Auch im laufenden Jahr bleibt die Wirtschaft in Montenegro auf Wachstumskurs. Dabei werden in den Tourismus hohe Erwartungen gesetzt. Ein neuer Besucherrekord gilt jedoch angesichts der Ukraine- Krise und des Hochwassers in den Nachbarländern als fraglich. Impulse gehen von mehreren Projekten für Hotels und Ferienanlagen sowie Vorhaben zum Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur aus. Montenegro hat 2013 vorläufigen Angaben zufolge mit einem für europäische Verhältnisse starken Wachstum seiner Wirtschaft von 3,5% die Konjunkturdelle des Vorjahres überwinden können. Im Vergleich dazu verlief der Start in das neue Jahr mit plus 1,7% im ersten Quartal zwar etwas verhaltener. Es gibt jedoch kaum Zweifel daran, dass der positive Trend Bestand haben wird, die Prognosen liegen in einer Spanne von 2,1 bis 3,8%. Einigkeit besteht darin, dass Dreh- und Angelpunkt der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Montenegros der Tourismussektor sein wird. Seine Bedeutung nimmt weiter zu. Eine Studie des Verbands der Tourismuswirtschaft WTTC, geht davon aus, dass die Einnahmen aus allen mit dem Fremdenverkehr in Verbindung stehenden Leistungen langfristig durchschnittlich um 8,8% pro Jahr zulegen werden. Der Beitrag zum BIP wird demnach von 20% im Jahr 2013 auf 37,2% bis 2024 steigen. Während die private Nachfrage noch die gewünschte Dynamik vermissen lässt, kann der Tourismus seine Rolle als wesentlicher Impulsgeber gut ausfüllen. Weiter steigende Besucherzahlen bescherten dem Land im vergangenen Jahr sogar neue Rekorde. Die alten, erst im Jahr zuvor erzielten Höchststände wurden Angaben des Statistikamtes Monstat zufolge mit 9,41 Mio registrierten Übernachtungen um 2,8% verbessert. Erste Daten zum Fremdenverkehr für 2014 weisen zumindest für den Zeitraum bis April darauf hin, dass sich der positive Trend fortsetzen könnte, denn die Übernachtungszahlen nahmen gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 5,8% zu. Diese Zahlen gelten jedoch als nur wenig aussagekräftig, da sie noch nicht die ab Mitte Juni und bis etwa Mitte September reichende Hauptsaison erfassen. Für diese gab es vorab berechtigte Befürchtungen, dass ein großer Teil der Gäste im Sommerausbleiben könnte. Ein Grund dafür dürfte das schwere Mai-Hochwasser in der Westbalkanregion sein. Zu den Hauptbetroffenen der Fluten zählten Serbien sowie Bosnien und Herzegowina, die 2013 mit Anteilen von 25,1 und 7,5% an zweiter und dritter Stelle bei den montenegrinischen Übernachtungszahlen lagen. Auch in Bezug auf Russland und die Ukraine gilt wegen der der politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Ukraine-Krise alles andere als sicher, dass die Besucherzahlen das Vorjahresniveau erreichen oder gar übertreffen werden. Beide Länder hatten zuletzt mit 28,1 und 5,6% die Plätze 1 und 4 im Übernachtungsranking Montenegros belegt. Ein in Russland schwindendes Interesse an Montenegro als Urlaubsziel erklären Tourismusexperten zudem mit dem Umstand, dass dort der kleinen Adria-Republik übel genommen wird, dass sie sich den gegen Russland verhängten Sanktionen der EU angeschlossen hat. Die aktuellen Wachstumserwartungen stützen sich daher im Wesentlichen auf den vorangetriebenen Neu- und Ausbau von Tourismusobjekten. Diese sollen vor allem entlang der Adriaküste entstehen, darüber hinaus punktuell aber auch an anderen Orten, die als touristische Hotspots ausgemacht wurden. Aufgrund des langen Zeithorizonts dieser Vorhaben gelten sie für Beobachter auch langfristig als wichtiger Garant für eine nachhaltige dynamische Entwicklung der Wirtschaft. Für 2014 standen wichtige Bauabschnitte für eine Reihe von Vorhaben im Tourismussektor an, hinter denen unter anderen Investoren von der arabischen Halbinsel oder aus der Schweiz, Ägypten und Aserbaidschan stehen.
Montenegro
Konjunkturdelle des Vorjahres überwunden
Quelle: Südosteuropa aktuell


