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Griechenland

Nordgriechenland setzt auf die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen


Chancen für Joint Ventures und Fusionen / Know-how-Transfer gefragt

Die exportorientierte Region Nordgriechenland bietet ausländischen Unternehmen zahlreiche Chancen für eine Zusammenarbeit, vorrangig im verarbeitenden Gewerbe. Potenzielle Investoren können die gut ausgebildeten Fachkräfte nutzen. Ebenso interessant sind Kooperationen zur Auftragsfertigung mit Unternehmen vor Ort. (Kontaktanschriften)

Nordgriechenland erwirtschaftet rund 25% des griechischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die stärkste Provinz ist Zentralmakedonien, die 68% zur regionalen Wirtschaftsleistung beiträgt. Es folgen Ostmakedonien mit 20% und Westmakedonien mit 12% (Stand 2010). In Nordgriechenland gibt es zahlreiche Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes unterschiedlicher Branchen. Darüber hinaus verfügt die Region über qualifizierte Fachkräfte und über eine gut ausgebaute Infrastruktur. Die Produktionskapazitäten vieler nordgriechischer Unternehmen sind jedoch nicht ausgelastet, nicht zuletzt auf Grund der Wirtschaftskrise. Die anhaltende Rezession im Land führte auch zu einer Vertrauenskrise, durch die langjährige Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Firmen, vorrangig mit deutschen, auseinanderbrachen. Und das, obwohl keine ernsthaften Probleme der griechischen Geschäftspartner vorlagen.

Das deutsche Generalkonsulat in Thessaloniki, die Industrie- und Handelskammer in Athen sowie die wichtigsten Verbände der Region wollen die angeschlagenen deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen wieder beleben. Hierfür wurde die Internetseite http://www.pro-greece.com gegründet. Sie soll griechischen und deutschen Unternehmen eine Plattform bieten, auf der sie ihre vorhandenen Kapazitäten beziehungsweise Bedürfnisse angeben können. So sollen kurzfristig Auftragsfertigungskapazitäten für deutsche Unternehmen herangeschafft werden.

Im Rahmen solcher Kooperationen können deutsche Unternehmen beispielsweise Maschinen, Zulieferteile und industrielle Produkte in Griechenland produzieren lassen. Auch im Dienstleistungsbereich, beispielsweise im Tourismus und bei Planungsbüros, könnten sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. Dabei würden die Deutschen von den geringen Arbeitskosten und vom Knowhow der gut ausgebildeten griechischen Arbeitskräfte profitieren. Chancen bestehen zum Beispiel in der Kfz-Branche, unter anderem bei der Herstellung von Reifen, und in der Metallverarbeitung.

Interessante Branchen in Nordgriechenland sind außerdem die Aquakultur, die Geothermie, die Abfallverwertung und die chemische Industrie. Die lokalen Betriebe produzieren unter anderem Generika, Düngemittel und Kunststoffprodukte.

Durch Auftragsfertigungskooperationen können ausländische Unternehmen insbesondere wissens- und innovationsintensive Produktionsverfahren der Region nutzen. Die enge Zusammenarbeit zwischen griechischen und deutschen Universitäten sowie griechischen Forschungs- und Entwicklungszentren bieten gute Voraussetzungen für die Region sich als Innovationsstandort zu profilieren. Nachholbedarf besteht allerdings in der engeren Verflechtung zwischen wissenschaftlichen Zentren und der Industrie.

Nordgriechenland genießt im Rahmen des Investitionsförderungsgesetzes (Nr. 3908/2011, http://www.et.gr ) erhöhte Zuschüsse bis zu 50%. Auch sind bis zu 60% möglich, wenn die Projekte unter den Nationalen Strategischen Rahmenplan fallen. In einigen Regionen Nordgriechenlands werden die Arbeitskosten bis zu 12% subventioniert.

Griechische Landwirtschaft muss wettbewerbsfähiger werden

Neben der verarbeitenden Industrie spielt auch die Landwirtschaft in Nordgriechenland eine bedeutende Rolle, insbesondere in Thessalien, Zentralgriechenland und Makedonien. Allerdings besteht in diesem Sektor ein großer Modernisierungsbedarf. Deutsche Maschinen und Geräte haben zwar einen sehr guten Ruf auf dem griechischen Markt, jedoch halten die hohen Preise die Landwirte von Käufen ab. Italienische Maschinen sind da konkurrenzfähiger. Auf dem Vormarsch sind auch türkische sowie chinesische Produkte.

