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Spanien

Spaniens Automobilbranche ringt mit Knappheit und hohen Kosten


Spanien verfügt über eine wettbewerbsfähige Automobilindustrie. Lieferengpässe bei Vorprodukten und hohe Energiekosten trüben jedoch den Ausblick für das Jahr 2022. 

19.04.2022

Von Oliver Idem | Madrid

  • Markttrends

    Emissionen zu reduzieren ist der größte Trend im spanischen Automobilsektor. Hilfsgelder der Europäischen Union sollen helfen, diese Veränderungen voranzutreiben.

    4,3 Milliarden Euro staatliche Fördermittel vor der Verteilung

    Spanien folgt dem internationalen Trend zur Abkehr von fossilen Energieträgern und will die Emissionen senken. Das Land hat sich als Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen und der Europäischen Union den jeweiligen Klimazielen verpflichtet. Das erfordert auch einen erheblichen Wandel im Automobilsektor. Für die Veränderungen existieren finanzielle Fördermaßnahmen der Regierung.

    Spanien verfügt seit Mai 2021 über ein Klimagesetz, das Leitlinien für die Energiewende und die Emissionsreduzierung vorgibt. Dieses legt erstmals fest, dass spätestens 2050 die Klimaneutralität erreicht sein soll.

    Auf der Basis dieses Gesetzes werden schrittweise nationale Energie- und Klimapläne beschlossen. Die aktuelle Version umfasst den Zeitraum 2021 bis 2030. Bis dahin sollen die Emissionen um 23 Prozent unter das Niveau von 1990 gedrückt werden. 

    Aufgrund der besonders starken Betroffenheit von der Coronapandemie erhält Spanien die höchsten Direktzuschüsse der Europäischen Union, um die Krise zu überwinden. Insgesamt fließen 69,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2026. Die Verwendung der Gelder hat Spanien im nationalen Aufbau- und Resilienzplan festgeschrieben. Dieser berücksichtigt unter anderem den Ausbau erneuerbarer Energien, verschiedene Anstrengungen zur Dekarbonisierung und nachhaltige Mobilität.

    Auf der Basis europäischer Fördergelder hat der Mobilitätssektor einen eigenen Strategieplan erhalten. Dieser gibt Impulse für elektrifizierte und vernetzte Fahrzeuge. Spanien soll durch den Aufbau einer Infrastruktur für die Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen eine führende Position in Europa einnehmen. Der staatliche Beitrag beläuft sich auf 4,3 Milliarden Euro. Die Regierung setzt darauf, damit weitere 19,7 Milliarden Euro private Investitionen anzuschieben. Bis zum 3. Mai 2022 läuft die Frist für Anträge auf die Förderung.

    Spanien befindet sich nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 10,8 Prozent im Jahr 2020 wieder auf Erholungskurs. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass erst im Laufe des Jahres 2023 das Vorkrisenniveau überschritten wird. 

    Private Haushalte sparten in der Coronakrise noch wesentlich höhere Teile ihrer Einkommen als während der Weltfinanzkrise. Dazu trugen unsichere Arbeitsplatzerwartungen und fehlende Möglichkeiten zum Geldausgeben bei. Mittlerweile sendet der Arbeitsmarkt positive Signale.

    Der Konsum der privaten Haushalte lag im 4. Quartal 2021 um 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Unter anderem nahm die Bereitschaft zu, Wohnungen und Häuser zu kaufen. Im neuen Jahr beschleunigte sich der Anstieg der Verbraucherpreise allerdings massiv. Viele elementare Ausgabenposten wie Energie und Lebensmittel verteuern sich rapide. Im März 2022 lag der Verbraucherpreisindex um 9,8 Prozent über seinem Vorjahresstand.

    Dass der Inflationsschub abklingt, war im Frühjahr noch nicht in Sicht. Das Verbrauchervertrauen und die Investitionsneigung dürften in den kommenden Monaten beeinträchtigt werden.

    Kaufanreize für neue Elektrofahrzeuge

    Der Plan Moves III fördert mit einer Grundausstattung von 400 Millionen Euro vor allem den Kauf von batterieelektrischen und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Wird für das neue Kfz ein mindestens sieben Jahre altes Fahrzeug verschrottet, steigt die Prämie an. Maximal können für den Kauf eines neuen Lieferwagens 9.000 Euro Unterstützung fließen. Unter einigen Voraussetzung wird auch die Einrichtung eines Ladepunkts bezuschusst. Die einzelnen Autonomen Gemeinschaften Spaniens haben den Plan Moves III in unterschiedlichem Tempo in Kraft gesetzt. 

