Wie der IWF am Mittwoch mitteilte, hat nun auch Pakistan den Währungsfonds offiziell um Gespräche über eine mögliche Finanzhilfe angerufen, mit der Zahlungsengpässe ausgeglichen werden sollen. "Das Land ist aufgrund der hohen Nahrungsmittel- und Energiepreise und angesichts der Finanzkrise in Zahlungsbilanzschwierigkeiten geraten", erklärte der geschäftsführende IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn.
Strauss-Kahn zufolge wird eine IWF-Delegation in den kommenden Tagen Gespräche mit den Vertretern der pakistanischen Regierung über ein Programm zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage aufnehmen. Es stehe aber noch nicht fest, in welcher Höhe sich der IWF an einem Rettungsplan beteiligen werde, erklärte Strauss-Kahn. Gespräche über finanzielle Hilfen führt der IWF gegenwärtig unter anderen auch mit Island, Ungarn, Belarus und der Ukraine.
Bisher hatte die pakistanische Regierung immer betont, nur im Notfall den IWF um Finanzhilfe bitten zu wollen. Hinter vorgehaltener Hand räumten Regierungsvertreter jedoch zuletzt ein, dass das Land um eine Unterstützung in Höhe von rund 4 Mrd USD vom Währungsfonds ersuchen werde. IWF-Regionaldirektor Mohsin Khan hatte bereits mögliche Finanzhilfen von 5 Mrd USD jeweils für dieses und für kommendes Jahr angedeutet.
Pakistan hofft nach Aussage eines Regierungsmitglieds, in einer ersten Tranche 1,5 Mrd USD zu erhalten. Die restliche Summe könne dann in fünf Zahlungen über je 500 Mio USD erfolgen, heißt es weiter aus Regierungskreisen. Allerdings werde diese Summe wohl nicht ausreichen, um einen Finanzkollaps des Landes zu verhindern. Über die nächsten zwei bis drei Jahre dürfte das Land bis zu 15 Mrd USD benötigen.
Laut einer aktuellen Studie des IWF verschlechterte sich die finanzielle Lage Pakistans angesichts politischer Instabilität und islamistischer Gewalt "erheblich". Dabei ist es zu einem starken internationalen Kapitalabfluss und einem kräftigen Abschmelzen der pakistanischen Devisenreserven auf nur noch gut 7,75 Mrd USD gekommen. Dies ist der niedrigste Stand seit sechs Jahren.
Wegen des anhaltenden Rückgangs der Währungsreserven senkte die Ratingagentur Standard & Poor\'s am Anfang des Monats die Bonitätseinstufung Pakistans. Für lang laufende Staatsanleihen in ausländischer Währung wurde die Note "CCC+" (zuvor: "B") vergeben. Das kurzfristige Rating wurde auf "C" von zuvor "B" gesenkt. Der Ausblick für das Langfristrating ist negativ.
Die pakistanische Rupie hat in diesem Jahr ein Viertel ihres Wertes verloren, der Aktienmarkt des Landes verlor 35%. Vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise und der allgemeinen weltwirtschaftlichen Abschwächung leidet das Land unter einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur, außerdem ist die Auslandsverschuldung Pakistans recht hoch. Durch die stark reduzierten Devisenreserven ist die Bedienung der internationalen Verbindlichkeiten zuletzt immer mehr in Frage gestellt worden.
Das Land hatte sich zuvor hilfesuchend an andere Länder gewandt. In der vergangenen Woche hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari Gespräche mit China über eine mögliche Kreditgewährung geführt, allerdings ohne Erfolg. In dieser Woche hatten US-Diplomaten Pakistan gewarnt, dass wegen der Kreditkrise im eigenen Land gegenwärtig kein Geld zu vergeben sei.
Quelle DowJones/NfA/24.10.2008


