunterscheiden. Sehr viele Hidden Champions seien in den neuenEU-Ländern mit Produktionsbetrieben präsent. Typisch sei hierbei eineArbeitsteilung zwischen Stammhaus und Tochtergesellschaft.Kernkompetenzen und die Produktion kritischer Teile verbleiben imStammhaus. Kostenempfindliche und einfachere Teile werden in denosteuropäischen Betrieben gefertigt. Kurze Distanzen und niedrigeLogistikkosten machen diese Form der Arbeitsteilung lukrativ und tragenin vielen Fällen entscheidend zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeitbei. Das gelte vor allem im Vergleich zu europäischen Konkurrenten ausFrankreich, Italien oder England, die weiter von Osteuropa entferntliegen und deshalb die Kostenvorteile nicht im gleichen Maße nutzenkönnen.
Bezüglichder Absatzmärkte sei die Präsenz der Hidden Champions in Osteuropa fastschon eine Selbstverständlichkeit. Osteuropa gehöre zum erweitertenHeimatmarkt, und insofern lasse man sich dieses Absatzpotenzial nichtentgehen. Ein Hidden Champion, der sogar den Schwerpunkt seinerTätigkeit in Osteuropa sieht, sei Schloss Wachenheim, derWeltmarktführer bei Sekt und Schaumwein. Mittlerweile werden dort einDrittel des Konzernumsatzes von 340 Mio EUR und mehr als die Hälfte desKonzernüberschusses erzielt. 2005 wurde die Tochtergesellschaft Ambraan der Warschauer Börse eingeführt. Eine Ursache für die Verlagerungdes Geschäftes nach Ostereuropa liege darin, dass Wachenheim demruinösen Preiswettbewerb im deutschen Markt ausweichen will.
DieFirma Knauf, Weltmarktführer bei Gips, habe in den vergangenen Jahrenein sehr starkes Wachstum erlebt. Eine wesentliche Ursache liege in derfrühen Erschließung osteuropäischer Märkte. Der Hersteller vonGips-Produkten sei in den ehemaligen GUS-Staaten mit 18Auslandsgesellschaften vertreten. In diesen Ländern sei Knauf nachSiemens der zweitgrößte deutsche Investor.
Westeuropa,insbesondere der deutschsprachige Raum, und Osteuropa wachsen rapide zueiner Wirtschaftszone zusammen. Die EU liefere hierfür den politischstabilen Rahmen. Damit bleibe diese Wirtschaftszone für die HiddenChampions des deutschsprachigen Raumes langfristig interessant. Zu denPerspektiven eines möglichen Russland-Geschäftes befragt, sagte Simon,dass "die Chancen eindeutig die bestehenden Risiken überwiegen".
DeutscheProdukte genießen zwischen Moskau und Wladiwostok einen sehr guten Ruf,die Kaufkraft der Bevölkerung wachse kontinuierlich, mögliche Risikenwie Korruption oder Kriminalität ließen sich laut Simon zwar nie ganzausschalten, aber durch gute Vorbereitung des geplantenRussland-Engagements minimieren. Die im Moment auftretenden Problemewie Zollbarrieren oder Behördenwillkür seien vorübergehend und für einTransformationsland normal.
Quelle: DowJones/NfA/5.10.2007/Frank Rösch