    Fördergelder sind nicht das einzige Mittel, um die Verkehrswende voranzutreiben. Alle Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern sollen nachhaltige Mobilitätspläne entwickeln. Dazu gehören auch Niedrigemissionszonen. Wenn in Gemeinden ab 20.000 Einwohnern die Luftqualität nicht gut ist, sollen auch diese Zonen definieren, um den Schadstoffausstoß zu senken.

    Branchenverband mit eigener Roadmap für nachhaltige Mobilität

    Vor dem Hintergrund des Trends zu alternativen Antrieben und Veränderungen der Wertschöpfung hat der Branchenverband ANFAC einen Fahrplan für die zwei Jahrzehnte bis 2040 erstellt. Ziel ist es, dass Spanien eine Führungsrolle bei der nachhaltigen Mobilität übernimmt. Kernpunkte des im März 2020 veröffentlichten Plans sind die Dekarbonisierung und die Digitalisierung der Industrie. 

    Die Kooperation zwischen Staat und Unternehmen wird von beiden Seiten als positiv betrachtet. Aus industriepolitischer Sicht ist die Automobilbranche als innovativer exportstarker Zweig ein gewichtiger Faktor. Zudem besitzen die Unternehmen eine Schlüsselrolle, um die Verkehrswende umzusetzen. Für ihre Innovationen wiederum stellt der Ausbau der 5G-Mobilfunkinfrastruktur eine wichtige Voraussetzung dar. Nicht zuletzt bilden Fördergelder einen zusätzlichen Anreiz für Investitionen.

    Wasserstoff soll auch im Verkehrssektor eine Rolle spielen

    Im Bereich der alternativen Antriebe spielt die Elektromobilität eindeutig die Hauptrolle. Mehr Details dazu stehen im Abschnitt E-Mobility.

    Darüber hinaus sieht Industriestaatssekretär Raúl Blanco die Chance für eine starke Position Spaniens bei Brennstoffzellen. An deren Entwicklung werde bereits gearbeitet und mit Unternehmen wie Enagas und Acciona sei die Basis für eine Pionierrolle in dieser Technologie vorhanden.

    Gemäß dem Plan der Regierung sollen 2030 zwischen 150 und 200 mit Wasserstoff betriebene Busse fahren. Hinzu kommen 5.000 bis 7.000 Fahrzeuge aus Handel und Industrie. Ein Viertel des verbrauchten Wasserstoffs soll aus erneuerbaren Quellen stammen. Hierfür bildet der massive Ausbau der erneuerbaren Energien eine immer bessere Grundlage. Hinsichtlich der Infrastruktur von Wasserstofftankstellen ist aber noch viel Aufbauarbeit zu leisten.

  • E-Mobility

    Spanien zielt bis 2030 auf einen Bestand von 5 Millionen Elektrofahrzeugen ab. Fahrzeugverkäufe und der Ausbau der Infrastruktur nehmen zu, jedoch langsamer als vorgesehen. 

    Elektromobilität ist der zentrale Baustein der künftigen Mobilität

    Die spanische Regierung hat die Energie- und Klimapolitik zu einem der wichtigsten Schwerpunkte ihrer Arbeit gemacht. Die Anstrengungen gehen in Einklang mit den Zielen der Europäischen Union in Richtung Dekarbonisierung des Verkehrssektors und der Klimaneutralität.

    Auch der Fahrzeugherstellerverband Anfac hat sich in Richtung eines neuen Mobilitätsverständnisses aufgestellt. Das schließt auch die Vernetzung von Fahrzeugen und die Erschließung weiterer Geschäftsfelder ein.

    Bislang verkaufen sich in Spanien nicht aufladbare Hybride weitaus besser als Plug-in-Hybride beziehungsweise rein batterieelektrische Kfz. Von 1,04 Millionen verkauften Kraftfahrzeugen im Jahr 2021 waren knapp 223.400 Hybridfahrzeuge ohne Ladeoption. 

    Aufladbare Hybride wurden von lediglich rund 43.300 Kunden erworben. Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen fiel die Zahl noch geringer aus. In dieser Kategorie lagen die Verkäufe bei knapp 27.800 Einheiten. 

