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Nordmazedonien

Mazedoniens Außenhandel lässt Dynamik vermissen


Gut ein Viertel der Exporte sind lohnveredelte Waren / Überschuss im Handel mit Deutschland

Der Außenhandel der Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien trat 2012 nahezu auf der Stelle. Während die Einfuhren mit einem geringen Plus abschnitten, verbuchten die Ausfuhren einen leichten Rückgang. Das Handelsbilanzdefizit weitete sich aus. Als wichtigster Abnehmer mazedonischer Waren erwies sich erneut Deutschland. Griechenland schnitt bei den Einfuhren am besten ab.

Die konjunkturelle Schwäche der mazedonischen Wirtschaft (Wirtschaftswachstum 2012: 0%, 2011: 3,0% jeweils gegenüber dem Vorjahr), hat sich auch im Warenverkehr mit dem Ausland niedergeschlagen. Vorläufigen Angaben des Staatlichen Statistikbüros Mazedoniens (Drzhaven zavod za statistika) zufolge belief sich der auf Euro-Basis ermittelte Außenhandelsumsatz 2012 auf 8.175,3 Mio. Euro. Das Niveau des Vorjahres von 8.236,2 Mio. Euro wurde damit leicht um 0,7% verfehlt.

In diesem Ergebnis schlug sich in erster Linie die verhaltene Nachfrage des Auslands nach Waren mazedonischen Ursprungs nieder, was den Exporten ein Minus von 2,6% auf 3.113,5 Mio. Euro bescherte. Demgegenüber konnten sich die Importe trotz der schwachen Verfassung der Binnennachfrage relativ stabil halten. Die Einfuhren erzielten 2012 gegenüber 2011 einen leichten Zuwachs von 0,5% auf 5.061,8 Mio. Euro.

Die gegenläufige Entwicklung bei den Exporten und Importen hat unter dem Strich zu einem weiteren Anstiegs des Handelsbilanzdefizits Mazedoniens geführt. Der von der amtlichen Statistik des Landes ausgewiesene Passivsaldo belief sich 2012 auf 1.948,3 Mio. Euro.

Der mit Abstand wichtigste Handelspartner Mazedoniens ist die EU. Der Beitrag der EU-27 zu den Importen Landes hat sich von 54,4% im Jahr 2011 auf 58,4% im darauf folgenden Jahr erhöht. Gegenüber 2008 (Anteil: 48,2%) bedeutet das sogar einen Zugewinn von mehr als zehn Prozentpunkten. Noch etwas deutlicher fällt die Bedeutung der europäischen Staatengemeinschaft für die mazedonische Wirtschaft auf der Exportseite aus. Auf die EU entfielen 2012 bereits 62,8% aller mazedonischen Ausfuhren. Im Jahr 2008 hatte sich dieser Anteil auf 59,5% belaufen.

Mit deutlichem Abstand wichtigster Abnehmer von Waren mazedonischer Herkunft ist Deutschland. Sein Anteil an den Gesamtexporten des Balkanlandes erhöhte sich 2012 auf 29,3% von 27,9% im Jahr davor. Wichtige Abnehmer mazedonischer Ausfuhren waren darüber hinaus Kosovo (Anteil 2012: 9,8%), Serbien (7,4%) und Bulgarien (7,1%) - Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Auch auf der Einfuhrseite war Deutschland 2012 mit einem Anteil von 9,7% (2011: 10,4%) an den Gesamtimporten einer der wichtigsten mazedonischen Handelspartner. Zum wichtigsten Lieferland avancierte 2012 Griechenland dank einer hohen Steigerung seiner Exporte nach Mazedonien von 54,0% (Anteil an den Gesamteinfuhren: 12,4%). Hinter Deutschland trugen zudem noch das Vereinigte Königreich (8,6%) und Serbien (7,4%) in nennenswertem Umfang zu den mazedonischen Importen bei.

Einfuhr und Ausfuhr nach wichtigen Ländern (in Mio. Euro)
Land 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
Einfuhr insgesamt, darunter aus: 4.664,5 3.636,8 4.137,1 5.038,5 5.061,8 0,5
.Griechenland 346,7 315,1 336,3 407,3 627,3 54,0
.Deutschland 445,3 374,3 464,8 523,3 492,7 -5,8
.Vereinigtes Königreich 47,7 45,1 215,0 431,3 435,6 1,0
.Serbien 361,6 285,0 317,0 358,2 374,7 4,6
.Bulgarien 222,2 175,0 228,5 328,0 316,9 -3,4
             
Ausfuhr insgesamt, darunter nach: 2.697,6 1.937,1 2.534,9 3.197,7 3.113,5 -2,6
.Deutschland 382,9 327,7 537,3 892,6 913,8 2,4
.Kosovo k.A. 219,3 331,8 386,7 305,1 -21,1
.Serbien 631,4 246,6 205,9 238,9 229,6 -3,9
.Bulgarien 255,2 154,0 222,3 220,6 222,1 0,7
.Italien 219,5 155,7 178,7 208,0 216,4 4,0

Quelle: Drzhaven zavod za statistika (Staatliches Statistikbüro Mazedoniens)

Typisch für das südosteuropäische Land ist, dass zahlreiche Partner einen nicht unerheblichen Teil ihrer Handelsgeschäfte mit Mazedonien im Rahmen des so genannten Veredlungsverkehrs abwickeln. Für die Balkanrepublik stellt die Lohnveredelung einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Infolge der überwiegend schwachen Entwicklung auf wichtigen Auslandsmärkten hat der Veredlungsverkehr jedoch 2012 nicht weiter an Bedeutung gewonnen. Dessen Anteil am gesamten Außenhandelsumsatz gab leicht von 17,2% im Jahr 2011 auf 16,9% nach.

