Tokio (bfai) - Iminternationalen Wettbewerb um zukunftsweisende Branchen kann Japaneinen wichtigen Fortschritt vorweisen: Einem Forscher und seinem Teamist die künstliche Herstellung von Stammzellen aus umprogrammiertenKörperzellen gelungen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für dieregenerative Medizin. Die Regierung hat hierfür Ende 2007 mehrfinanzielle Förderung sowie schnelles und unbürokratisches Handelnversprochen, um die weitere Forschung auf diesem Gebiet im Land zuhalten und die sich ergebenden wirtschaftlichen Vorteile zu nutzen.
Im Rennen um Stammzellenkompetenz will Japans Bürokratie diesmalschnell handeln. Seit Professor Yamanaka von der Universität Kyoto dieForschungsergebnisse seines Teams zu umprogrammierten pluripotentenStammzellen ("induced pluripotent stem cells" - IPS) im November 2007vorstellte, sind bereits feste Zusagen der Regierung gegeben worden,die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich massiv zu unterstützen.
Noch vor Ende des Fiskaljahres 2007, das am 31.3.08 abläuft,soll an der Universität Kyoto ein Forschungszentrum gegründet werden,das seine Aktivitäten auf IPS-Zellen konzentriert. Zudem wird einNetzwerk von Wissenschaftlern eingeladen, die Chancen für regenerativeMedizin auszuloten. Von der Nutzung solcher umprogrammierterKörperzellen verspricht sich die Regierung, eine wichtigeZukunftsindustrie voranzubringen, ohne dass die bislang immeraufgeworfene ethische Frage von embryonalen Stammzellen im Wege steht.
Das Budget des Finanzministeriums will im Fiskaljahr eineMilliarde Yen (rund 6,3 Mio. Euro; 1 Euro = circa 160 Yen) für dieregenerative Zellforschung bereit stellen. Zusätzlich hat die RegierungMittel zugesagt, um die notwendige Infrastruktur auszubauen. Darüberhinaus plant die Universität Kyoto, für die nächsten zehn Jahre mehrals 20 Mrd. Yen (etwa 125 Mio. Euro) aufzubringen, um das neue Institutzu bauen und zu unterhalten.
In enger Verbindung mit dem neuen Forschungszentrum sollenPatentexperten an der Universität etabliert werden, um dafür zu sorgen,dass patentierbare Ergebnisse schnell angemeldet werden können. DennForscher in den USA hatten zeitgleich mit dem japanischen Team ähnlicheFortschritte bei der Erzeugung mit nicht-embryonalen Stammzellenpubliziert.
Durch die geschilderten Maßnahmen will Tokio versuchen, einenSchritt gegenüber den Wettbewerbern in anderen Ländern voraus zu seinund die Forschung mit Stammzellen im Lande zu halten. Zwar ist Japanbereits seit Anfang der 80er Jahre eines der führenden Zentren in derZellforschung, hat aber bislang aus seinem gesammelten Know-how weniggemacht, so die Japan Association of Bioindustries Executives. Erstseit 2002 gibt es einen japanischen Biotechnology Strategy Council.
Im laufenden wie auch dem nächsten Wissenschafts- undTechnologieplan des Ministry of Education, Science and Technologyspielt regenerative Medizin als prioritärer Bereich eine wichtigeRolle. Durch die Entdeckung neuer Wege in der Zellforschung könntenregenerative Technologien einen Schub erhalten, was sich auf dieAusstattung mit und die Nachfrage nach entsprechenden Ausrüstungennicht nur an der Universität Kyoto auswirken sollte. (M.J.)
Quelle: bfai/Länder&Märkte/03.01.2008, Ansprechpartner: Herr Robaschik, Ruf: 0221/2057-264
Letzte Änderung: 18.01.2008 durch Marion Wiegmann


