Spanien zählt zu den führenden internationalen Kfz-Produktionsstandorten. Infolge des Halbleitermangels ist die gefertigte Stückzahl 2021 gesunken.
Strategieplan soll 24 Milliarden Euro Investitionen mobilisieren
Spanien war 2021 der zweitgrößte Fahrzeugproduzent in Europa und neuntgrößte weltweit. Laut den neuesten Angaben werden 20 Fahrzeugmodelle exklusiv in Spanien gebaut. Innerhalb Europas ist das Land der viertwichtigste Kfz-Teilehersteller. Die Unternehmensberatung EY sah die spanische Kfz- und Kfz-Teileindustrie im September 2020 im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Gelobt wurden die Logistik, die Effizienz der Hersteller und die Qualität der zugelieferten Komponenten.
Die spanische Regierung hat einen Strategieplan für elektrifizierte und vernetzte Mobilität beschlossen. Der finanzielle Beitrag des Staates beläuft sich auf 4,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen 19,7 Milliarden Euro, die Unternehmen aus der Automobilbranche aufbringen. Der Plan soll bereits bis Ende 2023 umgesetzt werden.
Das Land will sich als Hub für Elektromobilität an die europäische Spitze setzen. Alle wesentlichen Komponenten wie Batterien und Brennstoffzellen sollen in Spanien produziert werden, ebenso die Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen Mikroprozessoren und weitere Teile, die zur Vernetzung der Fahrzeuge erforderlich sind.
Die Automobilbranche zählt zu den größten Wirtschaftszweigen Spaniens. Je nach Breite der Branchendefinition trägt der Sektor etwa 9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Jahr 2021 erreichte die Kfz-Produktion rund 2,1 Millionen Einheiten. Der Umsatz mit Kfz-Teilen lag laut neuesten Angaben 2020 bei 30,2 Milliarden Euro.
Die Automobilbranche und ihre Lieferketten sind sehr stark international verflochten. Die Fahrzeughersteller sind vor allem auf große europäische Märkte ausgerichtet, insbesondere auf Deutschland.
Auch die Zulieferer sind vorwiegend auf das Ausland fokussiert. Sie exportieren 60 Prozent ihrer Fertigung direkt und inklusive der in Fahrzeugen verbauten und ausgeführten Fahrzeuge sogar 82 Prozent.
Halbleitermangel hemmt weiterhin die Kfz-Produktion
Seit Anfang 2021 beeinträchtigt der globale Halbleitermangel die Herstellung von Fahrzeugen in Spanien. Seitdem sind noch mehrere Negativfaktoren hinzugekommen. Die Energiekosten sind seit dem 2. Halbjahr 2021 sprunghaft gestiegen. Zudem haben sich wichtige Rohstoffe wie Kobalt, Lithium und Nickel massiv verteuert.
Der Krieg in der Ukraine sorgt für zusätzliche Unsicherheiten. Innerhalb weniger Wochen wurden Kabel, Aluminium, Nickel und Palladium aus Russland und der Ukraine knapp.
Ford vereinbarte aufgrund fehlender Komponenten für das 2. Quartal 2022 Kurzarbeit am Standort Almussafes (Valencia). Dort soll an 15 Tagen die Produktion von Fahrzeugen und Motoren ruhen. Mercedes-Benz in Vitoria hielt die Produktion in Vitoria am 21. März an und setzt auf eine wöchentliche Planung der Arbeitsschichten.
Die führenden Automobilhersteller und Zulieferer investieren laufend in Modernisierungen und Anpassungen ihrer Produktionsanlagen. Pro Jahr belaufen sich ihre Investitionen laut dem Branchenverband Anfac auf insgesamt circa 3 Milliarden Euro. Die Aktivitäten erfolgen meistens auf der Basis mehrjähriger Pläne.
Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Spanien (Auswahl)
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Vorhaben
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Investitionssumme (in Mio. Euro)
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Projektstand
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Anmerkungen
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SEAT; Elektrifizierungs- und Forschungsprogramm 2021 bis 2025
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5.000
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im Sommer 2020 angekündigt
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umfasst auch die Beschaffung neuer Ausrüstung für die Produktion in Martorell (Barcelona) und weiteren Werken
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Renault; Industrieplan Spanien 2020 bis 2023
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keine Angabe
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angekündigt im Juni 2019
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umfasst eine Version des Captur mit zuschaltbarem Hybridantrieb und ein Werk zur Batteriemontage für die nächste Generation des Mégane
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Iberdrola; Aufbau von Schnelladepunkten für Elektroautos im Zentrum und Süden der iberischen Halbinsel
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150
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in Umsetzung
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insgesamt 150.000 Ladestellen vorwiegend mit 50 kW sowie weitere mit 100, 150 und 350 kW
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Endesa; Aufbau von Ladepunkte für Elektroautos
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100
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in Umsetzung bis Ende 2023
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insgesamt 6.500 Ladestellen landesweit; vorwiegend Schnelladepunkte; davon 2.800 bereits eingerichtet
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Bridgestone; Optimierung des Reifenwerks in Burgos
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70
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Strategie 2018 bis 2022
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Prozessoptimierung, Einführung neuer Produkte und Digitalisierung
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CIE Automotive; Investitionen in Innovationen und Nachhaltigkeit
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keine Angabe
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Investitionsplan 2018 bis 2022
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Unterstützung durch die Europäische Investitionsbank von 25,7 Millionen Euro für Maßnahmen in spanischen CIE-Werken
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Quelle: Presseberichte; Recherchen von Germany Trade & Invest
Spanien beherbergt eine breit aufgestellte Teileindustrie für Fahrzeuge. Diese stützt sich vor allem auf den Export, versorgt aber auch den Binnenmarkt und lokale Kfz-Hersteller. Bedingt durch die Verwerfungen der Coronakrise fiel der Umsatz 2020 unter den Stand des Jahres 2015.
