Neue Strategie sieht Raum für Investitionen in Milliardenhöhe / Projektvorbereitungen für EU-Strukturfondsmittel
Qualitätsverbesserungen sollen Kroatiens Touristiksektor zu einem leistungsstarken Wirtschaftszweig ausbauen. Eine neue Strategie zielt bis 2020 auf ein Investitionsvolumen von 7 Mrd. Euro ab. 2012 lagen die Übernachtungen zwar auf Rekordhöhe, die Einnahmen hielten bei weitverbreiteten Preisnachlässen der Hotels damit aber nicht Schritt. Ab 2013 sind touristische Dienstleistungen durch reduzierte Mehrwertsteuersätze günstiger geworden.
Insgesamt 62,7 Mio. Übernachtungen meldete Kroatiens Tourismusbranche für 2012 und damit den Höchststand seit der Unabhängigkeit des Landes. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Touristen lag um 5,1% höher als 2011. Gleichzeitig blieben die Einnahmen der Branche, die seit 2010 wieder wachsen, hinter dem Rekordergebnis von 2008 zurück. Ein Grund dafür waren die starken Preisnachlässe der Hotels. Nach Berechnungen der Raiffeisenbank war der durchschnittliche Verbrauch ausländischer Touristen in den ersten drei Quartalen 2012 mit 104 Euro pro Übernachtung um 16% niedriger als 2008.
Die Zuflüsse aus dem Fremdenverkehr summierten sich in der Zahlungsbilanz in den ersten neun Monaten 2012 auf 6,3 Mrd. Euro und dürften sich für das ganze Jahr 2012 der Marke von 7 Mrd. Euro nähern. Nach Eurostat-Erhebungen war der Tourismus im Jahr 2011 mit 14,7% am Bruttoinlandsprodukt beteiligt. Er hat damit für Kroatiens Volkswirtschaft eine größere Bedeutung als der Fremdenverkehr für Spanien oder Italien.
Bei den verschiedenen Maßnahmen und Initiativen der kroatischen Regierung zur Förderung von in- und ausländischen Investitionen hat der Tourismus einen hohen Stellenwert. Qualitätsverbesserungen sollen ihn international wettbewerbsfähiger machen. Das neue Investitionsfördergesetz, für das die Durchführungsverordnung noch aussteht, sieht für Investitionen der Branche zum Zweck der Qualitätsanhebung zusätzliche Fördermaßnahmen vor. Mehr Wettbewerbsfähigkeit für den Sektor bedeutet zudem der Anfang 2013 von 25% auf 10% gesenkte Mehrwertsteuersatz für Restaurantdienstleistungen. Für Übernachtungen gilt schon seit längerem dieser ermäßigte Satz. Novelliert werden soll zudem das Gesetz für touristisch genutzte Grundstücke, das bislang kaum angewendet wurde. Zudem hat es nicht - wie erhofft - die Investitionshürden für Campingplätze beseitigt.
Anfang 2013 hat das Tourismusministerium die Strategie für die Entwicklung des Sektors bis 2020 vorgelegt, die sich gegenwärtig im Parlamentsverfahren befindet. Das Dokument beziffert das Investitionspotenzial der Branche bis 2020 auf 7 Mrd. Euro. Der größte Teil entfält mit 2,2 Mrd. Euro auf neue Hotels mit insgesamt 20.000 Gästezimmern. Bisher sind große Greenfield-Investitionen häufig an langwierigen Planungs- und Ausschreibungsverfahren gescheitert. Ein Hindernis stellt auch die Eigentumsregelung an Ufergrundstücken dar.
Für die Modernisierung von bestehenden, meist noch zu privatisierenden touristischen Anlagen setzt die Strategie einen Betrag von 825 Mio. Euro an. Einen weiteren Investitionsschwerpunkt sollen Klein- und Familienhotels bilden; hierfür wird der Investitionsbedarf auf 295 Mio. Euro veranschlagt. Für diese Betriebe will die kroatische Entwicklungsbank (HBOR) bereits 2013 vergünstigte Investitionsdarlehen vergeben. Das Tourismusministerium subventioniert seit Anfang 2013 zudem den Poolausbau von Familienbetrieben und stellt dafür insgesamt 50 Mio. Kuna bereit (Wechselkurs am 19.2.13: 1 Euro = 7,6 Kuna).
Seit Ende 2012 vergibt der Umweltfonds (FZOEU) zinslose Kredite für Energieeffizienzmaßnahmen und den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern in touristischen Gebäuden. Förderfähig sind dabei Investitionen in den Fensteraustausch, die Wärmedämmung, effiziente Heiz-, Kühl-, Lüftungs- und Beleuchtungssysteme sowie die Installation von Fotovoltaikanlagen, Solarkollektoren, Wärmepumpen und Holzbiomassekesseln. Inzwischen laufen im Tourismusministerium auch die Vorbereitungen für Projekte für EU-Strukturhilfen auf Hochtouren.


