Neue Trends in Spaniens Bausektor
"CONSTRUMAT" betont Kriterien von Qualität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Madrid (bfai) - Der spanische Bausektor zeigt weiterhin kräftigeZuwachsraten (real 4 bis 5%), wobei sich die Schwergewichteverschieben. Nach Jahren mit exorbitanten Steigerungen imWohnungsneubau, werden künftig die stärkeren Impulse bei Renovierungen,Gewerbebauten und vor allem im Infrastrukturbereich erwartet. Zudemsorgen neue Gesetze und Bestimmungen für nachhaltige Anstöße. DeutscheFirmen, darunter viele KMUs, sind schon seit Jahren vor Ort engagiert.Der Markt gewinnt zunehmend auch für das Handwerk an Interesse.(Kontaktanschriften)
Das Wachstum der spanischen Bauwirtschaft wird für 2007 auf real 4bis 5% geschätzt. Während der Folgejahre könnten sich dieSteigerungsraten bei 3% einpendeln und damit um die BIP-Zuwachsratenschwanken. Dies sind die Einschätzungen, die auf der führenden Messedes Sektors, CONSTRUMAT (14. bis 19.5.07, Fira Barcelona) auf denStänden zu vernehmen waren. Auch viele deutsche Unternehmen machtenanhaltend gute Geschäftschancen aus.
Der Gesamtsektor tritt nach Ansicht von Bruno Figueras, Präsidentvon CONSTRUMAT, in einen anderen Zyklus ein. Diese Verlangsamung seiaber durchaus gewünscht, da die außergewöhnlich hohen Steigerungsratenauf Dauer nicht durchhaltbar seien und die schrittweiseAktivitätsverringerung einem drastischen Einbruch vorbeuge. Bei denFirmen dürften sich Anpassungen vollziehen. Professionalität,Qualitätsgesichtspunkte sowie Energieeffizienz undNachhaltigkeitsaspekte werden künftig stärker hervortreten, wasletztendlich sowohl für die Partnerfirmen als auch für die Endkundennur günstig sein könne.
Vor diesem Hintergrund wird von einer Verlagerung der Schwergewichteausgegangen. Das während des vergangenen Jahrzehnts zu beobachtende undden Boom verursachende extensive wird einem intensiven Wachstumweichen. Dies wird vor allem im Wohnungsneubau zu beobachten sein.Niemand rechnet mehr mit Genehmigungsziffern von über 800.000Einheiten, wie während der vergangenen Jahre. Hier - so dieübereinstimmende Meinung - kann die Kurve nur nach unten zeigen. Aufmittlere Sicht wird im Vergleich zu 2006 mit zweistelligen Rückgängengerechnet.
Künftig werden im Wohnungsbau aufgrund der teilweise recht altenBausubstanz Anstöße vor allem von den Modernisierungs- undRenovierungsarbeiten erwartet. Möglichkeiten zeichnen sich hier beiKnow-how im Kernsanierungsbereich, bei Materialien zurFeuchtigkeitsbekämpfung sowie bei Kanalisationsarbeiten ab. In diesemSegment werden Zuwächse von etwa 5% ausgemacht.
Spürbare Impulse im Hinblick auf Qualität und Energieeffizienzwerden auf Jahre hinaus der neue Baucode (Código Técnico de laEdificación, CTE) sowie die Durchführungsbestimmungen (Reglamento) mitAuflagen zur Bauqualität, der Energieeffizienz sowie die Nutzung vonSolarenergie bringen. Auftrieb dürfte ferner von den kommendenBestimmungen für den Lärmschutz ausgehen. Bedarf besteht hier beiIsoliermaterial und Dämmstoffen.
Weiter aufwärts - so die Stimmen - dürfte sich der gesamtegewerbliche sowie kommerzielle Bereich gestalten. Hierzu zählen u.a.die Entwicklung von Gewerbeparks, die sog. polígonos industriales. Alszusätzlicher Wachstumsbereich wird der Aufbau großer Logistikzentrengewertet. Anhaltende Nachfrage wird ferner im Bereich der großenEinkaufszentren mit Freizeiteinrichtungen (wie z.B. Kinos) ausgemacht.Darüber hinaus wird in den führenden Städten des Landes immer nochBedarf an guten Büroflächen festgestellt. Schließlich dürfte in denaußerstädtischen Zonen der Bau von Business- und Wissenschaftsparksanhalten.
Als ein Wachstumssegment wird überdies der gesamte Bereich deröffentlichen Bauarbeiten gewertet. Die Firmensprecher führen zurBegründung eine Reihe von Punkten an: Laufende langfristige Vorhaben(u.a. Hochgeschwindigkeitseisenbahnlinie), unverändert hoher Bedarf anInfrastrukturbauten (u.a. Meerwasserentsalzungsanlagen), kräftig imÜberschuss befindliche Staatskassen, Interesse an einer "sanftenLandung" des Bausektors, Einschaltung der Privatwirtschaft anPPP-Vorhaben und schließlich aufgrund eines deutlich zu registrierenden"Wettkampfes" diverser Städte nach verbesserter Infrastruktur (u.a.Ausbau der innerstädtischen Verkehrs- und der Nahverkehrsnetze).
