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Serbien

Kfz-Industrie und Kfz-Teile - Serbien


 

Das jahrelang anhaltende Wachstum auf dem serbischen Kfz-Markt kam durch die internationale Wirtschaftskrise jäh zum Erliegen. Der Absatz ist seit Ende 2008 stark rückläufig, so auch 2012. Für 2013 besteht jedoch die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Verkaufszahlen auf dem Niveau des Vorjahres. Spürbare Impulse werden von der jüngst gestarteten, lokalen Montage neuer Fiat-Modelle und vom stärkeren Engagement ausländischer Zulieferer erhofft.

Marktentwicklung/-bedarf

Der knapp 1,73 Mio. Pkw, gut 163.000 Lkw und etwa 8.800 Busse (Stand: Ende 2012) umfassende serbische Fahrzeugpark ist stark erneuerungsbedürftig. Mehr als die Hälfte der Kfz ist älter als 15 Jahre. Die Pkw-Dichte liegt mit rund 240 Wagen pro 1.000 Einwohner deutlich unter der in Westeuropa sowie einiger Nachbarländer. Für Neufahrzeuge und Kfz-Teile aus Deutschland bestehen angesichts der geringen Marktgröße nur begrenzte Absatzchancen.

Im Neuwagensegment sind vor allem Fahrzeuge mit einem überschaubaren Platzangebot in gemäßigten Preisklassen gefragt. Zuletzt für 2011 verfügbare Erhebungen der Fachzeitschrift "Auto magazin" zufolge entfielen 35,5% der im Berichtsjahr in Serbien verkauften Neu-Pkw auf die Gruppe der Kleinwagen. Es folgte die Kompaktklasse mit 30,4%. Einen zweistelligen Marktanteil erzielte zudem mit 11,6% noch die Gruppe der Offroader und Smart Utility Vehicles.

Absatz von ausgewählten Kfz in Serbien (Stückzahl; Veränderung in %) 1)
Kategorie 2008 2009 2010 2011 2012 2) Veränderung 2012/11
Pkw 57.255 45.181 40.394 28.795 21.693 -24,7
Leichte Nutzfahrzeuge 3) k.A. 3.552 2.331 3.121 2.300 4) -26,3
Gesamt 57.255 48.733 42.725 31.916 23.993 -24,8

1) Angaben zum Absatz von Lkw und Bussen sind nicht verfügbar; 2) vorläufig; 3) Light Commercial Vehicles (LCV) oder Utilities mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis zu 3,5 t; 4) Schätzung beziehungsweise Hochrechnung, da die Datenerfassung ab 2012 umgestellt wurde

Quelle: Auto magazin

Nicht zuletzt unter dem Einfluss der 2012 kriselnden Gesamtwirtschaft (Bruttoinlandsprodukt: -1,9%) hat sich die Flaute auf Serbiens Kfz-Markt weiter fortgesetzt. Der Pkw-Absatz nahm im Vorjahresvergleich um etwa ein Viertel ab. Der bereits seit einigen Jahren anhaltende Negativtrend hat somit inzwischen dramatische Ausmaße angenommen. Verglichen mit 2008 konnte 2012 weniger als die Hälfte der seinerzeit verkauften Pkw abgesetzt werden. Für 2013 wird jedoch damit gerechnet, dass sich die Lage auf dem Fahrzeugmarkt stabilisiert. Bei den Verkäufen könnte sogar ein leichtes Plus erzielt werden.

Bei Nutzfahrzeugen hingegen schätzen Marktteilnehmer die Potenziale aufgrund der zuletzt deutlichen Ausweitung der Fahrzeugflotte und der starken Verbreitung von Gebrauchtwagen eher zurückhaltend ein. Einige Investitionen zur Erneuerung des Fahrzeugsparks werden von verschiedenen kommunalen Verkehrsbetrieben getätigt.

Das mit einem Umfang von 130,5 Mio. Euro größte dieser Programme verfolgen gegenwärtig die Verkehrsbetriebe Belgrad (GSP Beograd). Geplant ist, 280 Niederflur-Gelenkbusse und 120 mit komprimiertem Erdgas betriebene Busse zu beschaffen, die allesamt der Abgasnorm Euro 5 entsprechen sollen. Einen Teil der Finanzierung in Höhe von 65 Mio. Euro stellt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung als Kredit zur Verfügung. Aus der Ausschreibung der ersten rund 200 Busse ging Anfang Februar 2013 das polnische Unternehmen Solaris Bus & Coach als Sieger hervor.

