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Spanien

Inlandsnachfrage nach Pkw soll 2021 zunehmen


Die Pkw-Verkäufe in Spanien sollen 2021 etwa die Hälfte des Einbruchs aus dem Vorjahr aufholen. Branchenexperten rechnen mit 17 bis 20 Prozent Zuwachs.

18.01.2021

Von Oliver Idem | Madrid

Auf den Absturz und teilweisen Stillstand des Jahres 2020 dürften bessere Zeiten folgen. Die Wirtschaftszeitung Expansión berichtete im Januar 2021, dass die Pkw-Neuzulassungen im laufenden Jahr um bis zu 17 Prozent steigen sollen. Dieser Zahl liegen Schätzungen von Herstellern und Fahrzeughändlern zugrunde. Im Dezember 2020 war Expansión in einer inoffiziellen Schätzung noch von Plus 20 Prozent ausgegangen.

Im Vorjahr zählte der Branchenverband ANFAC knapp 851.200 neu zugelassene Pkw und damit 32 Prozent weniger als noch 2019. Damit brachte das Pandemiejahr 2020 die schlechtesten Verkaufszahlen seit sechs Jahren. Diese unterschieden sich jedoch stark nach Abnehmergruppen.

Die Pkw-Nachfrage wurde 2020 wesentlich von Autovermietern nach unten gezogen, die 60 Prozent weniger Fahrzeuge neu zuließen. Verglichen damit fielen die Rückgänge um 24 Prozent bei Unternehmenskunden und 27 Prozent bei privaten Kunden wesentlich moderater aus.

Halbleitermangel gefährdet auch die Produktion in spanischen Pkw-Fabriken

Auf der Angebotsseite war im Januar 2021 der knappe Halbleiternachschub auch in Spanien ein Thema. Der schnelle Hochlauf der globalen Fahrzeugproduktion und der enorme Halbleiterbedarf moderner Kfz führen zu einem Mangel an elektronischen Bauteilen, der noch einige Monate anhalten soll. Seat vereinbarte darum Mitte Januar 2021 mit den Gewerkschaften Kurzarbeit vom 18. Januar bis Ende Juni für 550 Mitarbeiter in Spanien.

Für das Gesamtjahr 2020 lag Anfang Januar 2021 nur eine aggregierte Schätzung inklusive Nutzfahrzeuge und Busse vor. Ihr zufolge blieb die gesamte Kfz-Produktion 2020 um knapp 20 Prozent hinter dem Wert von 2019 zurück. Damit würden noch 2,27 Millionen Fahrzeuge produziert.

An den meisten Produktionsstandorten ging laut Expansión die Kfz-Fertigung deutlich zurück, so etwa bei Seat in Martorell (Barcelona) um circa 30 Prozent auf etwa 350.000 Einheiten. Der einzige große Gewinner war PSA Vigo mit einer Zunahme um rund 22 Prozent auf 497.000 Einheiten. Eine Übersicht über die Automobilwerke und deren Produktpalette enthält der Internetauftritt von ANFAC.

Bei Nissan hat die stärkere Konzentration auf China, Japan und Nordamerika Konsequenzen für die Präsenz in Spanien: Bis zum Jahresende will der Hersteller seine drei Werke in der Provinz Barcelona schließen.

Megatrends Emissionsreduzierung und Elektromobilität prägen das Bild

Der internationale Trend vom Verbrennungsmotor in Richtung Elektromobilität wirkt sich auch in Spanien aus. Dazu tragen die von der Europäischen Union forcierte Emissionsreduzierung und Pläne der spanischen Regierung bei.

Mitte Dezember 2020 wurden Pläne von Volkswagen bekannt, möglicherweise kleine Elektromodelle der Konzernmarken Volkswagen, Seat und Skoda in Spanien zu bauen. Dazu würde auch eine Batteriefabrik gehören. Im Gespräch als Produktionsstandorte befinden sich das Seat-Werk in Martorell (Barcelona) und die Volkswagen-Fabrik in Landaben (Pamplona).

Die Umbrüche in der Antriebstechnik verunsichern viele Interessenten bei der Kaufentscheidung. Dabei ist der Erneuerungsbedarf hoch: Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Spanien hat 13 Jahre erreicht. Die Wirtschaftskrise von 2007 bis 2013 sowie die neue Verunsicherung aufgrund der Corona-Pandemie dämpften jedoch die Möglichkeiten und die Bereitschaft zum Kauf. Ein Indiz dafür ist auch, dass 2020 mit dem Dacia Sandero ein Low-Cost-Modell den Seat León als meistverkaufter Pkw ablöste. Medien berichteten zudem über eine signifikant steigende Nachfrage nach kostengünstigen Gebrauchtwagen.

Durch ein neues Messverfahren für Emissionen stieg in Spanien zum Jahreswechsel 2020/21 die Zulassungssteuer deutlich an. Laut Branchenvertretern verteuert sich damit ein durchschnittliches Fahrzeug um etwa 800 Euro. Die Branche befürchtet eine abschreckende Wirkung der neuen Steuer auf Kaufinteressenten. Zudem lief das Förderprogramm Plan Renove Ende 2020 aus.

Hoffnung auf Zuschüsse aus dem EU-Hilfspaket für die Automobilindustrie 

Von staatlicher Seite fließen aber weiterhin Gelder in den Automobilsektor. Der Impulsplan für die Automobilindustrie von Juni 2020 enthält auch rund 2,2 Milliarden Euro für die Zeit ab 2021. Die bisherige Umsetzung des Plans verläuft aber aber aus Sicht der Branche schleppend.

Für noch höhere Impulse könnten die Mittel von Next Generation EU sorgen. Laut Medienberichten sollen von insgesamt 72 Milliarden Euro Zuschüssen 10 Milliarden Euro über drei Jahre zur Reaktivierung der Automobilindustrie eingesetzt werden. 

Auch Vertreter der Kfz-Zulieferindustrie erhoffen sich ein Stück vom europäischen Kuchen. Die von ihnen vorgelegten Projektvorschläge beziehen sich auf Batterien, Brennstoffzellen, vernetzte Mobilität und intelligente Industrie. Der Gesamtwert des Pakets liegt bei 5,4 Milliarden Euro.

Ungewisse Aussichten für die Fahrzeugexporte im neuen Jahr

Hinter den Pkw-Exportaussichten für 2021 steht ein Fragezeichen, da Corona auf den wichtigsten europäischen Absatzmärkten weiter wütet. Sowohl die Dauer der Pandemie als auch die zahlenmäßigen Auswirkungen waren Anfang 2021 nicht abzuschätzen.

Für große Erleichterung in der Branche sorgte, dass ein ungeregelter Brexit vermieden werden konnte. Die entstehende Übergangsphase dürfte Komplikationen bringen, jedoch das kleinere Übel gegenüber einem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs ohne vertragliche Vereinbarungen sein.

Die Ausfuhren erwiesen sich 2020 als Rettungsanker für die spanischen Automobilwerke. Obwohl auch die großen Zielmärkte von der Coronakrise betroffen waren, liefen die Exporte weitaus besser als die Inlandsverkäufe und lasteten die Werke wieder besser aus. 

Insgesamt blieben die Pkw-Ausfuhren von Januar bis Ende November 2020 um 17,8 Prozent hinter der Vorjahresperiode zurück. Dennoch war das Minus nur etwa halb so hoch wie bei den Verkäufen im Inland. Für die internationale Konkurrenzfähigkeit der in Spanien produzierten Fahrzeuge war das ein gutes Zeichen.

Quelle: GTAI