Spanische Wirtschaftsleistung bricht 2020 zweistellig ein | Wirtschaftsausblick | Spanien
Spanien gehört zu den am stärksten von den Pandemiefolgen betroffenen Industrieländern. Mit den Zuschüssen des EU-Hilfspakets soll das Land grüner und digitaler aufgestellt werden.
23.11.2020
Von Oliver Idem | Madrid
- Wirtschaftsentwicklung: Tiefer Absturz und langsame Erholung
- Investitionen: 72 Milliarden Euro von der EU für strategische Weichenstellungen
- Konsum: Haushalte fahren ihre Sparquote hoch
- Außenhandel: Regierung korrigiert Erwartungen nach oben
Spanien zählt zu den intensiv von der Coronapandemie betroffenen Ländern. Die Europäische Kommission erwartet 2020 einen Einbruch der realen Wirtschaftsleistung um 12,4 Prozent. Damit liegt Spanien um ganze fünf Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Mitgliedsstaaten. Frühestens 2023 kann das Land demnach wieder das Vorkrisenniveau erreichen.
Große exportstarke Industrieunternehmen und die Bau- und Infrastrukturkonzerne des Landes behaupten sich in der Krise tendenziell am besten. Sie arbeiten auf einem wettbewerbsfähigen Niveau und sind innovativ. Im Jahresverlauf gelang es den großen Bauunternehmen bisher, eine Vielzahl von internationalen Aufträgen an Land zu ziehen und sich damit unabhängiger vom Abschwung im Inland zu machen.
Die Landwirtschaft war im Frühjahr weniger von Beschränkungen betroffen als andere Sektoren und konnte sich entsprechend gut behaupten. Die schwersten Krisenfolgen spüren Kleinunternehmen, die auf den Binnenmarkt angewiesen sind. Der gleichzeitige Niedergang von Auslands- und Inlandstourismus zieht im laufenden Jahr eine Vielzahl von Unternehmen mit nach unten. Die Gastronomie kämpft mit der Zurückhaltung der Kunden und Einschränkungen, die aus der Pandemiebekämpfung herrühren.
Von der staatlichen Seite her soll die Energie- und Klimapolitik ein Motor für die wirtschaftliche Erholung sein. Mithilfe von Investitionen in die Digitalisierung ist vorgesehen, die Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger aufzustellen.
Die politischen Rahmenbedingungen zur Krisenbekämpfung bleiben schwierig. Die rot-rote Minderheitsregierung ist zur Umsetzung ihrer Pläne auf Partner wie baskische und katalanische Regionalparteien angewiesen. Unpopuläre Strukturreformen wie bei der immer stärker verschuldeten Sozialversicherung lassen sich unter diesen Umständen kaum durchsetzen.


