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Montenegro

Montenegros Außenhandel ließ 2012 Dynamik vermissen


Umsatz gab um 4% nach / Warenaustausch mit Deutschland mit Plus

Unter dem Einfluss eines relativ schwachen konjunkturellen Umfelds hat Montenegros Außenhandel 2012 schwächer abgeschnitten. Importe wie Exporte gaben gegenüber dem Vorjahr nach. Der Passivsaldo der Warenhandelsbilanz nahm zu. Die Mitglieder der CEFTA-Freihandelszone und die EU sind Hauptpartner des Landes im grenzüberschreitenden Warenverkehr. Laut der deutschen Statistik hat der bilaterale Handel mit Deutschland inzwischen die Marke von 100 Mio. Euro wieder überschritten.

Der Gesamtumsatz des Warenaustauschs mit dem Ausland gab Angaben des montenegrinischen Statistikamtes (Zavod za statistiku Crne Gore - Monstat) gegenüber 2011 um 4% nach und erreichte ein Niveau von 2.187,7 Mio. Euro. Der Binnenkonsum erwies sich als relativ stabil, wodurch der Rückgang auf der Importseite mit einem kleinen Minus von lediglich 0,2% auf rund 1.821 Mio. Euro überschaubar ausfiel.

Dem stand jedoch ein deutlicher Rückgang der Exporte gegenüber, die um 19,2% auf 366,9 Mio. Euro sanken. Neben unmittelbaren Auswirkungen der in einigen EU-Staaten grassierenden Krise und der damit verbundenen allgemeinen Nachfragschwäche schlug sich in dieser Entwicklung auch der Preisverfall für bestimmte Metalle (vor allem Aluminium) auf den Weltmärkten nieder.

Infolge der Einbußen bei den Ausfuhren erhöhte sich das Außenhandelsdefizit des traditionellen Nettoimporteurs Montenegros erneut. Es stieg Angaben von Monstat zufolge 2012 gegenüber dem Vorjahr um 6,2% auf 1.454,0 Mio. Euro.

In regionaler Hinsicht blieb der montenegrinische Außenhandel auch 2012 sehr stark auf Europa fokussiert. So gingen laut Angaben der amtlichen Statistik 97% der Ausfuhren an europäische Abnehmer. Mit 62% entfiel der größte Posten dabei auf die Gruppe der Länder des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens (CEFTA), dem neben Montenegro auch Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Moldau, Kosovo und (jedoch nur noch bis 30.6.13) Kroatien angehören. Die EU-27 hatte einen Anteil von 29%. Auch bei montenegrinischen Importen dominierte bei der Herkunft der Waren 2012 Europa mit einem Anteil von 87%. Hier gingen 45% der Einfuhren auf das Konto der CEFTA-Staaten, 38% auf das der EU.

Montenegros Ein- und Ausfuhr von Waren nach wichtigen Ländern (in Mio. Euro)
Land 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/11 (in %)
Einfuhr, darunter aus: 2.529,7 1.654,2 1.657,3 1.823,3 1.820,5 -0,2
.Serbien 291,4 446,1 432,6 541,5 532,9 -1,6
.Griechenland 182,4 99,6 115,3 144,7 159,2 10,0
.VR China k.A. 90,3 88,9 103,1 130,6 26,7
.Bosnien und Herzegowina 26,1 91,1 123,5 142,5 123,2 -13,5
.Deutschland 224,8 111,1 117,1 110,8 115,7 4,4
.Italien 197,1 106,2 99,1 117,5 112,5 -4,3
.Kroatien 36,5 80,9 80,1 92,8 110,4 19,0
             
Ausfuhr, darunter nach: 416,2 277,0 330,4 454,4 366,9 -19,2
.Kroatien 4,9 9,1 4,0 45,9 83,5 81,9
.Serbien 101,5 77,3 75,0 79,8 83,4 4,5
.Slowenien 37,4 24,3 20,6 30,3 28,9 -4,6
.Bosnien und Herzegowina 19,8 17,8 24,1 22,4 27,4 22,3
.Kosovo 14,7 16,3 18,1 23,7 23,0 -2,9
.Ungarn 9,2 11,7 29,0 76,9 18,1 -76,5
.Deutschland 10,9 2,6 3,1 20,5 14,4 -29,8

Quelle: Zavod za statistiku Crne Gore (Monstat; Statistikamt Montenegro)

Zumindest in Bezug auf die Handelsbeziehungen mit der EU sind die Angaben der montenegrinischen Statistik jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Wohl aufgrund unterschiedlicher Methoden bei der Erhebung und der Zuordnung von Warenströmen auf ihre Herkunfts- und Bestimmungsländer weichen aktuelle Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat im Vergleich dazu teilweise recht deutlich ab.

In einem relativ geringen Maße unterscheiden sich die Angaben von Monstat zum Außenhandel mit der EU auf Seiten der Einfuhren. Die Importe werden hier mit 699,5 Mio. Euro angegeben, während das Eurostat diese mit 744,4 Mio. Euro beziffert. Die Angaben zu den Ausfuhren Montenegros in die EU weisen dagegen deutliche Unterschiede auf. Während Monstat deren Höhe mit 105,5 Mio. Euro angibt, sind es bei Eurostat 267,8 Mio. Euro.