Absatz von Pkw in Serbien nach Marken (in Stück; Marktanteil in %)
Marke 2010 2011 2012 *) Marktanteil 2012 *)
Insgesamt 40.394 31.916 23.993 100,0
Skoda 3.252 3.466 3.511 14,6
Fiat 11.602 6.136 3.109 13,0
Volkswagen 1.950 1.989 2.382 9,9
Hyundai 2.521 2.393 1.846 7,7
Ford 1.496 2.070 1.764 7,4
Opel 2.570 2.120 1.399 5,8
Dacia 3.250 2.562 1.389 5,8
Renault 1.650 1.779 1.248 5,2
Chevrolet 1.453 1.445 852 3,6
Kia k.A. 701 835 3,5

*) vorläufig

Quelle: Auto magazin

Produktion/Branchenstruktur

Die Pkw-Fertigung in Serbien wird seit dem Auslaufen der Montage des lokalen Modells Zastava ausschließlich durch das Engagement des italienischen Fiat-Konzerns bestimmt. Das Unternehmen hatte sich im Zusammenhang mit der 2008 erfolgten mehrheitlichen Übernahme von ZastavaAutomobili und der Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Fiat Automobili Srbija (FAS) - daran ist Fiat mit 67% beteiligt, der serbische Staat mit 33% - zu Investitionen in Höhe von etwa 940 Mio. Euro verpflichtet.

Im April 2012 begann FAS am Standort Kragujevac exklusiv mit der Montage des neuen Fiat-Modells 500L. In den ersten Monaten der Serienfertigung rollten 2012 25.281 Pkw vom Band, von denen mehr als 90% für Abnehmer im Ausland bestimmt waren. Trotz der vielerorts in Europa grassierenden Flaute des Automobilabsatzes strebt FAS für 2013 an, den Ausstoß in Kragujevac auf etwa 140.000 Exemplare zu steigern. Die projektierte Kapazität der in Kragujevac installierten Montagebänder beläuft sich auf bis zu 300.000 Einheiten pro Jahr. Neben einem Siebensitzer (500XL) soll die Fahrzeugpalette von FAS im Jahresverlauf 2013 um eine gasbetriebene Version des Basismodells sowie den 500L Trekking, einen Mini-Crossover, ausgebaut werden.

Kfz-Produktion in Serbien (in Einheiten; Veränderung in %)
Segment 2010 2011 2012 Veränderung 2012/11
Pkw 17.384 25.494 25.281 -0,8
Leichte Nutzfahrzeuge 279 340 *) 13 -96,2
Schwere Lkw 340 370 *) 132 -64,3
Busse 30 30 *) 88 193,3

*) Schätzung

Quellen: Vereinigung der Automobilproduzenten Serbiens (Poslovno udruzenje proizvodjaca drumskih vozila Srbije; PUPDVS), internationaler Kfz-Herstellerverband OICA

Im Bereich Busse stehen die beiden serbischen Hersteller Ikarbus und Neobus weiterhin vor einer ungewissen Zukunft. Für das Unternehmen Ikarbus, das 2012 insgesamt 72 Busse auslieferte, sucht die Regierung nach wie vor nach einem strategischen Investor aus dem Ausland. Gegen Neobus wurde im November 2012 ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Überschaubar fällt zudem die Auftragslage bei FAP (Fabrika automobila Priboj) aus, den einst wichtigsten Produzenten von Nutzfahrzeugen in der Region westlicher Balkan. Das Unternehmen schloss das Geschäftsjahr 2012 mit einer Fertigung von 62 Lkw und 16 Bussen ab. Der Nutzfahrzeughersteller Zastava kamioni in Kragujevac, dessen Produktion 2012 insgesamt 83 Einheiten ausmachte, setzt inzwischen - mit bislang geringerem Erfolg - auf Spezialfahrzeuge für die Kommunalwirtschaft und auf Aufträge des serbischen Verteidigungsministeriums.

Produktstruktur der serbischen Kfz- und Kfz-Zulieferindustrie 2011 (Anteile in %)
Produkt Anteil
Reifen 28,5
Gussteile 13,5
Autobatterien 13,1
Schmiedeteile 10,4
Kabelbäume 9,2
Pkw 8,1
Öle und Schmierstoffe 2,6
Anhänger/Auflieger 2,6
Kugellager 2,4
Pressteile 2,3
Busse 1,9
Sitzbezüge 1,9
Lkw 1,8
Fahrzeugaufbauten 1,6

Quelle: Siepa

Interessant erscheint Serbien hingegen als Standort für die Zulieferindustrie, die zunächst vor allem aus Privatisierungen gespeist wurde. Inzwischen hat auch das Fiat-Engagement maßgeblich zu zahlreichen Ansiedlungen auf der "grünen Wiese" beigetragen. Mittel- bis langfristig wird bei FAS eine lokale Wertschöpfung von rund 80% angestrebt. Zunehmend beliefern auch lokal agierende Akteure Montagewerke in Mittel- und Osteuropa. Die gute logistische Anbindung, günstige Lohnkosten und staatliche Zuschüsse haben in den vergangenen Jahren auch eine Reihe deutscher Kfz-Unternehmen zu Investitionen in Serbien ermutigt.

