| von Stefan Voß | |
| Kasachstan ist durch seinen Ölreichtum diemit Abstand wirtschaftlich erfolgreichste ehemalige Sowjetrepublik inZentralasien und attraktiv für Investoren aus dem Ausland. Die Kasachensuchen Absatzwege jenseits von Russland, um ihre Abhängigkeit vomgroßen Nachbarn im Norden zu verringern. Der staatlichekasachische Energiekonzern Kazmunaigaz meint es bei fast 40 GradSteppenhitze mehr als gut mit seinen Mitarbeitern: In der imposantenFirmenzentrale in der neuen Hauptstadt Astana laufen die Klimaanlagenderart auf Hochtouren, dass sich die fröstelnden Empfangsdamen inWolldecken eingewickelt haben. Energie gibt es in derzentralasiatischen Republik im Überfluss. Deshalb suchen die KasachenAbsatzmärkte und würden gern Russland als Transitland umgehen. Eineerste Pipeline in Richtung Osten pumpt immerhin schon Öl an denenergiehungrigen Nachbarn China. Kasachstan, das am 18. August einneues Parlament wählt, zählt zu den neuen Stars unter denSchwellenländern. Unfreiwillige Bekanntheit erhielt das Land zuletztdurch den Kinofilm Borat, in dem ein britischer Komiker alsPseudo-Kasache die USA unsicher machte. Die Staatsführung um PräsidentNursultan Nasarbajew hat viele Ratschläge aus dem Westen umgesetzt. DieWirtschaft wurde weitgehend liberalisiert, vor allem der florierendeBankensektor gilt als Vorzeigebranche. Die mit Abstand reichsteRepublik im einst sowjetischen Zentralasien zieht Investitionen an.Immer mehr Investmentgesellschaften in Europa bieten einen eigenenKasachstan-Fonds an mit einer Handvoll Konzernen aus den BereichenEnergie, Finanzen und Edelmetalle. Da das Volk der Kasachen aber nur 15Millionen Menschen zählt, falle von den immensen Einnahmen aus dem Öl-und Gasexport einiges ab für die breite Bevölkerungsschicht. Wie auchRusslands Präsident Wladimir Putin hat Nasarbajew die Devisevorgegeben, dass die Abhängigkeit von den Rohstoffexporten verringertwerden müsse. "Wir wollen gern mit europäischen Unternehmen wie BASFzusammenarbeiten, denen wir eine Menge bieten können”, wirbtKasachstans Vize-Energieminister Bolat Aktschulatow. Kooperationen mit Westkonzernen DieWestkonzerne will man an Förderprojekten beteiligen, wenn sie imGegenzug ein petrochemisches Verarbeitungswerk im Land errichten.Bislang sei aber noch niemand auf das Angebot eingegangen. Das dürftewohl auch daran liegen, dass Kasachstan ungeachtet des plötzlichenReichtums nicht groß genug ist und im Rest von Zentralasienzahlungskräftige Absatzmärkte fehlen. Bislang wickeln die Kasachen denallergrößten Teil ihrer Energieexporte über die bestehendenTransportleitungen in Richtung Russland ab. Eine Kooperation mit derEuropäischen Union, die sich aus der Abhängigkeit von Russland lösenwill, sei sehr willkommen, betont Aktschulatow. Beim Gas allerdingsmehren sich die Zweifel von Experten, ob die Kasachen überhaupt diegeplante, Milliardensummen verschlingende, Nabucco-Pipeline durch dasKaspische Meer in Richtung Westen nennenswert füllen könnten. DerGroßteil der Reserven ruht im Kaspischen Meer. Der Streit mit denübrigen Anrainern, darunter dem Iran, um die genaue Grenzziehungverhindert zudem Energieprojekte unter Umgehung Moskaus. In RichtungOsten hingegen haben sich die Kasachen einen strategischen Vorteilverschafft. Im Gegensatz zu den Russen pumpen sie bereits Öl nachChina. Eine Erweiterung der Exportkapazitäten auf 20 Millionen Tonnenjährlich ist in der Planung. Die Chinesen haben einen nationalenÖlkonzern übernommen und sollen nach Schätzungen derzeit ein Fünfteldes kasachischen Öls fördern. In der kasachischen Bevölkerung herrschenjedoch starke Vorbehalte gegen die Chinesen. Die wenigen Kasachen aufeiner Fläche fünf Mal so groß wie Frankreich wären einer ExpansionChinas in der Zukunft schutzlos ausgeliefert. Auch deshalb bleiben inKasachstan die Befürworter einer weiterhin engen Anbindung an dennördlichen Nachbarn Russland in der Mehrheit. (dpa) Quele Deutsche Allgemeine Zeitung 03/08/07 |
Letzte Änderung: 06.08.2007 durch Klaus Bleibaum