Zudem gilt der "nachhaltige Baubereich" als Wachstumssektor. Er warzum vierten Mal auf der Messe vertreten und belegte dieses Jahr eineganze Halle. Hier reichte die Palette von der Verwendungumweltfreundlicher Baustoffe über "Aktiv- und Passivhauskonzepte" bishin zur "bioklimatischen Architektur" und zum "Biohaus". Außerdemstellte das Staatliche Zentrum für Erneuerbare Energie (CENER) dasQualitätszeichen für umweltfreundliche Gebäude ("Sello CENER de CalidadMedioambiental en la Edificación", CME) vor.
Die deutsche Unternehmenspräsenz war in allen Hallen deutlich zusehen. Für viele Firmen ist Spanien z.T. schon seit mehrerenJahrzehnten ein wichtiger Exportmarkt. Die Produktpalette reicht hiervon Bohr- und Sägeanlagen zur Stahlbearbeitung für Brückenbauten,Ringtrogmischer, Tunnel- und Mörtelmaschinen, Industriepumpen, überKrane, Arbeitsbühnen und den Gerüstbau bis hin zu Prüf- undMessgeräten, Präzisionswerkzeug, Schneidewerkzeug sowie Fachwerkzeugefür Installateure und Elektriker. In den meisten Fällen wurde dieseinerzeitig bestehende Vertretung in eine Vertriebs- undServiceniederlassung umgewandelt. Diesen Firmen gab die MesseGelegenheit, Produktneuheiten vorzustellen und die Kunden- sowieHändlerbetreuung wahrzunehmen.
Eine größere Zahl von Unternehmen war erstmals auf der Messe. Sou.a. die Mehrzahl der auf dem offiziellen Infostand des FreistaatesBayern vertretenen Betriebe. Es handelte sich um einenFirmengemeinschaftsstand, organisiert von "Bayern International" fürIndustrie und Handwerk mit elf Ausstellern, darunter einer Gruppe"Bayern Handwerk Exclusiv" mit 13 Firmen des Bauausbaugewerbes. DieHandwerker suchten vor allem im Rahmen privater Bauvorhaben Kontakte zuArchitekten sowie im Gewerbebau zu den Entscheidungsträgern deutscherUnternehmen, während bei den meisten anderen Ausstellern dieVertretersuche im Vordergrund stand.
Deutlich verschieden von Deutschland sind die Vertriebswege imBausektor. In Spanien sind die Großbaumärkte weniger vertreten. Wichtigsind dagegen die fachspezifischen Ketten. Auch hat die regionaleAusrichtung eine größere Bedeutung. Führende Großbaumärkte sind Bauhausund Leroy Merlin. Den deutschen Großhändlern vergleichbar sind die"Tiendas de Materiales de Construcción" bzw. die "Almacenistas yDistribuidores". So gibt es z.B. spezifische Vertriebswege imSanitätsbereich und bei den Armaturen, bei Toren, Türen- undFenstersystemen, bei Farben, Lacken und Tapeten, beiElektroinstallation und Heizungsbau.
Der übliche Weg wird zunächst die Suche nach einer gut eingeführtenVertreterfirma sein. Je nach Produkt und Dienstleistung ist zudem nacheinhelliger Auffassung auf den Ständen das gezielte Bewerben der imBaugewerbe entscheidenden Akteure wichtig: Architekten undBauingenieure. Sie gilt es zu überzeugen, so dass als Problemlösung,das Produkt bzw. die Serviceleistung bereits gezielt in die Planungaufgenommen wird. Kontaktaufnahme zu diesen Gruppen kann u.a. mitInfoständen an den spezifischen Fachseminaren und Symposien sowiemittels Werbung in den führenden Fachzeitschriften vorgenommen werden.
Von den Ausstellern wird zwar eingestanden, dass die spanischenAbnehmer recht preisbewusst sind. Generell ist aber auch ein Trend zuhöherer Qualität zu beobachten. Zudem gewinnen Lebensdauerberechnungen,Sicherheitsaspekte, Service, Kompatibilitäts- undRentabilitätsstandards an Bedeutung. Letztendlich ist - so nicht wenigeAussteller - das Markenzeichen "Made in Germany" nicht unwichtig fürden Kaufzuschlag.
Messe
"CONSTRUMAT"
http://www.construmat.com und http://www.firabcn.es
Quelle: bfai Bundesagentur für Außenwirtschaft Link: http://www.bfai.de