Aktuelle Investitionsprojekte in der serbischen Automobilzulieferindustrie (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Unternehmen Standort Investitionssumme Produkt
Bosch (Deutschland) Pecini 70 Scheibenwischersysteme
PMC Automotive (Italien) Kragujevac 37 verschiedene Pressformteile
Cooper Standard (USA) Sremska Mitrovica 20 verschiedene Karosserie- und Hydraulikteile
Johnson Controls (USA), Magneti Marelli (Italien) Kragujevac circa 15 verschiedene Fahrzeugkomponenten
Leoni (Deutschland) Prokuplje circa 15 Bordnetzsysteme
Sigit (Italien) Kragujevac 14 verschieden Kunststoffteile
ContiTech (Deutschland) Subotica circa 10 Schlauchleitungssysteme
Dräxlmaier (Deutschland) Zrenjanin, Kragujevac circa 10 Bordnetzsysteme
AD Plastik (Kroatien) Mladenovac 8,2 Karosserieteile aus Kunststoffen
I.G. Bauerhin (Deutschland) Indjija 6 Sitzheizungen
Magna Seating (Kanada/Tschechien) Odzaci 5,6 Sitzsysteme
Grammer (Deutschland) Aleksinac circa 5 Sitzbezüge, -komponenten
Mitas (Tschechien) Ruma 3,5 Reifen für Landmaschinen

Quelle: Agentur für Investitions- und Exportförderung Siepa, Recherchen von Germany Trade & Invest

Außenhandel

Der serbische Außenhandel mit Teilen und Komponenten, die vornehmlich für die Verwendung in Pkw-Montagewerken bestimmt sind, weist deutlich nach oben. Die Gesamteinfuhren des Landes stiegen zwischen 2011 und 2012 in diesem Bereich von knapp 300 Mio. US$ auf fast 530 Mio. US$ (+76,7%). Dabei schlägt überwiegend das Engagement Fiats und der damit verbundene Zulieferbedarf zu Buche.

Die vor Ort ansässigen Akteure der Zulieferbranche steigerten auch die Ausfuhren von Fahrzeugteilen deutlich. Das mit Abstand wichtigste Erzeugnis sind Kabelbäume. Nach gut 204 Mio. US$ im Jahr 2011 erreichten die entsprechenden Exporte 2012 ein Volumen von knapp 292 Mio. US$ (+43%). Serbische Kabelsätze gehen nahezu ausnahmslos an Auftraggeber in Deutschland (Anteil 2012: 55%) und in der Slowakei (41%).

Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Serbien (in 1.000 US$)
SITC Bezeichnung 2011 2012 davon aus Deutschland (2012)
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 411,6 1.995,1 156,0
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 6.301,1 3.884,2 3.018,8
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 6.259,3 6.225,8 6.225,8
773.13 Kabelsätze 90.410,5 103.854,5 1.579,0
778.31, 778.33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 9.826,8 10.396,3 1.614,3
778.3 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 9.252,0 9.217,4 833,7
784.1 Fahrgestelle 1.396,8 1.863,7 63,3
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 1.244,4 1.081,2 598,7
784.3 Andere Kfz-Teile (Stoßstangen, Bremsen, Schaltgetriebe, Achsen etc.) 174.034,3 390.810,8 39.035,8

Quelle: Statistikamt Serbiens

Geschäftspraxis

Verkäufe von Neuwagen aus dem Ausland wickeln in Serbien zumeist Generalimporteure mit einem eigenen Händlernetz ab. Einige große Automobilhersteller sind direkt mit Vertriebsgesellschaften im Land vertreten. Im serbischen Kfz-Teilemarkt wird der Anteil der Originalkomponenten von Branchenkennern auf etwa 50% geschätzt.

Für Zölle und Einfuhrverfahren ist in Serbien die Zollverwaltung (Uprava Carina, http://www.customs.rs) zuständig. Informationen zu Normen und Standards können beim Institut za standardizaciju Srbije (http://www.iss.rs) eingeholt werden. Im Rahmen des Interimsabkommen mit der EU, welches eine Liberalisierung des gegenseitigen Handels vorsieht, hat Serbien die Erhebung von Einfuhrzöllen für neue und gebrauchte Fahrzeuge mit Ursprung in der EU mittlerweile ausgesetzt.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Serbien http://serbien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministerium für Finanzen und Wirtschaft (Ministarstvo finansija i privrede) http://www.mfp.gov.rs Koordinierung der Förderprogramme
Agentur für Investitions- und Exportförderung (Agencija za strana ulaganja i promociju izvorza) http://www.siepa.gov.rs Betreuung von Investitionsvorhaben
Auto magazin http://www.magazinauto.com Fachzeitschrift
Medjunarodni Salon Automobila (Internationaler Automobilsalon, Belgrad) http://www.beogradskisajamautomobila.rs Fachmesse der OICA; nächster Termin: 22. bis 31.3.13; findet im Zweijahresrhythmus statt
Auto magazin http://www.automagazin.rs Internetportal

Quelle: www.gtai.de