    Der Markt für Elektrofahrzeuge erwies sich 2021 als stark fragmentiert. Bei vollelektrischen Pkw führten der Tesla 3, Kia Niro und Renault Zoe die Verkaufslisten an. In der Kategorie Plug-in-Hybride verkauften sich der Peugeot 3008, Kia XCEED sowie die A-Klasse von Mercedes-Benz am besten.

    Bei den nicht aufladbaren Hybrid-Pkw hatte Toyota mit zwei Modellen die Nase vorn, nämlich dem Corolla und dem C-HR. Der Fiat 500 schaffte es auf den dritten Rang. Damit konnte sich Fiat als einzige nicht asiatische Marke unter den fünf meistverkauften Modellen positionieren.

    E-Mobility verbreitet sich vor allem in städtischen Gebieten

    Bisher ist Elektromobilität vor allem in den größeren Städten ein Thema. In Madrid liegt der Bestand von 18 Sharing-Anbietern laut neuesten Angaben bei etwa 22.500 Einheiten. Dazu zählt eine breite Palette von elektrischen Pkw, Motorrädern, Rollern und Fahrrädern. 

    Dass Elektromobilität auch ein Konzept für den ländlichen Raum sein kann, beweist Spaniens flächenmäßig größte Provinz Badajoz. Die Gebietskörperschaft von der Größe Hessens hat sich zu einem Vorreiter entwickelt. Im Rahmen des Programms Movem (Plan de Movilidad de Vehículos Eléctricos en Municipios) flossen 6 Millionen Euro in den Kauf von 200 Fahrzeugen. 

    Zudem entstand ein Netz von öffentlichen Ladestationen für 1 Million Euro. Dieses besteht aus neun Ladepunkten mit 50 Kilowatt und 23 weiteren mit 22 Kilowatt Ladeleistung. Im Mittelpunkt steht ein unkomplizierter Zugang. Um den Bedürfnissen der Nutzer entgegenzukommen, genießen die Wartung und Ansprechbarkeit bei Problemen Priorität. Eine zeitweise kostenlose Nutzung bot einen zusätzlichen Anreiz, die Infrastruktur zu nutzen.

    Allgemeine Hindernisse für eine schnellere Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Spanien sind laut Anfac der Preisunterschied zu herkömmlichen Kfz und Schwierigkeiten bei der Nutzung. Letztere umfassen den Ausbaustand der Infrastruktur, die Dauer der Ladevorgänge und die Reichweite des Fahrzeugs.

    Ladeinfrastruktur benötigt weitere Investitionen

    Spanien verfügt über kein zentrales Register für Auflademöglichkeiten. Berechnungen von Anfac zufolge existierten Ende 2021 rund 13.400 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Davon befanden sich knapp 7.700 Stück in städtischen Gebieten. 

    Innerhalb eines Jahres wuchs die Zahl der Lademöglichkeiten damit um 56 Prozent. Nach Berechnungen von Anfac reicht diese Zunahme aber nicht aus. Auf der Basis der Ziele für 2030 kalkuliert der Fachverband, dass das Ladenetz etwa doppelt so viele Stellen umfassen müsste.

    Im Ausbau der Ladeinfrastruktur engagieren sich bislang zum Beispiel große Energieversorger und Einzelhandelsketten. Im Februar 2021 gab der Energie- und Petrochemiekonzern Repsol einen umfangreichen Plan bekannt. Das Unternehmen beabsichtigt, alle 50 Kilometer für eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge zu sorgen. Etwa 1.000 der insgesamt 3.400 Tankstellen von Repsol werden Ladepunkte erhalten. Der verwendete Strom soll vollständig aus regenerativen Quellen stammen. Repsol kooperiert mit Nissan und will für die Fahrzeuge des Herstellers vergünstigten Strom anbieten.

    Der Betrieb der Ladeinfrastruktur in Spanien rechnet sich bislang insgesamt noch nicht. Solange weniger aufladbare Elektrofahrzeuge unterwegs sind als geplant, leidet auch die Rentabilität von Ladesäulen. Dem Vernehmen nach erreichen viele Ladepunkte noch nicht die Anzahl an Ladevorgängen, ab der sie wirtschaftlich betrieben werden können. 

    Der Energie- und Klimaplan der spanischen Regierung strebt bis 2030 einen Fahrzeugpark von 5 Millionen elektrisch betriebenen Kfz an. Dazu zählen 3 Millionen Elektro-Pkw sowie 2 Millionen Lieferwagen, Autobusse und Motorräder. Bis 2040 sollen die neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge ohne CO2-Ausstoß auskommen. Ein Etappenziel aus dem Erholungsplan von Oktober 2020 sind 250.000 Elektrofahrzeuge im Jahr 2023.