Gleichwohl trugen die aus der Lohnveredlung stammenden Lieferungen ins Ausland mit 26,8% (2011: 27,0%) weiterhin in beachtlicher Höhe zu den mazedonischen Gesamtexporten bei. Für die Lohnveredlung bestimmte Wareneinfuhren machten 2012 etwa 10,8% (2011: 11,0%) aller mazedonischen Importe aus.

Die vorläufigen amtlichen Außenhandelsdaten Mazedoniens geben zwar keine Auskunft über die landesspezifische Zuordnung der mit dem Veredlungsverkehr verbundenen Ein- und Ausfuhren. Es gilt jedoch als sicher, dass Unternehmen mit Bezug zu Deutschland wichtige Akteure der Lohnveredlungsgeschäfte vor Ort sind. Die Strategie, bestimmte zugelieferte Vor- und Halbfertigerzeugnisse in Mazedonien zu veredeln oder fertigzustellen, wird beispielsweise in den Branchen Textilien und Bekleidung sowie Automotive verfolgt.

Entsprechenden Aufschluss geben Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zum bilateralen Warenverkehr der beiden Länder. So entfielen 2012 mit 156,5 Mio. Euro rund 30,5% der deutschen Exporte nach Mazedonien auf bestimmte Spinnstoffe und Waren daraus (HS-Kapitel 50 bis 56, 58 bis 60). Gleichzeitig sind verschiedene Bekleidungsartikel (61 bis 63) für 324,9 Mio. Euro in Gegenrichtung an deutsche Abnehmer gegangen. Bekleidungslieferungen steuerten somit laut Destatis 33,7% zu Mazedoniens Exporten nach Deutschland bei.

Zu wichtigen Positionen der deutschen Ausfuhren zählten darüber hinaus im Bereich Automotive ausgewählte keramische Waren zu technischen Zwecken (HS-Pos. 6909), Teile von Apparaten zum Filtrieren von Gasen (8421.99) und katalytische Zubereitungen (3815.90). Zusammen standen diese 2012 laut Destatis für einen Exportwert von 61,3 Mio. Euro und einen Lieferanteil von 12,0%. Bei der technischen Keramik handelte es sich schwerpunktmäßig um temperaturstabile Wabenkörper, die als Träger für Fahrzeugkatalysatoren dienen. Diese werden in Mazedonien mit weiteren Komponenten und Materialien zu überwiegend einbaufertigen Katalysatoren für Pkw und andere Kfz komplettiert und an ausländische Auftraggeber ausgeliefert.

Die entsprechenden Ausrüstungen werden ihrerseits zolltechnisch erfasst unter der Position Apparate zum Reinigen von Gasen durch katalytisches Verfahren (HS-Pos. 3815.12.00) und Katalysatoren auf Trägern fixiert, mit Edelmetall oder einer Edelmetallverbindung als aktiver Substanz (HS-Pos. 8421.39.60). Destatis zufolge nahm Deutschland diese Technik aus Mazedonien 2012 im Wert von 514,5 Mio. Euro ab, was einem Anteil von 53,4% an den deutschen Gesamtbezügen aus Mazedonien entsprach.

Die Destatis-Erhebungen, die leichte Abweichungen zu Daten der mazedonischen Statistik aufweisen, beziffern das Gesamtvolumen des bilateralen Handels für 2012 auf 1.476,5 Mio. Euro. Dabei ergab sich für die deutschen Importe aus Mazedonien ein Anstieg von 1,1% auf 964,2 Mio. Euro. Die Ausfuhren in das Balkanland sanken hingegen um 2,8% auf 512,4 Mio. Euro. Die Handelsbilanz beider Länder verzeichnete somit auch im Rahmen der Destatis-Betrachtung einen mazedonischen Aktivsaldo in Höhe von 451,8 Mio. Euro. In der Westbalkanregion blieb Mazedonien weiterhin das einzige Land, das im Warenaustausch mit Deutschland einen Überschuss erwirtschaftet.

Entwicklung von Einfuhr und Ausfuhr nach wichtigen Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe (SITC) 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 (in %)
Einfuhr:            
.Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren (33) 627,0 445,0 563,5 758,1 753,2 -0,6
.NE-Metalle (68) 57,7 37,0 127,0 344,6 369,3 7,2
.Garne, Gewebe, andere fertiggestellte Spinnstofferzeugnisse (65) 325,0 282,1 309,1 341,3 341,7 0,1
.Eisen und Stahl (67) 505,2 215,9 268,0 314,0 288,1 -8,2
.Straßenfahrzeuge (78) 302,0 213,2 280,5 250,5 211,9 -15,4
             
Ausfuhr:            
.Eisen und Stahl (67) 870,6 381,5 589,7 725,5 649,1 -10,5
.Bekleidung und Bekleidungszubehör (84) 485,5 420,0 426,0 472,8 465,2 -1,6
.Andere chemische Erzeugnisse und Waren ((59) 5,3 8,9 172,6 398,2 388,1 -2,5
.Erze und Metallabfälle (28) 151,4 91,8 153,5 157,9 163,7 3,7
.Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren (33) 204,8 136,4 164,9 229,4 160,5 -30,0

Quelle: Drzhaven zavod za statistika

Quelle: www.gtai.de