4% Wachstum realistisch
Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre dürfte sich 2014 fortschreiben können. Die wirtschaftliche Leistung könnte nach zwei Jahren mit überschaubarem Wachstum in nächster Zeit mit Raten von 4% und mehr sogar wieder kräftiger expandieren. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend in der Region hatte die Wirtschaft Kosovos die allgemeinen krisenbedingten Turbulenzen der jüngeren Vergangenheit relativ unbeschadet überstanden. Von dem für die Region Südosteuropa ansonsten typischen Phänomen der "double-dip recession" (auf die allgemeine Krise 2009/10 und ein von Wachstum gekennzeichnetes Jahr folgte 2012 erneut ein Rückfall in die Rezession) blieb Kosovo weitestgehend verschont. Der konjunkturelle Aufschwung wird vorwiegend vom privaten Verbrauch getragen. Die Investitionen sind auf Erneuerung und Ausbau der Verkehrswege gerichtet. Einiges tut sich auch im Energiesektor und im Bereich Wasser/Abwasser.
Direkte negative Auswirkungen waren lediglich in der Wachstumsverlangsamung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu verspüren. Nach einem Plus von 4,5% im Jahr 2011 ging dieses auf etwa 2,5% in den Jahren 2012 und 2013 zurück. Mit den für 2014 und 2015 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) prognostizierten Steigerungsraten in Höhe von 3,9 und 4,5% scheint die wirtschaftliche Aufholjagd wieder an Tempo zu gewinnen.
Jedoch rangiert die nur gut 1,8 Mio. Einwohner umfassende Republik im Herzen der Region Westlicher Balkan innerhalb Europas nach wie vor mit am Ende der Wohlstandsskala. Bezogen auf das BIP pro Kopf der Bevölkerung zählt Kosovo neben Moldau europaweit zu den ärmsten Ländern. Im Vergleich zu dem von Eurostat für diesen Indikator zuletzt für das Jahr 2012 ausgewiesenen Durchschnittswert der EU-28 von 23.100 Euro hinkte Kosovo mit einem Wert von 2.721 Euro deutlich um etwa das 8,5-fache hinterher.
Die recht guten Aussichten der kosovarischen Wirtschaft auf eine sich 2014 wieder erholende Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern dürfte die Lieferchancen ausländischer Anbieter beflügeln. Nachdem die Wareneinfuhren vorläufigen Angaben des Statistikamtes ASK 2013 mit 2,45 Mrd. Euro um 2,3% hinter dem Ergebnis vom Jahr davor zurückgeblieben sind, rechnen Experten für 2014 mit einem Importwachstum von 4,6%.
Der Gesamtbestand an ausländischen Direktinvestitionen belief sich Ende September 2013 BQK-Daten zufolge auf gut 2,7 Mrd. Euro. Zu den Herkunftsländern mit den größten Anteilen zählten neben der Türkei mit 246,5 Mio. Euro (9,0%) und Slowenien mit 232,1 Mio. Euro (8,5%) auch Deutschland mit 214,8 Mio. Euro (7,9%).
Als kaum weniger bedeutsam für den Aufwärtstrend bei den Bruttoanlageinvestitionen - auch mittel- bis langfristig - gilt die Entwicklung im Baugewerbe. Dahinter stehen neben dem nicht zuletzt durch Gelder von Auslandskosovaren befeuerten Wohnungsbau auch Vorhaben, um beispielsweise die Verkehrsinfrastruktur (vor allem Straßen und Schienenwege) zu erneuern und auszubauen. Diese werden vorrangig mit Finanzhilfen internationaler Geber umgesetzt.