    Die Regierung setzt massiv auf den Ausbau erneuerbarer Energien für die künftige Energieversorgung. In der Kombination von "grünem" Strom und der Elektromobilität liegt ein Schlüssel dazu, die direkten und indirekten Emissionen im Verkehrssektor zu senken.

    Programm Moves III regelt die Förderung für Elektrofahrzeuge

    Die mittlerweile dritte Auflage des Programms Moves umfasst 400 Millionen Euro, mit denen der Kauf von Elektrofahrzeugen gefördert wird. Unter den günstigsten Voraussetzungen kann ein Zuschuss von 9.000 Euro gewährt werden. Die einzelnen Autonomen Gemeinschaften in Spanien mussten den Plan jeweils in Kraft setzen. Das taten sie laut Medienberichten zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten.

  • Marktchancen Kfz-Absatzmarkt

    Der spanische Absatzmarkt steht 2022 im Zeichen eines knappen Angebots und einer unsicheren Nachfrage. Elektrofahrzeuge werden zunehmend nachgefragt, ebenso Gebrauchtwagen. 

    Fahrzeugangebot bleibt zunächst knapp

    Die Erwartungen für die Verkäufe von Neufahrzeugen in Spanien sind 2022 verhalten. Nach einem soliden Start in das Jahr fielen die Neuzulassungen im März 2022 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Wesentliche positive Impulse sind kurzfristig nicht zu erwarten. 

    Zunächst hatte sich die Nachfrage nach der Hochphase der Coronakrise belebt. Wegen des Halbleitermangels blieb das Angebot an Fahrzeugen jedoch knapp. Der Präsident des Fachverbandes Anfac, Wayne Griffiths, bezifferte die Produktionseinschränkungen aus diesem Grund auf etwa 30 Prozent.

    Ein Streik von Lkw-Fahrern im März 2022 bereitete zusätzliche Schwierigkeiten. Laut der Wirtschaftszeitung Cinco Días haben sich tausende Fahrzeuge in den Lagern der Hersteller angesammelt. Diese müssten erst einmal zu den Händlern transportiert werden. Beim Konzessionärsverband Faconauto besteht die Sorge, dass anhaltend schlechte Wirtschaftsdaten die Kauf- und Investitionsstimmung in Spanien drücken könnten.

    Das bereits seit Monaten knappe Angebot an Neufahrzeugen führt zum Ausweichen auf andere Möglichkeiten. Die Nachfrage verlagert sich auf Gebrauchte und sorgt bei diesen für hohe Preise. Im Pkw-Segment wechselten 2021 nahezu 2 Millionen Gebrauchtfahrzeuge die Besitzer. Das entsprach einer Zunahme um 9 Prozent. Für 2022 wird mit weiterem Wachstum gerechnet, so die Tageszeitung El Mundo. Auf mittlere Sicht dürften sich die geringeren Verkäufe neuer Fahrzeuge auch durch ein niedrigeres Angebot an Gebrauchtfahrzeugen bemerkbar machen.

    Kunden fragen mehr Elektroantriebe nach

    Ein wesentlicher Trend der vergangenen Jahre sind sinkende Verkäufe von Dieselfahrzeugen. Ihr Anteil an den Neuzulassungen erreichte 2021 nur noch 31 Prozent.

    Hingegen nehmen die Zulassungen von Hybridwagen und batterieelektrischen Fahrzeugen zu. Insbesondere bei Elektro-Pkw und Lieferwagen bis zu 3,5 Tonnen zeigt der Trend nach oben. Seit 2017 tragen diese beiden Segmente zum dynamischen Wachstum bei Elektrofahrzeugen bei. 

    Die Aufgeschlossenheit für Elektrofahrzeuge in Spanien ist hoch, die Zahlungsbereitschaft jedoch nicht unbedingt. Zu dieser Erkenntnis kommt die Wirtschaftszeitung Expansión aufgrund einer Umfrage des Beratungsunternehmen Deloitte. Nur 35 Prozent der rund 1.000 Befragten wünschen sich als nächstes Fahrzeug eines mit Verbrennungsmotor. Mehr als die Hälfte können sich einen Elektrohybrid oder Plug-in-Hybrid als künftigen Wagen vorstellen. Ein reines Elektrofahrzeug ziehen 9 Prozent in Betracht.

