Spanische Bauunternehmen arbeiten auf Drittmärkten mit Partnern | Wirtschaftsumfeld | Spanien | Auslandsbau
07.04.2021
Von Oliver Idem | Madrid
- Energieunternehmen nutzen ihre Erfahrung für Auslandsprojekte
- Gemeinsamer Erfolg kann die Grundlage für weitere Projekte bilden
- Kleine Unternehmen prägen das Bild in Spanien
- Beratung und finanzielle Absicherung für mehr Internationalisierung
Auslandsprojekte spanischer Unternehmen können Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen bieten. Insbesondere spanische Infrastrukturkonzerne setzen viele Vorhaben auf Drittmärkten um. Ausgeprägt ist ihre Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent. Hier konnten sie auch während der Coronakrise erfolgreich Aufträge akquirieren.
Die führenden Bau-, Infrastruktur- und Konzessionskonzerne ACS (zu dem Hochtief gehört), FCC, Ferrovial, Acciona, OHL und Sacyr sind stark diversifizierte Mischkonzerne. Sie sind während des Booms bis 2007 auf dem Inlandsmarkt gewachsen und dominieren diesen. Die darauffolgende Krise hat sie im Ausland zulegen lassen, wo sie zumeist den Großteil ihres Umsatzes erwirtschaften. Häufig arbeiten sie auf internationalen Märkten mit spanischen Ingenieurbüros zusammen. Je nach Projekt kommen weitere Partner hinzu.
ACS ist laut der Wirtschaftszeitung Cinco Días besonders stark auf dem amerikanischen Kontinent vertreten, spielt aber auch in Asien und Australien eine wichtige Rolle. Die Schwerpunkte von Ferrovial liegen in Europa und den USA. Sacyr verfügt über eine starke Präsenz in Lateinamerika.
Energieunternehmen nutzen ihre Erfahrung für AuslandsprojekteAuch spanische Energieunternehmen engagieren sich häufig im Ausland. Große Versorger wie Iberdrola, Endesa, und Naturgy setzen nicht nur Projekte auf dem boomenden Inlandsmarkt für erneuerbare Energien um. Sie und viele andere Unternehmen sind auch im Ausland vertreten.
Naturgy befindet sich beispielsweise in Australien auf einem massiven Expansionskurs. Das Unternehmen will dort die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen innerhalb von drei Jahren auf 1,3 Gigawatt verdoppeln. Naturgy besitzt dort vier Windparks und hat Genehmigungen für weitere erhalten. Das Unternehmen hat das Interesse des australischen Pensionsfonds IFM geweckt, der 5 Milliarden Euro für 22,7 Prozent des Naturgy-Kapitals bietet. Da Naturgy als strategisch eingestuft wurde, muss die spanische Regierung über das geplante Geschäft entscheiden.
Iberdrola setzt gemeinsam mit mehreren großen Whisky-Destillerien ein Wasserstoffprojekt in Schottland um. Das Tochterunternehmen Scottish Power wird die Destillerien mit Wasserstoff, der mithilfe von erneuerbaren Energien produziert wurde, versorgen. Damit ersetzen die Industriebetriebe fossile Brennstoffe, die bislang für die Dampferzeugung beim Destillieren erforderlich sind. Die Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff soll in der Region und in weiteren Teilen des Vereinigten Königreichs und Europas ausgedehnt werden. Gemeinsam mit der schottischen Global Energy Group vereinbarte Scottish Power, den Hafen von Nigg mit "grünem" Wasserstoff zu versorgen.
Auch deutsche Unternehmen setzen gemeinsam mit spanischen Partnern Vorhaben auf Drittmärkten um. Beispiele sind DB Engineering and Consulting, die Planungsgesellschaft Obermeyer und das Elektroflugzeuge entwickelnde Start-up Lilium.
Gemeinsamer Erfolg kann die Grundlage für weitere Projekte bildenFür die Kooperationschancen ist der Bedarf des jeweiligen spanischen Unternehmens an Technik oder Expertise entscheidend. Zudem zeigen mehrere Beispiele, dass nach einem gemeinsam durchgeführten Projekt Chancen auf eine erneute Zusammenarbeit bestehen. Gute Erfahrungen mit Partnern auf Drittmärkten können sich auszahlen.
Im Fall von Spanien kommt noch eine Besonderheit hinzu. Da die spanische Baubranche fest in einheimischer Hand ist, könnten für ausländische Partner die Projekte auf Drittmärkten sogar bessere Perspektiven bieten als in Spanien selbst. Im Idealfall steht in der Folge auch die Tür zum spanischen Markt durch den Kooperationspartner ein Stück weiter offen als ohne ihn.
Bei den Projekten ist nicht immer leicht zu durchschauen, wer wo mit wem zusammenarbeitet oder wie akquiriert wird. Zu manchen Vorhaben sind ausführliche Informationen verfügbar, bei anderen nur die Grundzüge der Planung.
Die Beispiele zeigen aber, dass für spanische Unternehmen auch andere Partner als spanische oder solche auf dem Zielmarkt in Frage kommen. Wenn das Profil passt, kann der Grundstein für eine Zusammenarbeit gelegt werden.
Kleine Unternehmen prägen das Bild in SpanienDie großen international bekannten spanischen Unternehmen verfügen mit ihren Auslandsaktivitäten über ein wichtiges Standbein. Das zeigte sich auch im bisherigen Verlauf der Coronakrise. Spanien war mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 11 Prozent unter den EU- und OECD-Staaten 2020 am stärksten betroffen.
Doch konnten große spanische Unternehmen auch im Krisenjahr 2020 einige Erfolge vermelden und Projekte sowie Konzessionen an Land ziehen. Dagegen litten kleinere auf den Binnenmarkt ausgerichtete Unternehmen besonders schwer unter der Krise. Etwa 95 Prozent der spanischen Wirtschaft bestehen aus Unternehmen mit maximal 9 Mitarbeitern und Einzelselbstständigen.
Beratung und finanzielle Absicherung für mehr InternationalisierungUm die Chancen im Ausland besser zu nutzen, will die spanische Regierung insbesondere die Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen vorantreiben. Das Programm ICEX Next der staatlichen Außenwirtschaftsförderung ist auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Es umfasst ein Netzwerk von etwa 200 Beratern in Spanien und dem Ausland. Zudem können für die in den ersten 24 Monaten der Internationalisierung anfallenden Kosten bis zu 20.000 Euro als Subvention gewährt werden.
In der Absicherung von Auslandsgeschäften ist die Kreditagentur für Exportwirtschaft Compañía Española de Seguros de Crédito a la Exportación (CESCE) tätig. Diese gehört zu 50,25 Prozent dem spanischen Staat sowie diversen Banken und Versicherungen. Die wesentlichen Aufgaben bestehen in dem Management von Handelskrediten und der Ausstellung von Kautionsversicherungen und Garantien.


