Staat, Unternehmen und Bürger erhöhen Investitionen / Importe dominieren den Markt
Malaysias Firmen und Bürger verbessern den Schutz gegen Diebstahl und andere Bedrohungen ihrer Sicherheit. Sie bezeichnen Kriminalität als eine "ernsthafte" Gefahr und wollen Schäden an Betriebsanlagen, Immobilien und Autos verhindern. Obwohl Wachdienste den größten Teil der Objektschutzaufgaben übernehmen, finden Alarmanlagen, Überwachungstechnik und Zugangskontrollsysteme eine rege Nachfrage. Moderne Sicherheitstechnik wird überwiegend importiert.
Der US-amerikanische Commercial Service schätzt das Marktvolumen für Sicherheitstechnik in Malaysia einschließlich Ausrüstungen für die Feuerwehr und für Verkehrskontrollen 2009 auf umgerechnet rund 230 Mio. US$ und erwartet auf mittlere Sicht ein Umsatzwachstum von rund 8% pro Jahr. Bedeutende Abnehmer von Sicherheitstechnik einschließlich Brandmeldern sind Immobilien- und Baugesellschaften.
Die Immobilienanalysten der Firma Knight Frank stellen fest, dass Bauträger Ende 2010 aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs stornierte Projekte erneut aufgenommen haben. Luxuswohnungen, Einkaufszentren und Bürogebäude befinden sich wieder in der Planung. Insbesondere in den Ballungszentren Kuala Lumpur, Penang und Johor werden zahlreiche Immobilienobjekte entstehen, die gegen den Zutritt Unbefugter zu sichern sind.
In den meisten Fällen ergänzt Sicherheitstechnik die Arbeit von Wachdiensten. Falls ein seit längerem diskutierter Mindestlohn im Wachschutzgewerbe künftig die Personalkosten verteuert, dürfte sich eine weniger arbeitsintensive, technisch aufwendigere Bewachung durchsetzen. Denn der Bedarf im Bereich des Objektschutzes nimmt stark zu und Sicherheitsdienste verzeichnen eine lebhafte Nachfrage. Allerdings erhalten nicht sämtliche der rund 100.000 Wachleute angemessene Sicherheitsausstattungen wie Funkgeräte.
Die Regierung stufte Anfang 2010 in einem Strategiepapier die Bekämpfung der Kriminalität als prioritäre Aufgabe ein. Sie will die Polizeipräsenz und Überwachung öffentlicher Plätze erweitern. Die 107.000 Polizisten und circa 3.000 Polizeifahrzeuge erhalten in der Regel moderne Ausrüstungen. Für Investitionen in die innere Sicherheit setzt das Finanzministerium 2011 rund 867 Mio. Ringgit (RM; circa 210 Mio. Euro; 1 RM = 0,24 Euro) an. Im Jahr 2010 waren es 1,2 Mrd. RM. Die Haushaltsmittel fließen in Beschaffungen von Sicherheitsausrüstungen, Überwachungstechnik sowie Training.
Das Marktvolumen im Bereich der Videoüberwachungssysteme schätzen die Marktforscher von Frost and Sullivan 2010 auf etwa 100 Mio. $ mit einem mittelfristigen Wachstumspotenzial von jährlich knapp 30%. Die meisten Videosysteme seien noch mit analoger Technik ausgestattet. Mit dem Ausbau des breitbandigen Internet werden nach Ansicht von Frost and Sullivan digitale, Internet basierte Systeme stärkere Verbreitung finden.
Unter anderem erweitern staatliche Stellen ihre Videoüberwachungsnetze. Die Regierung installiert bis März 2011 in Westmalaysia 496 sogenannte "Closed Circuit Television (CCTV)" Kamerasysteme an öffentlichen Plätzen und Verkehrsknotenpunkten. Anschließend werden weitere 456 CCTV in den ostmalaysischen Bundestaaten Sabah und Sarawak aufgestellt. Außerdem sieht eine neue Richtlinie vor, dass Wirtschaftsgebäude mit Parkplätzen CCTV installieren sollen. Als Kunden kommen Industrieunternehmen und Immobiliengesellschaften in Frage, die ihre Anlagen und deren Umfeld genauer überwachen müssen.
