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Thailand

Thailands Bausektor weiter auf dem Vormarsch


Dynamische Entwicklung sorgt für Geschäftschancen 

Der thailändische Baumarkt wird sich 2011 weiter nach oben bewegen. Der Sektor wird angekurbelt durch Investitionen im Infrastrukturbereich, eine höhere Nachfrage nach Büro- und Gewerbeobjekten sowie durch den weiter wachsenden Immobilienmarkt. Von der Entwicklung profitieren zahlreiche Zulieferbereiche wie die Zementverarbeitung sowie der Absatz von Farben und Möbeln. Deutsche Hersteller haben sich gut in einzelnen Segmenten positioniert. Bei den Lieferungen von Baumaschinen belief sich der Zuwachs 2010 sogar auf fast 50%.

Der thailändische Wohnungsmarkt wird etwas von seiner Vorjahresdynamik einbüßen, aber dennoch weiter wachsen. Steigende Zinsen, auslaufende Steueranreize für Immobilien und höhere Baukosten drücken zwar auf die Stimmung im Sektor, jedoch zeigen die Prognosen des Kasikorn Research Centers für die thailändische Baubranche 2011 um 5,5 bis 8,2% nach oben. Bereits im Vorjahr war die Bauindustrie einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die Konjunktur des Königreichs.

Nach Schätzungen von Unternehmensberatern wurden im Jahr 2010 insgesamt 115.748 neue Wohneinheiten beziehungsweise 429 Vorhaben alleine im Großraum Bangkok lanciert. Der Gesamtwert belief sich dabei auf 299 Mrd. Baht (B; rund 7,0 Mrd. Euro; 1 Euro = 42,8 B). Dies entsprach einem satten Zuwachs von 98% bezogen auf die Einheiten und gleichzeitig der höchsten Steigerungsrate seit 16 Jahren. Von allen neu gebauten Einheiten entfielen 55% auf sogenannte Condominiums, 27% auf Stadt-, 14% auf Einzel- und 3% auf Doppelhäuser.

Nach Einschätzung des Fachverbands Thai Condominium Association wird die Nachfrage nach den hochgeschossigen Wohnanlagen, die meist mit eigener Infrastruktur, Freizeiteinrichtungen und Sicherheitskräften ausgestattet sind, unter einem zunehmenden Mangel an attraktiven Standorten leiden. Die Verkäufe in diesem Segment sollen demzufolge 2011 stagnieren, da nur noch große Baufirmen mit einem breiten Finanzpolster neue Projekte durchführen dürften.

Einige Firmenvertreter gehen sogar von einem rückläufigen Markt für Condominiums im laufenden Jahr aus. Nach Einschätzung des größten thailändischen Projektentwicklers für Immobilien, Pruksa Real Estate Plc (PS), werden die Neulancierungen von Vorhaben in diesem Segment um 10 bis 15% nach unten zeigen. Als Grund hierfür nannte der Preuksa-Präsident in der Tageszeitung "Bangkok Post" einen großen Angebotsüberhang aus dem vergangenen Jahr bei gleichzeitig höherem Kostendruck. Noch im Jahresverlauf 2010 durchlebte der Markt für Condominiums in Bangkok einen regelrechten Boom mit eine Zuwachs von 182%. Einige Beobachter sprachen daher auch von einer sich abzeichnenden Blasenbildung in diesem Segment.

Die höchsten Zuwächse sollen 2011 demzufolge auf Einzelhäuser entfallen. Sollte sich dieser Trend mittelfristig verfestigen, würde sich dies nach Einschätzung von deutschen Firmenvertretern positiv auf die Absatzchancen von Maschinen und Werkzeugen "Made in Germany" auswirken. Condominiums werden Branchenexperten zufolge in der Regel mit Materialien "von der Stange" - sprich schnell und so preiswert wie möglich - gebaut. Darüber hinaus werden Condominiums häufig als reine Investitionsobjekte erworben.

Die Qualität sei aus diesem Grund eher durchschnittlich und hat sich, bis auf wenige High-end Ausnahmen in den vergangenen 15 Jahren nicht an internationalen standards und Bauentwicklungstrends orientiert - so Toni Lovrec, Area Sales Manager Asia von Festool. Anbieter von Spezial- und hochqualitativen Werkzeugen haben ihre Kundschaft daher eher bei den Besitzern von Häusern und deren Handwerkern, die "mehr Herzblut" in ihre Projekte fließen lassen und stärker auf Qualität achten.