    Die häufigste Preisvorstellung liegt zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Diese Spanne bildet das Budget für 42 Prozent der Befragten. Weitere 22 Prozent würden zwischen 30.000 und 50.000 Euro investieren.

    Elektroantriebe und Hybridfahrzeuge dominieren die alternativen Antriebsformen. Bis 2019 nahmen die Verkäufe von Gas-Fahrzeugen ebenfalls zu. Im Coronajahr 2020 halbierten sich die Neuzulassungen jedoch auf 17.000 Stück und fielen hinter die batterieelektrischen Kfz zurück.

    Wasserstoff spielt bislang bei den Fahrzeugen noch keine nennenswerte Rolle: Im Jahr 2020 wurden lediglich sechs Toyota Mirai und ein Hyundai Nexo zugelassen.   

    Die großen Kundengruppen in Spanien bilden Privatleute, Unternehmen sowie Flottenbetreiber wie Autovermietungen. Von Jahr zu Jahr schwanken ihre Anteile an den Käufen erheblich. Zwischen 2016 und 2020 stand die Nachfrage von Privatkunden für ungefähr die Hälfte der Neuzulassungen.

    Neuzulassungen von Kfz in Spanien (in Einheiten, Veränderungen in Prozent)

    Kategorie

    2019

    2020 

    2021 *)

    Veränderung 2021/2020

    Pkw

    1.258.251

    851.211

    859.477

    1,0

    leichte Nutzfahrzeuge

    131.651

    90.301

    78.887

    -12,6

    Lkw bis 3,5 t

    83.271

    67.816

    72.935

    7,5

    Lkw über 3,5 t

    24.573

    19.245

    20.801

    8,1

    Mikrobusse

    738

    366

    426

    16,4

    Autobusse

    2.760

    1.805

    1.533

    -15,1

    *) vorläufigQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto
    Stellantis will den Direktverkauf von Kfz zum Standard machen

    Der Trend zum Direktverkauf von Kfz durch die Hersteller sorgt für Unruhe im Fahrzeughandel. Die Gruppe Stellantis hat einem Bericht von Cinco Días zufolge 39 Prozent ihrer Händler die Verträge gekündigt. Bis 2027 will Stellantis über ein Agenturmodell den direkten Verkauf zum einzigen Modell machen. Auch andere Konzerne prüfen ähnliche Modelle, so die Zeitung. Renault will hingegen maximal 10 Prozent der Fahrzeuge auf andere Weise als im klassischen Fahrzeughandel verkaufen.

    Im Fahrzeughandel war das vergangene Jahrzehnt durch Zusammenschlüsse geprägt. Die Tendenz ging zu weniger Anbietern, die eine größere Markenvielfalt anbieten. Im Durchschnitt verfügt ein Vertragshändler heute über zwei bis drei Verkaufsräume. 

    In einem nur leicht wachsenden Gesamtmarkt legten die drei meistverkauften Marken 2021 zu. SEAT behauptete sich im eigenen Ursprungsland an der Spitze der Verkaufstabelle. Die südkoreanischen Marken Hyundai und Kia konnten ihre Position durch besonders hohe Steigerungsraten ausbauen.

    Pkw-Verkäufe nach Marken in Spanien (Auswahl, Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent) 1)

    Hersteller

    2020

    2021

    Veränderung 2021/20 2)

    Marktanteil Jahr

    Insgesamt

    851.211

    859.477

    1,0

    100

      SEAT

    68.721

    70.523

    2,6

    8,2

      Peugeot

    65.697

    67.266

    2,4

    7,8

      Toyota

    57.580

    62.329

    8,2

    7,2

       Volkswagen

    68.817

    61.724

    -7,6

    7,2

      Hyundai

    45.404

    57.508

    26,7

    6,7

      Kia

    47.624

    57.235

    20,2

    6,6

      Renault

    56.138

    51.700

    -7,9

    6,0

      Citroën

    43.818

    47.072

    7,4

    5,5

      Dacia

    39.395

    36.771

    -6,7

    4,3

      BMW

    35.229

    35.193

    -0,1

    4,1

      Mercedes- Benz 

    42.375

    33.676

    -20,5

    3,9

    1) geordnet nach dem Ranking des Gesamtjahres 2021; 2) Veränderung im Vergleich zum VorjahrQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto
    Fahrzeuge werden im Mittel 19 Jahre lang gefahren

    In Spanien waren neuesten Angaben zufolge 2020 knapp 34,8 Millionen Fahrzeuge und damit 1 Prozent mehr als im Vorjahr zugelassen. Darunter befanden sich 24,7 Millionen Pkw und rund 5 Millionen Lkw sowie knapp 63.400 Busse. Die Definition der spanischen Generaldirektion für Verkehr ist weit gefasst und schließt auch Anhänger, Auflieger, Motorräder und knapp eine halbe Million sonstige Fahrzeuge ein.

