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Serbien

Maschinen- und Anlagenbau in Serbien


Belgrad (gtai) - Serbiens Markt für Maschinen und Anlagen dürfte deutschen Anbietern auf mittlere Sicht gute Geschäftschancen bieten. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Absatz zwar spürbar gedämpft und die Importe von Investitionsgütern sinken lassen. Die noch nicht abgeschlossene Umstrukturierung, der weiterhin hohe Modernisierungsbedarf der Industrie und einige Vorhaben ausländischer Investoren in Serbien werden die Ausrüstungsnachfrage jedoch auch in den nächsten Jahren noch bestimmen.

Marktentwicklung/-bedarf

Gute Absatzperspektiven für Maschinen und Anlagen bieten in Serbien vor allem der Energiesektor und die petrochemische Industrie. Der Verkauf des Mineralölkonzerns Naftna Industrija Srbije (NIS) an die Gazprom-Tochter Gazpromneft war mit der Verpflichtung verbunden, die beiden Raffinerien des Landes in Pancevo und Novi Sad zu modernisieren und in Umweltschutzmaßnahmen zu investieren. Bis 2014 plant NIS ein Investitionsprogramm in Höhe von 1 Mrd. Euro, wovon die Hälfte in Raffinerien, der Rest in die Erdölförderung und das Tankstellennetz fließt. Zudem beabsichtigt der US-Investor Comico Oil den Bau einer neuen Erdölraffinerie in Smederevo für geschätzte 250 Mio. US$.

Ausgaben in Milliardenhöhe sind auch im Stromsektor vorgesehen. Der Stromversorger Elektroprivreda Srbije (EPS) will in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Euro in neue Kraftwerke (konventionelle Energie und Wasserkraft) sowie in die Modernisierung der Stromnetze und des Zählerbestandes investieren. Für einige der Vorhaben zum Bau neuer Kraftwerksblöcke ist die Beteiligung strategischer Partner (wie etwa Edison/Italien beim Kraftwerk Kolubara B) vorgesehen. Bei einigen anderen werden ausländische Darlehen in Anspruch genommen (zum Beispiel Kredite der VR China, der EBRD und KfW). Für Projekte und Maßnahmen im Bereich Umweltschutz (unter anderem Entschwefelungsanlagen) sind bis 2015 nach Angaben von EPS rund 1,2 Mrd. Euro eingeplant.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die Errichtung des serbischen Teilabschnitts (415 km) der Gaspipeline South Stream durch den russischen Konzern Gazprom gemeinsam mit dem serbischen Gasversorger Srbijagas. Der Bau soll Ende 2012 beginnen und circa 1,65 Mrd. Euro kosten.

Ein vormals bedeutender Wirtschaftszweig, der sich nach Jahren des Niedergangs wieder positiv entwickeln könnte, ist die Automobil- und Kfz-Zulieferindustrie. Die wichtigsten Impulse dafür dürften dabei vom Einstieg von Fiat in Kragujevac ausgehen. Am Sitz des früheren serbischen Herstellers Zastava will das serbisch-italienische Joint Venture Fiat Automobili Srbije (FAS) ab Sommer 2012 zunächst die Serienproduktion des Kleinwagens "Fiat 500 L" aufnehmen. Als Produktionskapazität des Werkes sind 200.000 bis 300.000 Pkw pro Jahr vorgesehen. Rund 20 bis 30% der verwendeten Pkw-Komponenten sollen aus Serbien stammen.

In der Nähe des Fiat-Werkes in Kragujevac siedelte sich bereits eine Reihe von Fiat-Zulieferbetrieben an, darunter Sigip, HTL und Promo Magneto. Unabhängig davon haben sich in den vergangenen Jahren einige andere ausländische, auch deutsche Kfz-Zulieferer für ein Engagement in Serbien entschieden (Dräxlmaier, Bauerhin, Leoni und andere). Ein weiteres Beispiel ist der Einstieg des Autoelektrikherstellers Yura aus Korea (Rep.) in Serbien, der in dem Balkanland mit drei Werken vertreten sein wird.

Die Nachfrage nach Baumaschinen hat in den vergangenen Jahren von der guten Baukonjunktur profitiert. Die Krise hat den Bausektor jedoch stark getroffen. Nach einem Rückgang der Bauleistung um real fast 20% im Jahr 2009 und weiteren 10% 2010 meldete das Statistikamt für 2011 und Anfang 2012 wieder ein Wachstum der Bauleistungen. Die Stimmung in der Branche ist jedoch nach wie vor gedrückt. Die Liquiditätslage ist schlecht, und der Auftragseingang war 2012 noch kräftig im Minus. Mit der erwarteten gesamtwirtschaftlichen Konjunkturerholung dürften sich die Perspektiven für die Baubranche und damit auch für den Maschinenmarkt aber wieder aufhellen. In Serbien besteht weiterhin ein großer Bedarf im Wohnungsbau und im Infrastruktursektor.

Im Vordergrund stehen dabei die Modernisierung und der Ausbau der Verkehrswege. Der Mitte 2010 verabschiedete Masterplan zur Entwicklung des Transportsektors sieht bis 2027 einen Investitionsbedarf für alle Verkehrsbereiche von insgesamt 22 Mrd. Euro vor. Zu einem der geplanten Großprojekte gehört der Bau eines Metro-Netzes in Belgrad (erste Linie Ende 2016 erwartet; Tender für die erste Strecke für 2013 vorgesehen). Weiter vorangetrieben werden auch andere Vorhaben im Infrastrukturbereich, zum Teil mit Beteiligung ausländischer Investoren, wie etwa der Bau von Abfalldeponien (unter anderem mit österreichischen Unternehmen).

Interessante Absatzmärkte dürften der Bergbau und die Metallindustrie bleiben. So beabsichtigt der Stromkonzern EPS, bis 2015 Mittel in Höhe von 4 Mrd. Euro in die Erweiterung seiner Kohleabbaukapazitäten zu stecken. Investitionen in den Bergbau, den Bau einer neuen Kupferhütte und eine Schwefelsäureanlage hat ferner das Bergbau- und Metallkombinat RBK Bor (Auftrag an SNC Lavalin und Energoprojekt) eingeleitet.

Zur Linderung der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die serbische Regierung eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die auch der Verbesserung der Lage der serbischen Maschinenbauunternehmen dienen sollten. Dazu gehörten unter anderem die Stützung der Nachfrage nach Pkw mithilfe einer Abwrackprämie und durch zinssubventionierte Kredite für den Kauf von neuen, in Kragujevac montierten Fiat-Pkw. Ähnliches ist auch für Lkw und Baumaschinen lokaler Herkunft beschlossen worden. Auch zur Stützung der inländischen Schienenfahrzeugbranche wurde ein Sonderprogramm verabschiedet.

Quelle: www.gtai.de