Auch andere deutsche Firmen sehen der Entwicklung 2011 äußerst positiv entgegen. Das Unternehmen Häfele geht von einer Umsatzsteigerung im zweistelligen Bereich aus. Für den mittelständischen Hersteller von Bau- und Möbelbeschlägen spielt Thailand ohnehin eine bedeutende Rolle, weil dort mit weitem Abstand der höchste Umsatz in der asiatischen Region erzielt wird. Stiebel Eltron Asia rechnet ebenfalls mit einem positiven Unternehmensergebnis. Die Verkäufe des Herstellers von Haus- und Systemtechnik sollen in diesem Jahr um 15 bis 20% zulegen.

Weitere Impulse sollen aus den Bereichen Büro- und Gewerbeimmobilien kommen. Der Büromarkt soll nach Einschätzung des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (Thailand) bis 2015 von der Implementierung der Asean Economic Community (AEC) profitieren, da Thailand hierbei die Rolle eines Brückenkopfes für internationale Unternehmen in der Region einnehmen dürfte. Flankiert von einem gesunden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 4 bis 5% und einem zuletzt geringen Neuangebot in diesem Segment wird die Nachfrage nach Büroobjekten im Großraum Bangkok mittelfristig zulegen. Hersteller von Möbeln wie die börsennotierte Firma Modernform erwarten Medienberichten zu Folge für 2011 sogar Umsatzsprünge von 15 bis 20%.

Ebenso kurbeln geplante Infrastrukturprojekte wie die Erweiterung des Nahverkehrsnetzes und der Bau von Schnellzugstrecken quer durch das Königreich die Entwicklung des Bausektors an. Darüber hinaus sorgt die florierende Exportindustrie wie vor allem im Kfz- und Elektronikbereich für steigende Umsatzerwartungen bei den Betreibern von Industrieparks, die sich mittelfristig wiederum im Neubau oder der Modernisierung von Fabriken niederschlagen dürften. Auch die Segmente Tourismus und Einzelhandel versprechen aufgrund umfangreicher Expansionsbestrebungen gute Entwicklungsperspektiven.

Die boomende Baubranche Thailands wirkt sich positiv auf zahlreiche angeschlossene Wirtschaftszweige aus. So soll der Markt für Fahrstühle und Rolltreppen nach Auskunft von Branchenvertretern in den lokalen Medien 2011 bis zu 20% zulegen, falls die Umsetzung der anvisierten Infrastrukturprojekte wie geplant voranschreitet. Bereits 2010 konnte das Segment ein Wachstum von geschätzten 10% verbuchen. Die Nachfrage nach Aufzügen sollte sich aufgrund der zunehmenden Bevölkerungsdichte in Bangkok künftig auf anhaltend hohem Niveau bewegen. Geschäftschancen ergeben sich demzufolge auch bei der Wartung und Modernisierung bestehender sowie bei der Entwicklung von energieeffizienten Aufzügen.

Der Markt für Farben und Lacke soll 2011 nach Schätzungen des Kasikorn Research Centers im Gleichschritt mit der Konjunktur um rund 5% auf 13 Mrd. B wachsen. Als weiterer positives Signal für den Sektor kann die erwartete Steigerung des Zementverbrauchs herangezogen werden. So geht der zweitgrößte Zementhersteller Thailands, Siam City Cement Plc (SCCC) von einer 10%igen Wachstumsrate des Konums aus. Vertreter der Firma äußerten sich daher in der "Bangkok Post" sehr zuversichtlich über die Aussichten des thailändischen Bausektors.

Für diese Einschätzung sprechen auch die geplanten Investitionen der Baumarktketten wie von Branchengigant Homepro, der allein 2011 fünf neue Geschäfte im Wert von jeweils 400 Mio. bis 500 Mio. B in Thailand eröffnen will. Die Gesamtzahl der Heimwerkermärkte von Homepro würde somit auf 45 anwachsen. Im März 2012 soll schließlich der 10 Mrd. B teure "Mega Bang Na-Komplex" eröffnet werden, der unter anderem auch die erste Filiale der schwedischen Ikea-Kette beinhalten wird. Der Markteintritt von Ikea wird nach Einschätzung von Branchenkennern den Wettbewerb im thailändischen Bau- und Möbeleinzelhandel deutlich intensivieren.

Von der dynamischen Entwicklung des Sektors profitierten im vergangenen Jahr die Lieferungen von Baumaschinen und -teilen "Made in Germany", die gemäß der thailändischen Zollstatistiken um ganze 45% in die Höhe schossen. Deutschland liegt mit einem Anteil von mehr als 8% an vierter Stelle des Importrankings hinter Japan, der VR China und den USA - die allerdings mit Wachstumsraten zwischen 49 und 84% noch stärker zulegen konnten. Die gesamten Einfuhren des Sektors beliefen sich 2010 auf 1.346 Mio. US$ und stiegen um 50% im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: gtai