Damit die griechische Landwirtschaft wettbewerbsfähiger wird, reichen moderne Maschinen alleine nicht aus. Auch die Produktion an sich müsse stärker vertikalisiert werden, urteilen Industrie- und Handelskammern sowie Export- und Industrieverbände. Die Unternehmensberatung McKinsey-Studie rät in ihrer Studie "Greece 10 Years ahead" zu Fusionen und zu Gründungen von Joint Ventures.

Die landwirtschaftlichen Unternehmen in Griechenland sind durchaus bereit, sich den Anforderungen der ausländischen Märkte anzupassen. Allerdings bedauern sie die unzureichende Information hinsichtlich der ausländischen Märkte sowie der nötigen Zertifizierungen und das Fehlen adäquater Netzwerke besonders in Deutschland.

Zur Behebung des Informationsproblems soll ein Agromarketing- Unternehmen gegründet werden. Damit könnten landwirtschaftliche Produkte auch effektiver gefördert werden. Darüber hinaus ist die Einführung einer Vertragslandwirtschaft geplant.

Die jahrelangen EU-Subventionen in der Landwirtschaft, gemessen an der Anbaufläche, hatten eher negative Folgen, da weder das Produktmarketing noch die Modernisierung der Produktionsverfahren gefördert wurden, meinen Experten.

Nordgriechische Unternehmen setzen auf den Export

Die geographische Lage Nordgriechenlands als Brückenkopf zwischen West und Ost begünstigt Exportunternehmen, so der Exporteurverband Nordgriechenlands. Ein besonderer Knotenpunkt zwischen den Ländern der Balkanhalbinsel, Zentraleuropas und Asien sind die beiden Häfen der Region Thessaloniki und Alexandroupolis.

Im Jahr 2011 stiegen die nordgriechischen Exporte um 12% und damit stärker als der Landesdurchschnitt. Auf Grund der nachlassenden Binnennachfrage versuchen nordgriechische Unternehmen ihr Glück verstärkt auf ausländischen Märkten. Die Gesamtausfuhren des Landes nahmen 2011 um 9,4% zu (ohne Brennstoffe, inklusive Schiffe). Im Jahr 2012 haben die gesamtgriechischen Exporte um 5,1% zugelegt. Wichtigste Exportregion des Landes war Peleponnes, gefolgt von Zentralmakedonien.

In Nordgriechenland gilt Zentralmakedonien als bedeutendste Exportregion. Im Jahr 2011 kamen etwa 80% der Ausfuhrprodukte aus diesem Teil des Landes. Ostmakedonien und Thrakien trugen je 12% zum nordgriechischen Exportvolumen bei. Aus Westmakedonien wurden über 8% ausgeführt.

Die Exporte aus dem Norden des Landes unterscheiden sich leicht nach den Regionen. Zentralmakedonien exportiert traditionell Lebensmittel, insbesondere zubereitetes Gemüse, Obst und Früchte. Diese Warengruppen machen etwa 27% der regionalen Gesamtexporte aus. Darüber hinaus wird Strickbekleidung ausgeführt.

Ostmakedonien und Thrakien setzen auf die Lieferung von Strickwaren. In den Jahren 2007 bis 2011 haben diese jedoch stark nachgelassen. Eine besondere Dynamik entwickeln Düngemittel und nicht-metallische Mineralien wie Salz, Schwefel, Gips, Kalkstein und Zement.

Exportschlager Westmakedoniens sind Felle und Pelze mit einem Anteil von 67% an den regionalen Gesamtlieferungen im Jahr 2011. Öle und Fette, Milchprodukte sowie frisches Obst und Früchte, aber auch Metallprodukte wie Eisen und Stahl haben gute Chancen auf ausländischen Märkten.

Thessaliens Stärke sind Lebensmittel und Getränke. Etwa 23% der griechischen Früchte für den Export stammen aus dieser Region, so die Industrie und Handelskammer in Larisa.

Deutschland ist traditionell das wichtigste Abnehmerland der Produkte Zentral- und Ostmakedoniens sowie Thrakiens. Es folgen die Nachbarländer Türkei, Bulgarien sowie die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien. Auch Russland, Serbien und besonders China gewinnen an Bedeutung. Westmakedonien konzentriert sich zunehmend auf den russischen Markt.