    Das Durchschnittsalter der spanischen Fahrzeuge war mit 13,1 Jahren eines der höchsten in Europa. Auch wohlhabende Autonome Gemeinschaften bilden in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Verschrottet werden Fahrzeuge erst, wenn sie im Mittel 19 Jahre alt sind, wie der Verband ANFAC mitteilte. 

  • Marktchancen Automobil- und Kfz-Teile-Produktion

    Spanien zählt zu den führenden internationalen Kfz-Produktionsstandorten. Infolge des Halbleitermangels ist die gefertigte Stückzahl 2021 gesunken.

    Strategieplan soll 24 Milliarden Euro Investitionen mobilisieren

    Spanien war 2021 der zweitgrößte Fahrzeugproduzent in Europa und neuntgrößte weltweit. Laut den neuesten Angaben werden 20 Fahrzeugmodelle exklusiv in Spanien gebaut. Innerhalb Europas ist das Land der viertwichtigste Kfz-Teilehersteller. Die Unternehmensberatung EY sah die spanische Kfz- und Kfz-Teileindustrie im September 2020 im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Gelobt wurden die Logistik, die Effizienz der Hersteller und die Qualität der zugelieferten Komponenten. 

    Die spanische Regierung hat einen Strategieplan für elektrifizierte und vernetzte Mobilität beschlossen. Der finanzielle Beitrag des Staates beläuft sich auf 4,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen 19,7 Milliarden Euro, die Unternehmen aus der Automobilbranche aufbringen. Der Plan soll bereits bis Ende 2023 umgesetzt werden.

    Das Land will sich als Hub für Elektromobilität an die europäische Spitze setzen. Alle wesentlichen Komponenten wie Batterien und Brennstoffzellen sollen in Spanien produziert werden, ebenso die Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen Mikroprozessoren und weitere Teile, die zur Vernetzung der Fahrzeuge erforderlich sind.

    Die Automobilbranche zählt zu den größten Wirtschaftszweigen Spaniens. Je nach Breite der Branchendefinition trägt der Sektor etwa 9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Jahr 2021 erreichte die Kfz-Produktion rund 2,1 Millionen Einheiten. Der Umsatz mit Kfz-Teilen lag laut neuesten Angaben 2020 bei 30,2 Milliarden Euro.

    Die Automobilbranche und ihre Lieferketten sind sehr stark international verflochten. Die Fahrzeughersteller sind vor allem auf große europäische Märkte ausgerichtet, insbesondere auf Deutschland.

    Auch die Zulieferer sind vorwiegend auf das Ausland fokussiert. Sie exportieren 60 Prozent ihrer Fertigung direkt und inklusive der in Fahrzeugen verbauten und ausgeführten Fahrzeuge sogar 82 Prozent. 

    Halbleitermangel hemmt weiterhin die Kfz-Produktion

    Seit Anfang 2021 beeinträchtigt der globale Halbleitermangel die Herstellung von Fahrzeugen in Spanien. Seitdem sind noch mehrere Negativfaktoren hinzugekommen. Die Energiekosten sind seit dem 2. Halbjahr 2021 sprunghaft gestiegen. Zudem haben sich wichtige Rohstoffe wie Kobalt, Lithium und Nickel massiv verteuert. 

    Der Krieg in der Ukraine sorgt für zusätzliche Unsicherheiten. Innerhalb weniger Wochen wurden Kabel, Aluminium, Nickel und Palladium aus Russland und der Ukraine knapp.

    Ford vereinbarte aufgrund fehlender Komponenten für das 2. Quartal 2022 Kurzarbeit am Standort Almussafes (Valencia). Dort soll an 15 Tagen die Produktion von Fahrzeugen und Motoren ruhen. Mercedes-Benz in Vitoria hielt die Produktion in Vitoria am 21. März an und setzt auf eine wöchentliche Planung der Arbeitsschichten.

    Die führenden Automobilhersteller und Zulieferer investieren laufend in Modernisierungen und Anpassungen ihrer Produktionsanlagen. Pro Jahr belaufen sich ihre Investitionen laut dem Branchenverband Anfac auf insgesamt circa 3 Milliarden Euro. Die Aktivitäten erfolgen meistens auf der Basis mehrjähriger Pläne.

    Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Spanien (Auswahl)

    Vorhaben

    Investitionssumme (in Mio. Euro)

    Projektstand

    Anmerkungen

    SEAT; Elektrifizierungs- und Forschungsprogramm 2021 bis 2025

    5.000

    im Sommer 2020 angekündigt

    umfasst auch die Beschaffung neuer Ausrüstung für die Produktion in Martorell (Barcelona) und weiteren Werken

    Renault; Industrieplan Spanien 2020 bis 2023 

    keine Angabe

    angekündigt im Juni 2019

    umfasst eine Version des Captur mit zuschaltbarem Hybridantrieb und ein Werk zur Batteriemontage für die nächste Generation des Mégane

    Iberdrola; Aufbau von Schnelladepunkten für Elektroautos im Zentrum und Süden der iberischen Halbinsel

    150

    in Umsetzung

    insgesamt 150.000 Ladestellen vorwiegend mit 50 kW sowie weitere mit 100, 150 und 350 kW

    Endesa; Aufbau von Ladepunkte für Elektroautos

    100

    in Umsetzung bis Ende 2023

    insgesamt 6.500 Ladestellen landesweit; vorwiegend Schnelladepunkte; davon 2.800 bereits eingerichtet

    Bridgestone; Optimierung des Reifenwerks in Burgos

    70

    Strategie 2018 bis 2022

    Prozessoptimierung, Einführung neuer Produkte und Digitalisierung

    CIE Automotive; Investitionen in Innovationen und Nachhaltigkeit

    keine Angabe

    Investitionsplan 2018 bis 2022

    Unterstützung durch die Europäische Investitionsbank von 25,7 Millionen Euro für Maßnahmen in spanischen CIE-Werken

    Quelle: Presseberichte; Recherchen von Germany Trade & Invest

    Spanien beherbergt eine breit aufgestellte Teileindustrie für Fahrzeuge. Diese stützt sich vor allem auf den Export, versorgt aber auch den Binnenmarkt und lokale Kfz-Hersteller. Bedingt durch die Verwerfungen der Coronakrise fiel der Umsatz 2020 unter den Stand des Jahres 2015.

    Umsätze auf dem Kfz-Teilemarkt in Spanien (in Milliarden Euro)

    Bereich

    2017

    2018

    2019

    2020

    Insgesamt

    36,2

    37,2

    35,8

    30,2

      Inlandsmarkt

    16,2

    15,8

    15,1

    12,3

         OEM

    10,9

    10,3

    9,8

    7,7

         Aftermarket

    5,3

    5,5

    5,3

    4,6

      Export

    20,0

    21,4

    20,7

    17,9

    Quelle: Branchenverband Sernauto

    Insgesamt sind in Spanien rund 1.000 Hersteller von Kfz-Teilen vertreten. Der Fachverband Sernauto repräsentiert nach eigenen Angaben 85 Prozent des Sektors.

    Kfz-Hersteller produzieren an 18 Standorten

    Seat und Volkswagen, Ford, General Motors, Irizar, Iveco, Mercedes-Benz, Renault und Stellantis fertigen Kfz in Spanien. Bis auf den baskischen Bushersteller Irizar sind sie im Fachverband Anfac organisiert. Dieser hat eine Übersichtskarte mit den Aktivitäten seiner Mitgliedsunternehmen im Land erstellt.

    Der Aufbau neuer Produktionsstätten zeichnet sich bereits ab. Die indische Switch Mobility legte im März 2022 den Grundstein für ein Werk in Valladolid. Dort sollen Busse und Lieferwagen mit Elektromotoren gebaut werden. 

    In Barcelona knüpfen zwei Unternehmen an die Fertigung von Nissan an. Die spanischen Unternehmen QEV Technologies und B-Tech setzen auf Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb. Beide zusammen visieren eine Jahresproduktion von 100.000 Einheiten an. QEV will 60.000 Fahrzeuge der Marke Zeroid bauen und B-Tech will die Marke Ebro mit 40.000 Pick-ups jährlich wiederbeleben.

    Seat plant ab 2026 die Herstellung von Fahrzeugbatterien mit einer Kapazität von 40 Gigawattstunden pro Jahr. Dazu will das Unternehmen etwa 7 Milliarden Euro am Standort Sagunto (Valencia) investieren. Für das Projekt setzt Seat auch darauf, Fördermittel aus dem staatlichen Strategieplan Elektromobilität zu erhalten.

