Ford-Zulieferer Agena baut Werk / Weitere Vorhaben auf dem Weg / Von Waldemar Lichter
Belgrad (gtai) - Einen Schwerpunkt unternehmerischer Aktivitäten in der Autonomen Provinz Vojvodina im Norden Serbiens bildet die Gemeinde Ruma. In den vergangenen Monaten konnte diese ein halbes Dutzend neuer ausländischer und lokaler Investoren anlocken. Einige Werke befinden sich bereits im Bau, für andere seien nach Angaben der Stadtverwaltung konkrete Vereinbarungen geschlossen worden. Im Vordergrund stehen dabei die Automobilzulieferbranche sowie die Textil- und Lederindustrie. (Kontaktanschrift)
Der Bürgermeister von Ruma, Goran Vukovic, kann ungeachtet der Wirtschaftskrise, die Serbien immer noch fest im Griff hat, einige Erfolge bei der Ansiedlung neuer Investoren aus dem In- und Ausland vorweisen. Derzeit werde an der Errichtung von immerhin vier Werken gearbeitet. Die Entscheidung über die Realisierung einiger weiterer Vorhaben stehe unmittelbar bevor, sagt Vukovic.
Zu den wichtigsten bereits laufenden Projekten zählt ein Werk des Automobilzulieferers Agena (gehört zur britischen Albon Engineering & Manufacturing Plc.). Geplant ist, Pleuelstangen für den US-Automobilkonzern Ford ab Anfang 2013 am Standort Ruma zu produzieren. Die Investitionskosten für vorerst zwei Projektphasen werden mit 8,5 Mio. Euro angegeben. Mit dem Bau der Anlage ist bereits im Mai 2011 begonnen worden. Die Stadt hat dem Unternehmen ein Grundstück von etwa 5 ha zur Verfügung gestellt. In der nahegelegenen Ortschaft Simanovci betreibt Agena bereits eine Fertigungsstätte für Werkzeuge und sonstige Teile für die Automobilindustrie.
Kurz vor der Fertigstellung steht in Ruma außerdem eine neue Fabrik für Damenbademode des italienischen Unternehmens Calzedonia. Das Vorhaben wird über die serbische Tochterfirma von Calzedonia, Adriana.tex mit Sitz in Sombor, realisiert. In einem ersten Schritt wird bis Ende 2012 eine 500 qm große Produktionshalle in Betrieb genommen. Bis 2015 soll deren Erweiterung auf rund 5.000 qm erfolgen. Der Gemeinderat von Ruma trägt die Erschließungskosten für das Grundstück.
In einer frühen Realisierungsphase befinden sich ferner Vorhaben zweier serbischer Investoren. In der Industriezone Rumska Petlja errichten die Belgrader Unternehmen Capital Group und Insert Kapazitäten für Hüte sowie für Schuhwerk, -teile und -zubehör, die im Auftrag bekannter internationaler Markenunternehmen gefertigt werden sollen. Die Erweiterung seines bestehenden Werks in Serbien beabsichtigt am Standort Ruma außerdem die slowenische Firma Cablex Group. Das Unternehmen stellt bereits in der ebenfalls zur Gemeinde Ruma gehörenden Ortschaft Platicevo Kabelsätze für den Bedarf von Haushaltsgeräteherstellern her.
Für einige weitere Investitionen seien nach Aussagen von Bürgermeister Vukovic konkrete Vereinbarungen unterzeichnet worden, über andere werde noch verhandelt. Im Mai 2012 unterschrieb die Stadtverwaltung mit einem schwedisch-chinesischem (VR China) Unternehmen eine Absichtserklärung über ein Projekt zur Herstellung von Kissenfüllungen, die vor allem für den Export nach Mittel- und Osteuropa bestimmt sind. Mit dem Bau des Werks könnte 2013 begonnen werden. Die Investitionskosten werden auf 20 Mio. Euro beziffert.
In einem fortgeschrittenen Verhandlungsstadium befinden sich zudem zwei Vorhaben mit deutschen Unternehmen aus der Automobilzulieferindustrie, mit den Firmen Brose und EAC. Außerdem will sich die Schweizer Firma Sika im Einzugsgebiet von Ruma mit einer Anlage zur Herstellung verschiedener Erzeugnisse der Bauchemie (Additive) ansiedeln. Darüber hinaus sei mit dem schwedischen Unternehmen Elekta eine Absichtserklärung unterzeichnet worden. Gegenstand der Vereinbarung ist die Montage von Röntgenausrüstungen und verschiedener anderer Medizintechnik sowie die Errichtung eines Service- und Ausbildungszentrums in Ruma.
Die Attraktivität von Ruma als Investitionsstandort sei nach Ansicht von Vukovic zum wesentlichen Teil der guten geografischen Lage der Stadt in der Nähe wichtiger Verkehrsachsen zu verdanken. Um Vorhaben zu ermöglichen, habe die Gemeinde Investoren in der Vergangenheit außerdem in zahlreichen Fällen Grundstücke kostenlos zu Verfügung gestellt und die Erschließungskosten erlassen. Weitere Möglichkeiten für Ansiedlungen bestehen in der Industriezone Rumska Petlja. Von den insgesamt 308 ha für Industriezwecke ausgewiesenen Flächen seien bereits 237 ha erschlossen worden.