Die griechischen Importe sanken in den Jahren 2007 bis 2011 um 6,1%. Ein Drittel der Importe Zentralmakedoniens sind Mineralölerzeugnisse, gefolgt von Lebensmitteln (Fleisch, Zucker, Milchprodukte, frisches Obst und Früchte), Maschinen und Geräten sowie Chemie- und Kunststoffprodukten. Russland ist der wichtigste Lieferant der Region (15%), gefolgt von Deutschland (14%), Italien (10%), Bulgarien (5%) und der Volksrepublik China (5%).

Ostmakedonien und Thrakien importieren vor allem Lebensmittel (Fleisch, Getreide Fisch), Chemie- und Kunststoffprodukte wie Düngemittel sowie Textilwaren und Strickkleidung. Die Region bezieht etwa 21% ihrer Importe aus der Türkei. Es folgen Bulgarien, Deutschland, Italien und Frankreich.

Auch für Westmakedonien sind Textilwaren und Bekleidung die wichtigsten Importgüter (81%, vor allem Felle und Pelze). Hauptlieferländer sind Dänemark, die USA, Italien und Kanada.

Die Lage der griechischen Wirtschaft bleibt weiter angespannt

Um die Sparauflagen der EU-Kommission zu erfüllen, sollen wichtige staatliche Aktiva über internationale Ausschreibungen veräußert werden. Dazu gehört der staatliche Anteil an den Häfen von Thessaloniki und Alexandroupolis. Der langwierige Prozess bis zur Privatisierung hat allerdings bereits zwei Großprojekte für die Modernisierung des gewinnbringenden Hafens von Thessaloniki auf Eis gelegt. Beide Projekte haben einen Gesamtwert von 340 Mio. Euro.

Die griechischen Unternehmen leiden unter einer hohen Steuerbelastung, einer zeitlich verspäteten Mehrwertsteuerrückerstattung und den staatlichen Außenständen. Auch die bürokratischen Verfahren und hohe Energiekosten belasten sie. Nicht zu übersehen ist hierbei, dass Kreditbriefe griechischer Banken nicht mehr angenommen werden.

Für das zweite Halbjahr 2013 rechnen die Unternehmer Nordgriechenlands mit einem weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang sowie mit einem anhaltenden finanziellen Engpass. Darüber hinaus erwarten sie rückläufige Kundenzahlen, höhere Kreditkosten und zunehmend uneinbringliche Forderungen. Exporte und ihre Marktanteile im In- wie im Ausland werden jedoch nach ihren Angaben voraussichtlich ungeschoren davonkommen.

Über 81% der nordgriechischen Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe haben ihre Investitionspläne zunächst auf Eis gelegt (20% mehr als 2009). Das ergab eine Umfrage des Industrieverbandes Nordgriechenlands im Jahr 2012. Etwa 77% klagten über schrumpfende Gewinne, trotz vorgenommener Ausgabenkürzungen. Um die 75% der befragten Unternehmen mussten höhere Kreditkosten hinnehmen, 77% bemängelten eine unzureichende Liquidität. So konnten die Firmen ihre Rohstoffe -vorrangig aus dem Ausland - nicht finanzieren und mussten die Käufe teilweise einstellen.

Bereits im Jahr 2011 schrieb die Hälfte der nordgriechischen Verarbeitungsunternehmen rote Zahlen, so der Industrieverband Nordgriechenlands. Vor der Krise waren es nur 16%. Etwa 33% der Unternehmen mussten Umsatzrückgänge zwischen 10 und 50% hinnehmen. Besonders betroffen waren kleinere Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 10 Mio. Euro.

Katastrophal ist die Lage für die Unternehmen, die Baustoffe produzieren. Etwa 70% verbuchten Verluste im Jahr 2011. Ähnlich sieht es bei der Holz- und Papierverarbeitung aus. Weniger stark betroffen sind Betriebe aus der Lebensmittel- und der chemischen Industrie. Etwa 33 beziehungsweise 38% von ihnen klagten über Minusgeschäfte.

Die schlechte Wirtschaftslage in Nordgriechenland spiegelt sich auch im BIP pro Kopf wider. So nimmt Westmakedonien den 7. Platz unter den insgesamt 13 Regionen des Landes ein, Zentralmakedonien den 10. Platz und Ostmakedonien und Thrakien den letzten Platz.

Die meisten Arbeitslosen lebten mit 30,1% in Westmakedonien und in Zentralgriechenland, wo 28,6% der Bevölkerung ohne Arbeit war (Stand: 4. Quartal 2012). Die niedrigste Arbeitslosigkeit wurde in der Südlichen Ägäis (18,0%) und auf den Ionischen Inseln (17,2%) registriert.

