Digitale Technik soll Produktivität erhöhen und Emissionen senken / Staat nimmt 20 Großunternehmen ins Visier / Von Rainer Jaensch
Singapur (GTAI) - Singapurs bedeutender Chemiesektor soll mit Hilfe digitaler Technik produktiver und sauberer werden. Dieses ehrgeizige Ziel hat die Regierung gesetzt und hierfür eine "Transformation Map" ausgerollt. Dabei nimmt sie mindestens 20 große Unternehmen in die Pflicht, aber ohne Zuckerbrot und Peitsche. Im Dialog mit der Wirtschaftsförderbehörde Economic Development Board und auf Eigeninteresse basierend werden die Firmen zu Modernisierungen angeregt. Erste Beispiele gibt es.
Beim weltweiten Trend zur Digitalisierung gilt die chemische Industrie eher als Nachzügler. Im ohnehin technologieverliebten Singapur treibt die öffentliche Hand den Einsatz von Industrie 4.0 voran, und nun will sie diesen auch in den Chemiesektor lenken. Bis 2020 sollen 20 der größten Chemiewerke auf der Industrieinsel Jurong Island digital aufgerüstet werden.
Dieses Ziel setzt die Regierung im Industrie-Transformationsplan für die Branche, der in der zweiten Oktoberhälfte 2017 bekannt wurde. Damit will die öffentliche Hand zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: zum einen die Produktivität der Betriebe erhöhen und zum anderen die Emissionen senken. Im Visier des Staates stehen dabei alle Raffinerien mit einer Kapazität von insgesamt über 1,3 Millionen Barrels pro Tag, die Cracker mit einer Äthylen-Produktionskapazität von insgesamt 4 Millionen Tonnen pro Jahr sowie größere nachgelagerte Chemiewerke.
Viele der Raffinerien und Chemiewerke auf Jurong Island sind in den 60iger bis 80iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts entstanden und müssen global mit moderneren Produktionsstätten konkurrieren. Dies erläuterte Damian Chan, Direktor für Energie und Chemie bei der staatlichen Wirtschaftsförderbehörde Economic Development Board (EDB), im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI).
Somit liegt es im Interesse der Unternehmen, überwiegend multinationale Konzerne, ihre Produktivität und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Das EDB hilft mit Rat und Tat, hat aber keine speziellen Finanztöpfe hierfür zur Verfügung. Auch kann es die Unternehmen nicht mit neuen Regularien in die Pflicht nehmen.