Zudem lässt die montenegrinische Statistik den Schluss zu, dass der Handel mit der EU 2012 sowohl auf der Einfuhr- als auch auf der Ausfuhrseite Schwächen gezeigt hätte. Die Importe aus der EU gingen danach um 2,1% und die Exporte dorthin um 53,6% zurück. Diesen Nachweis treten die Angaben von Eurostat zum Handel der EU-27 mit Montenegro dagegen nicht an. Hier weist die Entwicklung mit zum Teil deutlicher Dynamik nach oben. Während die Bezüge Montenegros aus der EU nach Eurostat-Angaben 2012 um 6,3% zulegen konnten, belief sich das Plus bei den Lieferungen in Gegenrichtung im Vergleich zum Vorjahr auf 21,1%.

Ein ebenso wenig klares Bild hinterlässt ein Blick auf den bilateralen Warenaustausch mit Deutschland. Den entsprechenden Umsatz beziffert Monstat für 2012 auf 130,0 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung um 1,0% bedeuten würde. Einmal mehr wegen offensichtlicher unterschiedlicher Erhebungsmethoden kommt jedoch das Statistische Bundesamt (Destatis) mit seinen Daten zu einem etwas anderen Ergebnis. Hier fällt zwar der Umsatz wesentlich niedriger aus. Dafür weist die Entwicklung des bilateralen Handels aber einen deutlich positiven Trend auf.

Mit einem laut vorläufigen Destatis-Angaben erzielten Umsatz von 104,2 Mio. Euro wurde im vergangenen Jahr das erste Mal seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wieder die 100-Mio.-Euro-Marke geknackt. Im Vergleich zum Jahr 2011 legte der Warenaustausch mit Montenegro um recht beachtliche 32,9% zu. In der Rangfolge der deutschen Handelspartner kletterte das knapp 620.000 Einwohner zählende Land an der südöstlichen Adriaküste vom 145. auf den 140. Platz.

Besonders spürbar verbesserten sich die montenegrinischen Lieferungen nach Deutschland. Mit 32,3 Mio. Euro landeten 2012 wertmäßig immerhin 89,8% mehr Waren mit Ursprung in Montenegro auf dem deutschen Markt als noch im Jahr zuvor. Das mit Abstand wichtigste Exportprodukt waren Bleierze und ihre Konzentrate mit einem Lieferwert von 15,7 Mio. Euro. Auf diese entfiel 2012 nahezu die Hälfte (48,6%) der montenegrinischen Lieferungen nach Deutschland. Ein weiteres Viertel (24,5%, 7,8 Mio. Euro) trug zu diesen zudem noch Stabstahl aus Eisen und legiertem Stahl bei.

Der deutliche Zuwachs auf Seiten der montenegrinischen Lieferungen hatte den deutlichen deutschen Handelsüberschuss nur leicht verringert. Denn die dominante Komponente der Handelsbeziehungen blieben die Exporte aus Deutschland nach Montenegro. Diese verzeichneten 2012 Angaben von Destatis zufolge ein Plus von 17,2% auf 71,9 Mio. Euro. Die Warenstruktur der deutschen Ausfuhren fiel gegenüber den Bezügen aus Montenegro 2012 wesentlich vielfältiger aus. Am stärksten nachgefragt wurden 2012 Pkw, Lkw und Busse für zusammen 11,2 Mio. Euro (Anteil: 15,5%), Käse und Quark für 6,7 Mio. Euro (9,4%) sowie Erzeugnisse aus Schweinefleisch für 4,0 Mio. Euro (5,6%).

Montenegros Ein- und Ausfuhr nach wichtigen Warengruppen (in Mio. Euro; Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
SITC Warengruppe 2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/11
Einfuhr, darunter:            
33 Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren 230,4 131,0 166,2 207,2 213,7 3,1
35 Elektrischer Strom 114,3 68,1 30,2 109,0 106,5 -2,3
78 Straßenfahrzeuge 243,3 88,6 94,5 95,5 97,4 2,0
01 Fleisch und Zubereitungen von Fleisch 79,1 76,6 76,0 74,0 84,3 13,9
66 Waren aus nicht-metallischen mineralischen Stoffen 149,0 87,2 78,0 73,0 71,0 -2,7
             
Ausfuhr, darunter:            
68 NE-Metalle 178,1 113,2 130,8 182,4 128,6 -29,5
35 Elektrischer Strom 0 0 17,0 49,1 38,3 -22,0
28 Metallurgische Erze und Metallabfälle 14,8 7,5 21,0 38,8 31,3 -19,3
11 Getränke 24,0 21,0 21,0 22,7 23,2 2,2
67 Eisen und Stahl 95,9 32,8 19,4 27,4 16,3 -40,5

Quelle: Monstat

Quelle: www.gtai.de