    Das spanische Unternehmen Bold plant eine kleinere Batteriefabrik. In Montmeló (Barcelona) sollen unter anderem Batterien für Motorsportfahrzeuge entstehen.

    Spaniens umsatzstärkste Kfz-Teilehersteller (Umsätze 2019, in Millionen Euro)

    Unternehmen

    Umsatz

    Valeo Iluminación

    1.103

    Gestamp  1) 

    793

    Denso Aftermarket Iberica  2)

    583

    Sas Autosystemtechnik

    538

    Dalphi Metal España

    535

    Faurecia Automotive España 3)

    505

    Plastic Omnium Equipamientos Exteriores

    473

    Benteler Mppv Automotive Manufacturing España

    450

    Adient Seating Spain

    433

    TRW Automotive España 

    429

    Robert Bosch España 4)

    380

    Seg. Automotive Spain

    352

    1) Standorte Navarra, Abrera, Vigo, Levante und Palau; 2) Denso Barcelona und Denso Sist.Térmicos; 3) Faurecia Emissions Control Technologies und Faurecia Sist. de Escape; 4) Standorte Madrid und AranjuezQuelle: Wirtschaftszeitschrift Actualidad Económica, Die 2.500 wichtigsten Unternehmen Spaniens 2020; Dezember 2020

    Die starke Präsenz internationaler Fahrzeughersteller in Spanien bedeutet auch eine vielfältige Zulieferlandschaft aus ausländischen und lokalen Produzenten.

    Produktionsvolumina der spanischen Automobilindustrie (in Einheiten; Veränderungen in Prozent)

    Kategorie

    2019

    2020

    2021

    Veränderung 2021/20

    Pkw 1)

    2.248.019

    1.800.664

    1.662.174

    -7,7

    Leichte Nutzfahrzeuge und Lkw 2)

    578.823

    467.521

    435.959

    -6,8

    Insgesamt

    2.822.360

    2.268.185

    2.098.133

    -7,5

    1) inklusive Geländewagen; 2) inklusive VansQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto

     

    Kfz-Produktion fiel 2021 weiter zurück

    Das Produktionsvolumen der Fahrzeughersteller in Spanien sank 2021 sowohl bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen. Der Mangel an Halbleitern war die Hauptursache für ein um 7,5 Prozent schwächeres Resultat als im Pandemiejahr 2020.

    Ausfuhrvolumina der spanischen Automobilindustrie (in Einheiten; Veränderungen in Prozent)

    Kategorie

    2019

    2020

    2021

    Veränderung 2021/20

    Pkw 1)

    1.904.311

    1.588.889

    1.455.634

    -8,6

    Leichte Nutzfahrzeuge und Lkw 2)

    403.633

    362.559

    365.093

    0,7

    Insgesamt

    2.310.070

    1.951.448

    1.820.727

    -6,7

    1) inklusive Geländewagen; 2) inklusive VansQuelle: Branchenverband Anfac-Ideauto; Berechnungen von Germany Trade & Invest

    Im Jahr 2021 wurden 87 Prozent der in Spanien gebauten Fahrzeuge exportiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf europäischen Märkten. Die meisten Kfz wurden nach Frankreich, Deutschland und Italien geliefert.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Spanien (in Millionen Euro, Veränderung in Prozent)

    Jahr 2020 *)

    Jahr 2021*)

    Veränderung 2021/20

    Einfuhr aus Deutschland *)

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    1.173

    1.178

    0,4

    172

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    12.943

    13.742

    6,2

    2.636

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    1.767

    1.598

    -9,6

    20

    SITC 713.2 Motoren

    2.808

    2.528

    -10,0

    1.186

    Summe

    18.691

    19.046

    1,9

    3.695

    *) vorläufigQuelle: Datacomex

    Unter anderem aufgrund der Präsenz deutscher Fahrzeughersteller ist Deutschland ein bedeutendes Lieferland für Fahrzeugteile. Besonders hoch war der proportionale Lieferanteil 2021 bei Motoren (SITC 713.2).

  • Rahmenbedingungen

    Deutschland und Spanien sind Teil des EU-Binnenmarktes. Entsprechend gelten grundsätzlich die gleichen Rahmenbedingungen.

    Für die Normierung von Produkten ist in Spanien die Vereinigung AENOR zuständig.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e.V.).

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht zur Verfügung sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung. 

Quelle: GTAI