BIP in Nordgriechenland nach Regionen (in Mio. Euro)
  2008 2009 2010
Zentralmakedonien 32.409 31.736 30.086
Ostmakedonien und Thrakien 9.303 9.210 9.054
Westmakedonien 5.590 5.461 5.281
Thessalien 11.756 11.495 10.742
Griechenland insgesamt 233.198 231.081 222.151

Quelle: EL.STAT, Bearbeitung: SEVE

Regionales BIP pro Kopf (in Euro, in laufenden Preisen)
  2008 2009 2010
Griechenland 20.753 20.481 19.646
Attika 27.042 26.962 25.934
Südliche Ägäis 25.676 25.664 24.136
Ionische Inseln 19.456 18.440 17.189
Mittelgriechenland 19.135 18.374 18.141
Kreta 18.885 18.656 17.881
Westmakedonien 19.055 18.632 18.035
Peloponnes 16.742 16.609 15.979
Zentralmakedonien 16.703 16.277 15.386
Nördliche Ägäis 17.209 16.961 15.791
Thessalien 15.974 15.619 14.600
Westgriechenland 14.936 14.299 13.850
Ostmakedonien - Thrakien 15.336 15.182 14.931

Quelle: EL.STAT

Regionale Arbeitslosigkeit (in %)
  4. Quartal 2011 4. Quartal 2012
Ostmakedonien - Thrakien 21,1 22,0
Zentralmakedonien 22,8 27,9
Westmakedonien 25,0 30,1
Thessalien 19,4 24,4
Epirus 19,2 25,5
Ionische Inseln 13,9 17,2
Westgriechenland 19,6 27,2
Mittelgriechenland 23,6 26,6
Peloponnes 16,6 20,4
Attika 21,7 27,6
Nördliche Ägäis 16,,8 21,5
Südliche Ägäis 11,9 16,0
Kreta 17,8 23,0

Quelle: EL.STAT, Bearbeitung: SEVE

Kontaktanschriften:

Deutsches Generalkonsulat Thessaloniki

Leoforos Megalou Alexandrou 33, 546 41 Thessaloniki

Postfach 50793, 540 14 Thessaloniki

Tel.: 0030 2310/25 11 20, Fax: -24 03 93

Internet: http://www.griechenland.diplo.de/Vertretung/griechenland/de/Generalkonsulat__Thessaloniki/Deutsches__Generalkonsulat__Thessaloniki.html

Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer

Zweigstelle Nordgriechenland

Voulgari Str. 50, 542 49 Thessaloniki

Tel.: 0030 2310/32 77 33, Fax: -32 77 37

E-Mail: ahkthess@mail.ahk-germany.de, Internet: http://www.griechenland.ahk.de

Exporteurverband Nordgriechenlands(SEVE, Greek International Business Association)

Morihovou Platz 1, 546 25 Thessaloniki

Tel.: 0030 2310/53 53 33, Fax: -54 32 32

E-Mail: info@seve, Internet: http://www.seve.gr

Industrieverband Nordgriechenland

Morihovou Platz 1, 546 25 Thessaloniki

Tel.: 0030 2310/53 98 17, Fax: -54 19 33

E-Mail: info@sbbe.gr, Internet: http://www.sbbe.gr

Industrieverband Thessalien und Zentralgriechenland

El. Venizelou Str. 4, 38221 Volos

Tel.: 0030 24210/2 94 07, Fax: -2 63 94

Internet: http://www.sbtke.gr

Industrie- und Handelskammer Thessaloniki

Tsimiski Str. 29, 546 24 Thessaloniki

Tel.: 0030 2310/37 01 00, Fax: 37 01 66

E-Mail: root@ebeth.gr, Internet: http://www.ebeth.gr

Industrie- und Handelskammer Magnesia

Dimitriados Str. 176, 38 221 Volos

Tel.: 0030 24210/9 47 00, Fax: -3 12 11

E-Mail: info@c-magnesia.gr, Internet: http://www.c-magnesia.gr

Industrie- und Handelskammer Larisa

Paoakyriazi 44, 41 222 Larisa

Tel.: 0030 2410/ 25 53 88, Fax: -24 75 22

E-mail: info@larissa-chamber.gr, Internet: http://www.larissa-chamber.gr

Quelle: www.gtai.de