Auch Absatzmarkt wird immer interessanterKIEW (Dow Jones/bfai)--Die Ukraine mit ihren 47 Mio Einwohnern ist fürdie Kfz-Industrie in den letzten Jahren nicht nur als Absatzmarkt fürNeuwagen, sondern auch als Produktionsstandort zunehmend interessantgeworden. „Westliche”, darunter auch deutsche Unternehmen -Fahrzeughersteller und Teile-Zulieferer - sind in dem osteuropäischenLand bereits präsent. Vor allem die West-Ukraine, welche an drei (bzw.ab 2007 voraussichtlich an vier) neue EU-Mitgliedsländer grenzt, bietetsich als Standort für Ansiedlungen von Kfz-Montagewerken an. DerKfz-Binnenmarkt des Landes gilt als „ausbaufähig”. Mit einem Bestandvon rd. 6,6 Mio Pkw (Ende 2004) steht die Ukraine nach der Anzahlregistrierter Fahrzeuge hinter Russland und Polen auf Platz 3 dermittel- und osteuropäischen Länder. Knapp 81% des Pkw-Bestandesentfielen auf ukrainische und russische Fahrzeug-Marken. Lediglich 9%waren jünger als sieben Jahre. Prognosen zufolge wird sich derPkw-Bestand während der nächsten fünf Jahre bis Ende 2010 um rd. 1 MioFahrzeuge erhöhen. Im Jahr 2005 dürfte die Zunahme der Zahl derPkw-Neuzulassungen bei „nur” etwa 20% gelegen haben. Die Marktexpansionaus dem Jahr zuvor (+37%) konnte infolge der starken Verlangsamung desgesamtwirtschaftlichen Wachstums (ca. 2,8% im Jahr 2005 nach noch 12,1%in 2004) nicht mehr erreicht werden. Bei ausländischen Marken deutenSchätzungen auf eine unterdurchschnittliche Absatzzunahme um 13% bis17% hin. Die häufigen Kurswechsel in der ukrainischen Zollpolitik beiKfz und Kfz-Teilen sowie nicht zuletzt auch Unwägbarkeiten im Bereichder allgemein-politischen Entwicklung wegen der Ende März 2006anstehenden Parlamentswahlen machen Prognosen für den Kfz-Marktschwierig. Vieles wird davon abhängen, ob sich das Wachstumsklima imLand wieder verbessert. Absatzfördernd dürften sich 2006 - wie übrigensauch bereits 2005 - die verbessertenAutokauf-Finanzierungsmöglichkeiten auswirken. Sollte es zu einerSenkung der Einfuhrzölle bei Pkw von jetzt 25% auf 20% undmöglicherweise weiter auf 10% kommen - letzteres wird mancherorts alsVorbedingung für einen Beitritt der Ukraine zur Welthandelsorganisation(WTO) angesehen - , so würde auch dies der Entwicklung des Markteszugute kommen. Bei Pkw hat sich der Wettbewerb im Niedrigpreissegment(7.000 bis 10.000 USD) durch das Hinzukommen neuer Modelle im Jahr 2005deutlich verschärft. Infolgedessen sind die Anreize gewachsen,Montage-Produktionen „vor Ort” aufzuziehen. Das Hochschnellen derVerkäufe fabrikneuer Import-Pkw (+55% von Januar bis September 2005 imVergleich zum Vorjahreszeitraum) dürfte großenteils auf dieAnkündigungen zurückzuführen gewesen sein, die einheimischeKfz-Industrie noch mehr als bisher zu begünstigen. Im August 2005wurden schließlich entsprechende Maßnahmen implementiert. Infolgedessenhaben sich Pkw aus dem Import um durchschnittlich 4% verteuert, währendsich im Inland hergestellte Kfz um 5% bis 7% verbilligten. Insbesondererussische Marken verfügen im Land über eine starke Marktposition.Allein Fahrzeuge der Automobilfabrik Togliatti (WAZ) kamen im Jahr 2005ersten Schätzungen zufolge auf einen Marktanteil von rd. 35%. MitAusnahme des Chevrolet-Niva werden inzwischen die in der Ukrainemeistverkauften Pkw