Umsätze auf dem Kfz-Teilemarkt in Spanien (in Milliarden Euro)
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Bereich
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2017
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2018
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2019
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2020
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Insgesamt
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36,2
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37,2
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35,8
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30,2
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Inlandsmarkt
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16,2
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15,8
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15,1
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12,3
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OEM
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10,9
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10,3
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9,8
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7,7
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Aftermarket
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5,3
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5,5
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5,3
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4,6
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Export
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20,0
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21,4
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20,7
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17,9
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Quelle: Branchenverband Sernauto
Insgesamt sind in Spanien rund 1.000 Hersteller von Kfz-Teilen vertreten. Der Fachverband Sernauto repräsentiert nach eigenen Angaben 85 Prozent des Sektors.
Kfz-Hersteller produzieren an 18 Standorten
Seat und Volkswagen, Ford, General Motors, Irizar, Iveco, Mercedes-Benz, Renault und Stellantis fertigen Kfz in Spanien. Bis auf den baskischen Bushersteller Irizar sind sie im Fachverband Anfac organisiert. Dieser hat eine Übersichtskarte mit den Aktivitäten seiner Mitgliedsunternehmen im Land erstellt.
Der Aufbau neuer Produktionsstätten zeichnet sich bereits ab. Die indische Switch Mobility legte im März 2022 den Grundstein für ein Werk in Valladolid. Dort sollen Busse und Lieferwagen mit Elektromotoren gebaut werden.
In Barcelona knüpfen zwei Unternehmen an die Fertigung von Nissan an. Die spanischen Unternehmen QEV Technologies und B-Tech setzen auf Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb. Beide zusammen visieren eine Jahresproduktion von 100.000 Einheiten an. QEV will 60.000 Fahrzeuge der Marke Zeroid bauen und B-Tech will die Marke Ebro mit 40.000 Pick-ups jährlich wiederbeleben.
Seat plant ab 2026 die Herstellung von Fahrzeugbatterien mit einer Kapazität von 40 Gigawattstunden pro Jahr. Dazu will das Unternehmen etwa 7 Milliarden Euro am Standort Sagunto (Valencia) investieren. Für das Projekt setzt Seat auch darauf, Fördermittel aus dem staatlichen Strategieplan Elektromobilität zu erhalten.
Das spanische Unternehmen Bold plant eine kleinere Batteriefabrik. In Montmeló (Barcelona) sollen unter anderem Batterien für Motorsportfahrzeuge entstehen.
Spaniens umsatzstärkste Kfz-Teilehersteller (Umsätze 2019, in Millionen Euro)
Die starke Präsenz internationaler Fahrzeughersteller in Spanien bedeutet auch eine vielfältige Zulieferlandschaft aus ausländischen und lokalen Produzenten.
Produktionsvolumina der spanischen Automobilindustrie (in Einheiten; Veränderungen in Prozent)
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Kategorie
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2019
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2020
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2021
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Veränderung 2021/20
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Pkw 1)
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2.248.019
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1.800.664
|
1.662.174
|
-7,7
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Leichte Nutzfahrzeuge und Lkw 2)
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578.823
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467.521
|
435.959
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-6,8
|
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Insgesamt
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2.822.360
|
2.268.185
|
2.098.133
|
-7,5
|
1) inklusive Geländewagen; 2) inklusive VansQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto
Kfz-Produktion fiel 2021 weiter zurück
Das Produktionsvolumen der Fahrzeughersteller in Spanien sank 2021 sowohl bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen. Der Mangel an Halbleitern war die Hauptursache für ein um 7,5 Prozent schwächeres Resultat als im Pandemiejahr 2020.
Ausfuhrvolumina der spanischen Automobilindustrie (in Einheiten; Veränderungen in Prozent)
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Kategorie
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2019
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2020
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2021
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Veränderung 2021/20
|
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Pkw 1)
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1.904.311
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1.588.889
|
1.455.634
|
-8,6
|
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Leichte Nutzfahrzeuge und Lkw 2)
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403.633
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362.559
|
365.093
|
0,7
|
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Insgesamt
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2.310.070
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1.951.448
|
1.820.727
|
-6,7
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1) inklusive Geländewagen; 2) inklusive VansQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto; Berechnungen von Germany Trade & Invest
Im Jahr 2021 wurden 87 Prozent der in Spanien gebauten Fahrzeuge exportiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf europäischen Märkten. Die meisten Kfz wurden nach Frankreich, Deutschland und Italien geliefert.
Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Spanien (in Millionen Euro, Veränderung in Prozent)
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Jahr 2020 *)
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Jahr 2021*)
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Veränderung 2021/20
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Einfuhr aus Deutschland *)
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SITC 778.3 Kfz-Elektrik
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1.173
|
1.178
|
0,4
|
172
|
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SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.
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12.943
|
13.742
|
6,2
|
2.636
|
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SITC 773.13 Zündkabelsätze
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1.767
|
1.598
|
-9,6
|
20
|
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SITC 713.2 Motoren
|
2.808
|
2.528
|
-10,0
|
1.186
|
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Summe
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18.691
|
19.046
|
1,9
|
3.695
|
*) vorläufigQuelle: Datacomex
Unter anderem aufgrund der Präsenz deutscher Fahrzeughersteller ist Deutschland ein bedeutendes Lieferland für Fahrzeugteile. Besonders hoch war der proportionale Lieferanteil 2021 bei Motoren (SITC 713.2).