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Spanien legt Fahrplan für Energieauktionen bis 2025 fest


Spanien legt Fahrplan für Energieauktionen bis 2025 fest | Branche | Spanien | Energie

Die spanische Regierung hat einen Auktionskalender für erneuerbare Energien bis 2025 erstellt. Fotovoltaik und Windkraft dominieren darin.

23.11.2020

Von Oliver Idem | Madrid

Auktionen bilden das zentrale staatliche Instrument zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Spanien. Die Versteigerungen von Erzeugungskapazitäten können als Untergrenze des Zubaus im Land verstanden werden. Die angegebenen Zahlen stellen die Mindestmengen an Zubau für die einzelnen Energiequellen für jedes Jahr dar.

Auktionskalender kann jährlich an den Ausbaubedarf angepasst werden 

Umwelt, Energie und Klima bilden ein zentrales Politikfeld der rot-roten Minderheitsregierung in Madrid. Mit dem Auktionsfahrplan unterstreicht das Ministerium für Energiewende, dass erneuerbare Energien ein Eckpfeiler der künftigen Energieversorgung sein werden. Die formulierten Mindestziele wurden im November 2020 für sechs Jahre festgeschrieben. Dennoch handelt es sich um ein flexibles Instrument. Der Kalender wird jährlich aktualisiert und soll dazu dienen, die im Nationalen Integrierten Energie- und Klimaplan festgelegten Ziele für die Produktion erneuerbarer Energien zu erreichen.

Die bereits seit Jahren intensiv genutzten Energiequellen Fotovoltaik und Windenergie bilden den Schwerpunkt der künftigen Pläne. Auf beide gemeinsam entfallen 95 Prozent der anstehenden 19.440 Megawatt Gesamtkapazität. Daneben kommen Biomasse, Solarthermie und weitere Energieträger zum Zuge.

In einem ersten Schritt werden bis Ende 2020 Kontingente von mindestens 3.100 Megawatt ausgeschrieben. Festgeschrieben sind Mindestwerte von 1.000 Megawatt für Windenergie, 1.000 Megawatt für Fotovoltaik und 80 Megawatt für Biomasse. Der Rest des Stromkontigents von 1.020 Megawatt soll ohne eine technologische Festlegung versteigert werden.

Kumulierte Mindestkapazitäten* der Auktionen für erneuerbare Energien

Technologie/Jahr

2020

2021

2022

2023

2024

2025

Windkraft

1.000

2.500

4.000

5.500

7.000

8.500

Fotovoltaik

1.000

2.800

4.600

6.400

8.200

10.000

Solarthermie

0

100

200

300

400

500

Biomasse

80

140

200

260

320

380

andere 

0

20

20

40

40

60

* Angaben in MegawattQuelle: Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico 2020

Der Plan legt die bietenden Unternehmen nicht auf eine einzige Energiequelle und auch nicht auf eine Direkteinspeisung fest. Es können auch Auktionen durchgeführt werden, die aus einer oder mehreren Technologien bestehen. Bei dieser Hybridisierung ist auch eine Speicherung des erzeugten Stroms erlaubt.

Gegenstand der Versteigerungen wird die installierte Leistung sein. Teilnehmende Unternehmen bieten den Preis, für den sie die von der Anlage erzeugte Energie verkaufen würden. In den Auktionen können mehrere verschiedene Technologien oder Technologiegruppen miteinander kombiniert werden. Es ist möglich, Mindestreserven für eine oder mehrere der Energiequellen festzulegen. Das Königliche Dekret 960/2020 enthält die ausführlichen Informationen zum Ausschreibungsregime für erneuerbare Energien.

Klimaplan sieht 60.000 Megawatt Zubau bis 2030 vor

Spanien nutzt das neue Auktionssystem auch, um seine Dekarbonisierungsverpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und als Mitgliedstaat der Europäischen Union zu erfüllen. Die dazugehörigen Ziele wurden im nationalen integrierten Klima- und Energieplan (PNIEC) 2021-2030 festgeschrieben. Dazu gehören sowohl die Installation von rund 60.000 Megawatt erneuerbaren Energien bis 2030 als auch die Entwicklung der Auktionen.

Das neue Versteigerungsregime ergänzt die vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanzierten Förderlinien für Investitionen in erneuerbare Energien, die vom spanischen Institut für Energiediversifizierung und -einsparung IDAE umgesetzt werden. Außerdem können Anbieter und Abnehmer in Spanien mittel- und langfristige Stromlieferverträge (power purchasing agreements, PPA) abschließen.

Spekulationen mit Anschlussgenehmigungen sollen beendet werden

Der mittelfristige Zubau so vieler neuer Anlagen wirft die Frage nach den Anschluss-, Übertragungs- und Verteilkapazitäten des spanischen Stromnetzes auf. In diesem Bereich bildete sich in den vergangenen Jahren eine massive Blase von genehmigten, aber nicht ans Netz gegangenen Anlagen heraus. Für Genehmigungen entstand ein diffuser Zweitmarkt. Für die Marktteilnehmer und die Behörden wurde es zunehmend schwieriger, tatsächliche Projekte und vielleicht nie realisierte Vorhaben voneinander zu unterscheiden. Das erschwerte auch massiv die Kapazitätsplanung für die Stromnetze und Anschlusspunkte.

Vor diesem Hintergrund beschloss die Regierung im Juni 2020 einige Neuerungen, um die Spekulationen mit Anschlussgenehmigungen zu beenden. Im Kern geht es darum, geplante Projekte früh und gründlich zu prüfen. Damit soll schnell klar werden, welche Vorhaben marktfähig und aussichtsreich sind und bei welchen erhebliche Zweifel bestehen. Mithilfe der neuen Regeln kann verhindert werden, dass unrealistische Projekte die für tatsächliche Anlagen benötigten Kapazitäten blockieren.

Erneuerbare Energien werden künftig für viele Zwecke benötigt

Der Bedarf an erneuerbaren Energien wird in Spanien künftig deutlich ansteigen. Diese Energiequellen sollen auch zur Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise einen Beitrag leisten. Ein Teil der rund 72 Milliarden Euro Zuschüsse und 68 Milliarden Euro Kredite der Europäischen Union für Spanien sollen in die Energiewende fließen.

Bis zum Abschluss des Ausstiegs aus der Kohleverstromung und der Kernenergie werden erneuerbare Energien in der Lage sein, diese Energiequellen zu ersetzen. Die Bedeutung geht aber noch über die Veränderung des Strommixes hinaus.

Für die spanische Regierung ist die Elektromobilität ein Schlüsselelement, um den Verkehrssektor zu dekarbonisieren. Entsprechend plant sie einen zügigen Hochlauf von Elektrofahrzeugen und der benötigten Ladeinfrastruktur. Zu einer vorteilhaften Umweltbilanz der Fahrzeuge soll beitragen, sie maßgeblich mit Strom aus erneuerbaren Energien zu betreiben.

Die reichhaltigen Ressourcen für die Produktion von Wind- und Solarstrom machen ihn auch für die Erzeugung von "grünem" Wasserstoff interessant. Hier sieht sich Spanien in einer guten Ausgangslage, um sich eine international starke Position zu erarbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen 8,9 Milliarden Euro an Investitionen mobilisiert werden. Der Staat will von 2021 bis 2023 erste 1,5 Milliarden Euro aus EU-Mitteln einsetzen.

Quelle: GTAI