Projekte halten die Wirtschaft in Fahrt / Deutsche Unternehmen drängen ins Geschäft mit dem Riesenreich / Von Petra Hitzler
BEILEFELD(Dow Jones/bfai)-- Am Golf verschieben sich die wirtschaftlichenSchwergewichte. Saudi-Arabien folgt dem Beispiel Dubais und investiertMilliarden an Petrodollar in Megaprojekte. Die Regierung muss Wohnraumund Arbeitsplätze für die stark wachsende Bevölkerung schaffen. Währendan Geld und Zukunftsvisionen kein Mangel herrscht, fehlt Know-how aufallen Gebieten. Ausländischen Unternehmen bieten sich exzellenteGeschäfte.
WennChristian Selch über Saudi-Arabien spricht, gerät er ins Schwärmen: Ein"phantastisches Potenzial und gigantische Projekte" haben denAuftragseingang bei Siemens aus dem Königreich in den vergangenenJahren explodieren lassen. Die Geschäfte mit dem Land haben sich in nurdrei Jahren verdreifacht, schätzt der Präsident von SiemensSaudi-Arabien.
EinEnde des Booms ist nicht in Sicht. Die Wirtschaftsleistung außerhalbdes Ölsektors soll nach Prognosen 2007 um 7% wachsen. Das ist eingewaltiger Schub, da Saudi-Arabien mit einem Bruttoinlandsprodukt von348,6 Mrd USD (2006) mehr erwirtschaftet als die VAE und Iran zusammen.Der Aufschwung schlägt auch auf die Importnachfrage durch: Diedeutschen Ausfuhren kletterten in der ersten Jahreshälfte 2007 um 24%auf über 2,5 Mrd EUR. Dabei sind die Lieferungen, die den Umweg überdas Handelsdrehkreuz Dubai nehmen, noch nicht mitgerechnet.
Vielein den Freizonen der Emirate angesiedelte deutsche Unternehmen sind imAufbruch nach Saudi-Arabien. Die Steinel GmbH etwa baut von der JebelAli Free Zone ihr Händlernetz für den Vertrieb von Sensortechnik nachSaudi-Arabien aus. In Dubai selbst hat sich die Firma alsKomplettausstatter des Mariott Hotels und mit Folgeaufträgen bei dreiweiteren Hotelgroßprojekten einen Namen gemacht und profitiert vonguten Kontakten zur Projektentwicklungsgesellschaft Emaar, die auch inSaudi Arabien die King Abdullah Economic City baut.
Dieneue Stadt nördlich von Dschidda am Roten Meer mit einemInvestitionsvolumen von 27 Mrd USD ist die erste und größte voninsgesamt sechs neuen Industriestädten, die aus dem Wüstenbodengestampft werden. Bis 2014 erwartet Steinel-Vizepräsident Rolf Andreaseinen Umsatz von mindestens 4 bis 5 Mio EUR in Saudi-Arabien. Sein Ratfür Neulinge: die ersten Schritte auf den Markt sollten von denEmiraten aus erfolgen. Dies habe sein Geschäft vor politischen Risikenwie etwa in Iran geschützt.
AuchKüchenhersteller Poggenpohl setzt auf die Basis in den VAE, um nachSaudi-Arabien zu expandieren. Auf die künstlichen Palm-Inseln hat derostwestfälische Hersteller rund 1.500 Luxusküchen geliefert. "Von denKapazitäten sind wir schon für das ganze nächste Jahr ausgelastet",berichtet Verkaufsmanager Thomas Klee. Über die Kontakte zu denImmobilienunternehmen Emaar, Damak und Nakheel rechnet er sich inSaudi-Arabiens neuen Industriestädten gute Lieferchancen aus.
"Werbereit ist, sich auf die kulturellen Besonderheiten einzulassen und anlangfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert ist, kann richtig gutesGeld in Saudi-Arabien machen", urteilt der Gerd Doepner vom deutschenDelegiertenbüro in Riad. Seit seinem WTO-Beitritt stehe das Königreichals Handelspartner hoch im Kurs: "In der Siedlung für Ausländer, wo ichvor zwei Jahren noch unter mehr als fünf Häusern auswählen konnte, gibtes eine Warteliste von 300 Firmen."
Saudi-ArabiensBoom wird nicht mehr allein getrieben vom Ölpreis, sondern immerstärker von den Anstrengungen der Regierung, die Wirtschaft zumodernisieren und auf mehrere Pfeiler zu stellen. Die bereitserreichten Fortschritte sind schon deutlich sichtbar: In SachenWettbewerbsfähigkeit erhält das Königreich von der Weltbank in derStudie "Doing Business 2007" bessere Noten als Spanien und Portugal undschneidet deutlich günstiger als die VAE ab.
Mitden sechs neuen "Economic Cities" will Saudi-Arabien bis zum Jahr 2020eine Wirtschaftsleistung erreichen, die etwa dem Bruttoinlandsproduktvon Singapur entspricht. Jede der Industriestädte setzt auf eineKernindustrie, bei der Saudi-Arabien einen globalen Kostenvorteilgenießt. Aluminium etwa kann etwa ein Drittel billiger als in denübrigen Industrieländern produziert werden, bei Polyethylenen liegt derKostenvorteil bei 63% und in der Stahlproduktion bei 15%, so dieBerechnungen der Saudi Arabian General Investment Authority (SAGIA).
Rundum die "Cluster" sollen sich weitere Unternehmen ansiedeln, dieDienstleistungen zuliefern oder die in den Industriestädten wohnendenMenschen versorgen. Mit den Zukunftsinvestitionen soll vor allem neueArbeit ins Land kommen. Besonders bei der jungen Bevölkerung hat sichinfolge fehlender beruflicher Perspektiven große Unzufriedenheit undPerspektivlosigkeit breitgemacht. "Die Arbeitslosigkeit vor allem derunter 25jährigen ist auch ein Stabilitätsrisiko", schätzt LandeskennerChristian Selch.
Quelle: DowJones/NfA/13.9.2007


