(von Alexander Hirschle - bfai)
Riode Janeiro steht vor einem Investitionsboom wie kaum ein andererBundesstaat in Brasilien. Bis 2010 sollen mehr als 100 Mrd. R$ in dieRegion fließen und die Wirtschaft am Zuckerhut weiter ankurbeln. DerIndustrieverband Firjan (Federação das Indústrias do Estado do Rio deJaneiro) geht davon aus, dass die Wachstumsraten in Rio de Janeirokünftig über denen des Landesdurchschnitts liegen werden und sich derAnteil des Bundesstaats am brasilianischen Bruttoinlandsprodukt erhöht.
DerBundesstaat Rio de Janeiro erlebt seit einigen Jahren einwirtschaftliches Comeback und rückt bei den Investoren zurück insRampenlicht. Das Engagement an der Copacabana soll sich bis 2010 aufinsgesamt 107,3 Mrd. R$ belaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eineFirjan-Untersuchung, die regelmäßig die Investitionsabsichten für denBundesstaat erhebt. Insgesamt handelt es sich um 90 Projekte, diesowohl private Unternehmen als auch die öffentliche Hand umsetzen.
DerVerband spricht in seiner Publikation “Decision Rio”, in der dieErgebnisse der Studie zusammengefasst werden, von einerwirtschaftlichen und sozialen Transformation, die sich derzeit imBundesstaat abspiele. Rio de Janeiro wird in diesem Zusammenhang alseiner der herausragenden Pfeiler der florierenden brasilianischenWirtschaft bezeichnet. Tatsächlich liegt der geplante Investitionswertfür die kommenden drei Jahre um mehr als 50% über der vormals für denZeitraum 2006 bis 2008 berechneten Summe von knapp 70 Mrd. R$.
Obwohlnoch nicht alle Projekte in der Umsetzungsphase sind, lassen sichbereits einige Tendenzen ablesen. Der Löwenanteil der Investitionenentfällt auf den Erdöl- und Erdgassektor, denn allein die staatlicheGesellschaft Petrobras ist für 37% der geplanten Summe verantwortlich.An zweiter Stelle und in nahezu gleichemtende Industrie und der BereichInfrastruktur mit Anteilen von jeweils rund 27%. Die Tourismusbranchewill mit einem Anteil von 8% beziehungsweise mit 9 Mrd. R$ ebenfallseine beachtliche Summe investieren.
DieStahlverarbeitung treibt in erster Linie die Investitionen in derverarbeitenden Industrie an. Auf sie entfallen alleine 17,5 Mrd. R$beziehungsweise beinahe 60% der Gesamtinvestitionen in diesem Segment.Hierbei spielt das umfangreiche Engagement von ThyssenKrupp im Rahmender Companhia Siderúrgica do Atlântico (CSA) eine zentrale Rolle. NebenThyssenKrupp werden laut Firjan-Angaben die Unternehmen CompanhiaSiderúrgica Nacional (CSN), Votorantim und Gerdau in den kommendenJahren drei weitere Stahlwerke in Rio neu bauen.
Fernerzählen der petrochemische Sektor mit geplanten Ausgaben von 6,8 Mrd. R$und die Schiffbauindustrie mit 2,6 Mrd. R$ zu den investivenAntriebsfedern in Rio de Janeiro. Der Schiffbau erlebt seit mehrerenJahren einen Aufschwung, an dem der Bundesstaat am Zuckerhut besondersstark partizipiert. Die besten Geschäftsmöglichkeiten dürften sich überdie Bestellungen der Petrobras-Tochter Transpetro im Gesamtwert vonmehr als 2 Mrd. R$ sowie beim Bau von Erdölplattformen und kleinenOffshore-Versorgungsschiffen ergeben.
ImZuge des Aufschwungs am Zuckerhut soll die dortige Infrastrukturmodernisiert und erweitert werden. Von den geplanten Investionen inHöhe von rund 30 Mrd. R$ bis 2010 entfallen 41% beziehungsweise 12 Mrd.R$ auf den Logistiksektor. Der Industrieverband hebt dabei dieBedeutung des mit öffentlichen Mitteln im Gesamtwert von 800 Mio. R$projektierten “Arco Metropolitano” hervor. Dieser Autobahngürtel sollauf einer Strecke von 145 km - von denen 73 km bereits existieren - diewichtigsten Straßen und Industriezentren verknüpfen sowie den Hafen vonItaguaí anbinden.
Danebenbilden die Erweiterung des Flughafens Tom Jobim in Rio de Janeiro undder Bau des Logistikzentrums in Açu weitere Highlights. Das größteInteresse ruft jedoch die geplante Schnellzugverbindung zwischen Rio deJaneiro und São Paulo hervor, die bis zur Fußball-Weltmeisterschaft2014 fertiggestellt sein und die beiden größten Metropolen Brasiliensmiteinander verbinden soll. Das Projekt wird seit gut einem Jahrzehntdiskutiert, doch mittlerweile mehren sich die Anzeichen für eineKonkretisierung des Vorhabens.
Fürden Energiesektor ist mit einem Investitionsvolumen von rund 12 Mrd. R$in etwa die gleiche Summe vorgesehen wie für die Logistikprojekte.Hervorzuheben sind die Fertigstellung des Atomkraftwerks Angra 3 nachmehreren Jahrzehnten, für das allein 7,2 Mrd. R$ veranschlagt werden.Darüber hinaus werden in der Untersuchung das Wasserkraftwerk UsinaHidrelétrica de Simplício im Wert von 1,2 Mrd. R$ und dasWärmekraftwerk Termelétrica do Porto do Açu mit einem Volumen von mehrals 4 Mrd. R$ als wegweisende Vorhaben aufgeführt. Neben Logistik undEnergie werden den Firjan-Prognosen zu Folge auch 4 Mrd. R$ in den Bereich Stadtentwicklung fließen.
Geplante Investitionen nach Sektoren im Bundesstaat Rio de Janeiro
Sektor in Mrd. R$ Anteil in %
Petrochemie 39,7 37
Verarbeitende Industrie 29,2 27
Infrastruktur 28,4 27
Tourismus 9,0 8
Sonstige 1,0 1
Gesamt 107,3 100
Quelle: Firjan
Geplante Investitionen der verarbeitenden Industrie in Rio de Janeiro
Segment in Mio. R$ Anteil in %
Eisen und Stahl 17.446 59,7
Petrochemie 6.768 23,1
Schiffbau 2.635 9,0
Kautschuk 629 2,1
Bergbau 273 0,9
Getränke 224 0,8
Maschinen und Ausrüstungen 115 0,4
Chemie 100 0,3
Körperpflege 46 0,2
Papier und Zellstoff 34 0,1
Kunststoff 15 0,1
Sonstige 951 3,3
Gesamt 29.236 100,0
Quelle: Firjan
Quelle:Eine Gemeinschaftspublikation der Deutsch- BrasilianischenAuslandshandelskammern und der Bundesagentur für Außenwirtschaft(bfai), Nr 24, 24. Juni 2008.