Kunden, die besonders auf Beschaffungspreise achten, kaufen einfachere Videoanlagen, die aus Korea (Rep.), Taiwan oder China stammen, heißt es. Im oberen und mittleren Segment dominieren US-amerikanische, europäische sowie japanische Anbieter, die vor Ort Verkaufs- und Servicegesellschaften gegründet haben. Darunter gelten Bosch Security Systems, Sony und Panasonic als Marktführer.
Wachstumschancen bieten ebenfalls die Märkte für Zugangskontrollsysteme und Sicherheitsanlagen an Flughäfen. Frost and Sullivan prognostizieren bis 2015 einen Anstieg der Umsätze mit Überwachungs-, Durchleuchtungsgeräten und Zugangskontrollsystemen auf rund 180 Mio. $. Denn das Passagieraufkommen der Flughäfen werde sich von 47 Mio. in 2008 auf 62 Mio. im Jahr 2015 erhöhen.
Beispielsweise ersetzt die Gesellschaft Malaysia Airports ihren Terminal für Billigfluglinien durch einen größeren. Der neue Bau soll über eine Kapazität für 30 Mio. Fluggäste verfügen und 2012 seine Tore öffnen. Malaysia Airports will außerdem seinen Frachtterminal am Internationalen Flughafen Kuala Lumpur ausbauen und neue Geräte zur Durchleuchtung der Fracht beschaffen. Modernisiert und erweitert wird ab 2011 ebenfalls der Airport in Penang.
Marktbeobachter berichten, dass die Flughäfen außerdem neue Geräte zur Sprengstofferkennung anschaffen wollen und dass etwa die Hälfte ihrer Röntgengeräte über zehn Jahre alt seien. Sie müssten in naher Zukunft ausgetauscht werden. Das Ersatzgeschäft bietet somit gute Perspektiven. Die Sicherheitssysteme der Airports stammen überwiegend aus den USA, Deutschland, Japan und Großbritannien.
In die insgesamt 19,8 Mio. zugelassenen Kfz werden immer häufiger Diebstahlsicherungen eingebaut. Während gestohlene Luxusautos meist außer Landes gebracht werden, schlachten Diebe die Massenmodelle für das lokale Ersatzteilegeschäft aus. Autobesitzer investieren daher in zusätzliche Alarmanlagen und Lenkradschlösser. Mehrere Versicherungen subventionieren oder verlangen sogar den Einbau von GPS-Ortungssystemen in Wagen der Oberklasse. Grund ist die Zunahme der Autodiebstähle auf 8.673 Pkw im Jahr 2009 gegenüber 3.734 Fällen im Jahr 1999. Die Versicherer, darunter Marktführer Allianz, mussten 2009 über 400 Mio. RM an Geschädigte auszahlen, deren entwendete Autos nicht aufgegriffen werden konnten.
Öffentliche Stellen bevorzugen bei Beschaffungen von Sicherheitstechnik in der Regel Waren "Made in Malaysia". Die lokalen Betriebe produzieren Sicherheitsglas, Safes, Tresortüren, feuerresistente Schränke, Schlösser, Beschläge und elektrische Sicherheitstechnik. Auch ausländische Unternehmen fertigen wegen der günstigen Kostenstrukturen vor Ort. Die schwedische Firma Gunnebo montiert beispielsweise in einem Joint Venture mit dem Mischkonzern Sime Darby Safes der Marke "Chubb".
Etwa 70% der Nachfrage in Höhe von ungefähr 160 Mio. $ wurde 2009 nach Berechnung des US-amerikanischen Commercial Service durch eingeführte Produkte bedient. Darunter lieferten die USA Sicherheitstechnik im Wert von 31 Mio. $. Die Bezüge aus Deutschland sind in den meisten Marktsegmenten ausbaufähig.
Markteinsteigern bietet die zweijährlich veranstaltete Fachmesse "Security and Safety Exhibition", einen ersten Einblick in die Sicherheitstechnikbranche. Sie wird im Juni 2012 erneut zusammen mit der "Fire Protection and Rescue Expo" im Kuala Lumpur Convention Centre stattfinden. Der Veranstalter AMB Exhibitions ( www.ambexpo.com) wird über den genauen Messetermin und die Konditionen für Aussteller informieren. (T.H.)


