Prag (bfai) - Die Herstellung und der Handel mit Sanitär- undHeizungstechnik in Tschechien folgen der Entwicklung der Baukonjunktur.Die Nachfrage wird sich voraussichtlich auch weiterhin positiventwickeln. Steigende Einfuhrwerte im Bereich Gebäudearmaturenbestätigen dies. Tschechische Hersteller konkurrieren stark über denPreis. Der Markt gilt als gut erschlossen. Ein neuer Anbieter kann sichnach Meinung von Branchenexperten nur mit einer Innovation durchsetzen.Führendes Lieferland bei Armaturen ist Deutschland.
In Tschechien beeinflussen neben der positiven Wohnungsbaudynamikzwei Faktoren den Einsatz von Heiztechnik: Die steigenden Energiepreise(Strom und Gas seit 1999 fast verdoppelt, Kohle um ein Drittelverteuert) und die Novelle des Energiegesetzes, das weiter verschärftwerden soll. Durch die Novelle sind Besitzer oder Betreiber von Kesselnab dem 1.1.07 und von größeren Klimaanlagen oder Klimasystemen ab dem1.1.09 verpflichtet, eine regelmäßige Kontrolle durchzuführen.
Tschechiens Bürger haben seit der Wende in Sachen Heizungstechnikeinige Trends mitgemacht. Erst kam die allgemeine Verstromung, dann derWechsel zum als günstiger empfohlenen Gasversorgungsnetz, an das 2005über 60% aller Städte und Gemeinden angeschlossen waren. Doch haben diesteigenden Energiepreise dazu geführt, dass in vielen Familienhäusernund auf dem Land sogar trotz eines vorhandenen Gasanschlusses wiederstärker Braunkohle verfeuert wird. Nach Informationen desUmweltministeriums sollen in Tschechien circa 700.000 HaushalteKohleöfen- oder Kessel besitzen, die aber mehrheitlich aus densiebziger Jahren stammen, von geringer Effizienz sind, mit niedrigemBrennwert und mangelnden Filtern. Außerdem sollen sie zur allgemeinenStaubbelastung der Luft mit 40% beitragen. Um ökologischer zu heizen,müssten tschechische Haushalte nach Berechnungen des Umweltministeriumscirca 2,5 Mrd. Euro investieren.
Mit Hilfe einer Energiesteuer, die Braunkohle ab 2008 um bis zu 10%verteuern könnte, will die Regierung Bürger und Gemeinden zum Einsatzökologischerer Systeme bewegen. Für Pellets und Brennholz soll außerdemein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 5% gelten. Wichtige Impulsewerden von den EU-Strukturfonds erwartet. Im Rahmen vonEmissionsverringerungen sollen Bürger und Gemeinden für den Einsatz vonklimaschonenderen Heizungssystemen wie Wärmepumpen, Biomassekesselnoder Solarthermie Zuschüsse in Höhe von bis zu 85% bekommen. DasOperative Programm Umwelt sieht von 2007 bis 2013 für die Maßnahme"Verbesserung der Luftqualität und Emissionssenkung" 634 Mio. Euro vorund für "Nachhaltige Nutzung von Energiequellen" 672 Mio. Euro.Zusätzlich hat der tschechische Staat in kleinem Rahmen von wenigenMillionen Euro ein eigenes Programm aufgelegt. Es unterstützt inWohnungen und Familienhäusern den Einsatz von Biomassekesseln (für dieVerbrennung von Holz, Pellets, Schlamm, Schnitzel), Solarsystemen zurWarmwassererzeugung, Heizung und Stromerzeugung sowie Wärmepumpen.
Die Verbraucher reagieren noch etwas verhalten angesichts diesesdritten angepriesenen Heizungssystems in weniger als 20 Jahren. Dietschechischen Hersteller von Heizkesseln für feste Brennstoffe wieAtmos, Ponast, Viadrus oder elektrische Heizungssysteme wie Feniprofitieren jedoch von den steigenden Energiepreisen in Europa und dengesamteuropäischen Bemühungen um Energieeffizienz. IhreAuslandsaufträge steigen kräftig.
Im Jahr 2006 stiegen die Importe von Armaturen um 11,6%. FührendesLieferland blieb Deutschland, wenn auch mit leicht rückläufigen Zahlen(-7,2%), vor Italien, China und Japan. Bei den Sanitärmischarmaturennahmen die Einfuhren aus Deutschland um fast 19% zu. DeutscheLieferanten lagen dabei hinter den italienischen und vor denchinesischen. Führend war Deutschland 2005 bei anderen Sanitärarmaturenund anderen Armaturen für Heizkörper von Zentralheizungen. Bei denImporten von Thermostatventilen lagen dänische Hersteller an derSpitze. Über die Inlandsnachfrage nach Gebäudearmaturen lassen sichangesichts der eingeschränkten Produktionsstatistik keine Angabenmachen.
Da Tschechiens Bauwirtschaft gegenwärtig noch vom Nachholbedarfgetrieben wird und in einem Wohnungsbauboom steckt, hat der Neubau vonjährlich circa 35.000 Wohnungen für Gebäudeinstallationen im BereichSanitär, Heizung, Klima/Lüftung große Bedeutung. Ein anhaltendesNachfragepotenzial liegt in den 2 Mio. Wohnungen, die vor 1970 gebautwurden (davon ein Viertel vor 1919). Wachsende Realeinkommen, diePopularität von Hypotheken und Bausparverträgen und nicht zuletzt dieLiberalisierung des Mietenmarktes erhöht bei Tschechiens Bürgern dieMöglichkeit, in neue Küchen, Bäder und Heizungen zu investieren oderetwa Schwimmbäder und Saunas anzuschaffen. Besonders interessant istfür die Sanitär- und Heizungstechnikindustrie der Modernisierungs- undRenovierungsbedarf bei den circa 1,2 Mio. Plattenbauwohnungen aus densozialistischen 70er und 80er Jahren.