russischer Marken an Montagestandorten im Inlandgefertigt. Daneben gibt es jedoch weiterhin umfangreiche (wenngleichquotierte) Einfuhren von Neufahrzeugen aus Russland. Bei Pkw trittvermehrt die Montage westeuropäischer und asiatischer Modelle neben dastraditionell starke Angebot russischer Hersteller. Das zeitlicheZusammenfallen von Investitionsprojekten in der Ukraine einerseits undvon wachsenden tarifären wie nichttarifären Importrestriktionen derRegierung in Kiew andererseits ist nicht zufälliger Natur. DieEinfuhrzölle auf Neufahrzeuge (Pkw) sind seit Juni 2004 insgesamtdreimal auf jetzt 25% erhöht worden, und seit August 2005 sind Importevon „Second Hand”-Lkw und -Omnibussen, deren Erstzulassung mehr alsfünf Jahre zurückliegt, verboten. Die Ukraine wartet langfristig auch im Pkw-Aftermarket mit einemgroßen Wachstumspotenzial auf. Zudem ist dort mit erheblichenStrukturveränderungen zu rechnen, da immer mehr Kfz-Teile fürwesteuropäische und asiatische Pkw benötigt werden. DasAftermarket-Volumen zu Endverbraucherpreisen ohne Steuern belief sichim Jahr 2004 auf rd. 1,2 Mrd EUR. Je nach zugrunde gelegtemEntwicklungs-Szenario wird bis 2010 ein Wachstumsschub auf 1,8 bis 2,0Mrd EUR prognostiziert. Die Nachfrage nach Lkw wird wegen der schonseit Jahren anhaltenden robusten Baukonjunktur und wegen derfortschreitenden Anpassung an die in der EU geltendenEmissionsanforderungen weiter lebhaft bleiben. Das Omnibus-Geschäftexpandiert z.z. mit besonders hohen Zuwachsraten. Die Jahresumsätze beifabrikneuen und Gebraucht-Bussen einschließlich Klein- und Minibussennahmen zuletzt nach einer inoffiziellen Schätzung von 100 Mio USD(2002) über 120 Mio USD (2003) auf 150 Mio USD (2004) zu. Im Jahr 2004ist die ukrainische Pkw-Produktion gegenüber dem Vorjahr um fast 70%gewachsen. Inzwischen haben auch namhafte internationaleKfz-Zulieferunternehmen das Potenzial der Ukraine alsProduktionsstandort entdeckt. Standortvorteile sind die Nähe zur EU,die starken Produktionsbasen in der Stahl- und Aluminiumindustrie sowieder große verfügbare Pool an Fachkräften. Die Kfz-Importe der Ukrainebeliefen sich 2004 auf knapp 120.000 Einheiten. Die offiziellen Angabenzum Außenhandel mit Kfz-Teilen liefern nur ein unvollständiges Bildüber die durchgeführten Transaktionen. Es gibt eine hohe Dunkelzifferillegal importierter (falsch deklarierter bzw. zu fingiertenNiedrigpreisen fakturierter) Komponenten. Bei diesen Einfuhren sindhäufig auch Produktfälschungen im Spiel. Interessante Informationen zumSektor bieten u.a. folgende Internetseiten: www.autoconsulting.com.ua,www.motornews.com.ua, www.sovavto.cjb.net, www.trucks.com.ua. Für Zölleund Einfuhrverfahren ist der Zolldienst der Ukraine maßgeblich(Internet in Landessprache: www.customs.gov.ua). Die Zolldienststellensowohl an den Grenzen als auch im Inland erteilen entsprechendeAuskünfte. Sie verfügen meist jeweils über eine besondere Abteilung fürdie Zollabfertigung von Fahrzeugen. Das Staatskomitee für technischeRegulierung und Verbraucherpolitik (www.dssu.gov.ua) ist hauptzuständigfür Fragen der Standardisierung und Zertifizierung von Erzeugnissenaller Art, darunter auch von Kfz. Es erteilt auf Anfrage Auskünfte übergeltende Normen und Standards. H.M./NfA/10.1.2006


